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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Alpinist Fritz Miller

Extrem-Bergsteiger Fritz: "Manchmal weiß keiner, wo ich grad rumhäng´"

von Florian, 15.06.2018

Wandern, Klettern und normales Bergsteigen reizen Fritz nicht. Der Alpinist braucht die Herausforderung – auch wenn das für ihn immer wieder bedeutet, sich in Lebensgefahr zu begeben.

Auf über 3.000 Metern drei Tage lang alleine an einer Bergwand zu hängen, ist für die meisten Menschen sicherlich ein Albtraum. Nicht so für Fritz Miller – er hat sich dieser Herausforderung freiwillig gestellt. Eine Solo-Begehung an der Marmolada Südwand in den Dolomiten, der sogenannte "Weg durch den Fisch". Dieser alpine Klassiker ist nicht nur extrem anspruchsvoll – Bergsteiger sollten sich auch sicher sein, dass sie ihn meistern können, denn ein Rückzug ist äußert schwierig. "Diese Tour hat mich körperlich und auch mental so stark gefordert, dass ich danach ausgebrannt war und eine längere Pause vom Klettern brauchte", gibt der Leistungsbergsteiger zu.

Fritz konnte schon als Kind an keinem Berg vorbeigehen

Fritz bezeichnet sich selbst als Alpinist. Der 34-Jährige erklettert alles, was sich im anspruchsvollen alpinen Gelände abspielt – und das darf zudem gern herausfordernd und unbekannt sein. Seine Faszination für Höhen begann schon in seiner Kindheit. Der gebürtiger Reutlinger kletterte am Fuße der Schwäbischen Alb auf Bäume, im Alter von zwölf Jahren erklomm er die dortigen Kalkfelsen. Mit 22 hat er sich ganz auf den Alpinsport konzentriert, arbeitet seitdem als Bergführer und wird zudem von Sponsoren unterstützt.

Oft geht Fritz seiner Passion in den Alpen oder den Dolomiten nach, gerne im Winter, egal, ob im Fels oder im Eis. Manchmal erklimmt er aber auch die Hochgebirge anderer Kontinente. 2017 war er mit anderen Bergsteigern in Pakistan in der Ogre-Gruppe unterwegs. Die Besteigung des Gipfels zählt zu den schwierigsten auf der Welt. Tagelang war Fritz von der Zivilisation abgeschnitten. Nicht nur für ihn selbst ging das an die Substanz. "Es ist auch für meine Familie und meine Freundin belastend, wenn keiner weiß, wo ich grad rumhäng'", sagt Fritz. Und ob er überhaupt noch irgendwo hängt.

Mixed-Klettern bei Kandersteg in den Schweizer Alpen
Eis und Fels: Fritz beim Mixed-Klettern nahe Kandersteg in den Schweizer Alpen.

Beim Extrem-Bergsteigen lauern etliche Gefahren

Denn Gefahren gibt es in der Extrem-Bergsteigerei viele. Zunächst einmal die offensichtlichste: irgendwo abzurutschen oder herunterzufallen. Seile können reißen, Lawinen entstehen. In der Höhe kommen noch die geringen Temperaturen und die dünne Luft dazu, in den Wintermonaten die kurzen Tage mit schwierigen Lichtverhältnissen. Auch die berüchtigte Gletscherspalte ist eine von vielen Bedrohungen, denen ein Alpinist ausgesetzt ist.

Fritz versucht, sich in kritischen Momenten so sehr auf die Aufgabe zu fokussieren, dass er handlungsfähig bleibt. Doch sein Leben ist immer wieder in Gefahr. "Es gehört zwar nicht zum Alltag, kommt aber immer wieder vor, dass ich mir sage: Jetzt hast du Glück gehabt, mit ein wenig Pech wäre es das hier gewesen. Denn der weitverbreitete Gedanke, dass Bergsteiger auf ihren Routen permanent abgesichert sind, ist völlig abwegig und nicht umsetzbar."

Im Detail möchte Fritz nicht über diese Situationen reden. Jede Konfrontation damit belastet ihn aufs Neue. Wichtig ist ihm, sich nach der Bewältigung einer solchen Situation Zeit zu nehmen, um zu reflektieren, warum die Gefährdungslage plötzlich auftrat. "Aus eigenen Fehlern zu lernen ist beim Leistungsbergsteigen nicht immer möglich, da die Konsequenzen oft sehr schwerwiegend sind", sagt Fritz.

Highlinen bei El Chaltén in Patagonien
Schwindelfrei muss Fritz sein: Highlinen bei El Chaltén in Patagonien.

Ein Kind würde Fritz zum Umdenken bewegen

Der Umgang mit der Angst ist ein wichtiges Thema im Leistungsbergsteigen. Nicht nur die Angst um die eigene Unversehrtheit, sondern auch um die des Seilpartners. Doch warum tut sich Fritz das dann immer noch an?

"Kinder wollen jeden Hügel erklimmen, der ihnen in den Weg kommt. Und bei mir ist das auch als Erwachsener so geblieben. Ich will mich bewusst den Schwierigkeiten der Kletterei stellen und eine Welt erschließen, die mich seit jeher fasziniert hat." Sollte allerdings einmal ein eigenes Kind im Anmarsch sein, würde Fritz nachdenken und das Risiko auf seinen Touren wohl stark reduzieren.

Nesthorn in den Berner Alpen
Solche Ausblicke wie hier am Nesthorn in den Berner Alpen entschädigen für die Qualen des Aufstiegs.

Voraussetzungen für das Extrem-Bergsteigen

Wenn auch du Lust verspürst, in freier Natur schwierige Routen zu erklimmen, solltest du allerdings einige Voraussetzungen mitbringen. Neben körperlicher Fitness und Beweglichkeit ist dies vor allem die Leidenschaft fürs Bergsteigen. "Man muss in sich ein Feuer verspüren, genau das machen zu wollen, und gleichermaßen bereit sein, auf viele andere Dinge zu verzichten, wie die Sicherheit um die körperliche Unversehrtheit sowie ein geregeltes Einkommen", sagt Fritz. Dein Alter ist dagegen nebensächlich. Es gibt schon ambitionierte Leistungsbergsteiger, die nicht viel älter als 20 Jahre sind, aber genauso reihenweise alte Hasen, die die nachlassende Kraft mit ausgereifter Technik, Erfahrung und viel Geduld wettmachen.

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