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Hochsensibel und stolz darauf: Maria macht einen Podcast über Hochsensibilität

von Sirany, 23.03.2018

Eine ständige Reizüberflutung, weil die Sinneskanäle permanent offen sind – so nehmen hochsensible Menschen wie Maria die Welt wahr. Im Podcast "Proud to be Sensibelchen" teilt sie ihre Erfahrungen.

Wenn jemand sie fragt, wie sich Hochsensibilität anfühlt, nimmt Maria Anna Schwarzberg gerne eine U-Bahn-Fahrt als Beispiel. In der Regel steigt man ein, sucht sich einen Platz, setzt sich hin und konzentriert sich dann auf sein Buch oder die Musik, die man hört – bis man die Station erreicht hat, an der man wieder raus möchte.

Bei hochsensiblen Menschen ist das anders. Wenn sie in die U-Bahn einsteigen, prasseln die unterschiedlichsten Eindrücke auf sie ein: Gerüche, Geräusche, Gespräche, einen vorgewärmten Sitz und die Stimmungen anderer Fahrgäste nehmen sie verstärkt wahr. Sich bei dieser Reizüberflutung noch auf ein Buch oder die Playlist im Ohr zu fokussieren, ist nicht einfach.

Hochsensibilität fühlt sich für jeden anders an

Maria hat vor drei Jahren herausgefunden, dass sie hochsensibel ist. Damals war die 29-Jährige, die Public Management studiert und als Redakteurin gearbeitet hat, wegen Burn-out krankgeschrieben und las einen Artikel über jenes Phänomen. Sie erkannte sich darin wieder und sprach mit ihrem Psychologen, der sie testete und ihre Vermutung bestätigte. Seitdem befasst sich Maria intensiv mit dem Thema und hat im Juli 2017 den Podcast „Proud to be Sensibelchen“ ins Leben gerufen, um der Hochsensibilität eine Plattform zu geben und darüber zu informieren.

Auf ihrer Webseite können die Nutzer einen Test machen und 27 Fragen beantworten, um zu sehen, ob auch sie hochsensibel sein könnten. „Das ist kein umfassender psychologischer Test, sondern eine erste Einschätzung“, erklärt Maria. Denn Hochsensibilität kommt in ganz unterschiedlichen Ausprägungen vor und äußerst sich individuell. Dennoch gibt es bestimmte Symptome und Merkmale, die darauf hinweisen können und von der US-amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron vor rund 20 Jahren in dem Buch „The Highly Sensitive Person“ gesammelt wurden.

Hochsensible Menschen, auch HSPs genannt – die Abkürzung steht für highly sensitive person –, sollen demnach unter anderem eine erhöhte Schmerz- und Geräuschempfindlichkeit haben, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzen, zu Perfektionismus neigen und verstärkt auf Alkohol, Koffein und andere Suchtmittel reagieren.

Für Maria ist der Kern der Hochsensibilität die permanente Reizüberflutung und große Empfindsamkeit: „Man lebt sehr intensiv und bunt, aber man braucht auch viel Zeit, um das alles zu verarbeiten, annehmen und angucken zu können.“

 
Maria Anna Schwarzberg in Landschaft
Hochsensibel zu sein, bedeutet für Maria, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen – und nicht, um bei anderen für Verständnis zu werben.

Klarkommen heißt, gut zu sich selbst zu sein

Um auf die vielen Sinneseindrücke klarzukommen und das „implodierende Chaos“ aufzuräumen, ist es laut Maria besonders wichtig, genug Zeit und Raum für sich selbst zu haben. Ausreichend Schlaf, viel frische Luft, genügend Bewegung und eine gesunde Ernährung helfen ihr ebenfalls dabei, ihre Hochsensibilität zu verarbeiten.

Dabei steht folgende Frage im Vordergrund: Was tut mir gut und was hilft mir dabei, die ganzen Gedanken und Emotionen zu ordnen und zu verarbeiten, damit ich anschließend wieder ins bunte Leben starten kann? Die gebürtige Salzwedlerin gönnt sich deshalb im Moment eine mehrmonatige Auszeit auf Bali. Ihren Podcast kann sie schließlich auch von dort fortführen.

Aus der Empfindsamkeit eine Stärke machen

„Proud to be Sensibelchen“ soll das Phänomen Hochsensibilität, das Marias Meinung nach noch viel zu wenig bekannt und erforscht ist, salonfähig machen und zur Aufklärung beitragen. „Ich will deutlich machen, dass Sensibelchen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden müssen, sondern für sich selber einstehen und Verantwortung übernehmen können“, erzählt sie.

Ihr Podcast richtet sich daher nicht nur an HSPs, sondern auch an deren Freunde und Partner. Etwa einmal pro Woche teilt Maria darin ihre Erfahrungen, die sie im Alltag als Hochsensible gemacht hat, oder lädt sich Interviewpartner ein. Im Audioformat gibt sie handfeste Tipps und Einblicke, wie sie ihr Leben managt und spricht dadurch unterschiedliche Menschen an.

Weil sie ihre Empfindsamkeit zur Stärke gemacht hat und reflektiert und mutig damit umgeht, hat Maria trotz starker Social-Media-Präsenz bislang kaum Gegenwind oder gar Anfeindungen zu spüren bekommen. „Jemand, den das nicht interessiert, der kann ja einfach weiterklicken und sich einen anderen Podcast anhören“, sagt sie.

Du bist hochsensibel, aber kein Einhorn

Was Maria allerdings ärgert, sind Menschen, die das Label „hochsensibel“ für sich benutzen und damit hausieren gehen, „um das Einhorn zu sein“ und als besonders zu gelten. Das Etikett dient dann als Vorwand, um bevorzugt behandelt zu werden, etwa um das Einzelbüro zu bekommen, anstatt sich das Großraumbüro teilen zu müssen.

Das sind die Leute, die den Ruf von Hochsensiblen durch den Dreck ziehen. Weswegen wir manchmal solche Schwierigkeiten haben, anerkannt zu werden.“ Maria vergleicht es mit Migräne: Weil so viele die starken Kopfschmerzen als Ausrede benutzen, wird echten Migränefällen nicht mehr geglaubt. Dem Erfolg ihres Podcasts hat das nicht geschadet: Der verzeichnete in sechs Monaten mehr als 300.000 Downloads und fand sich zwischenzeitlich ganz weit oben in den Podcast-Charts von iTunes wieder.

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