Veganer werden: So gelingt Jessi der Umstieg zum Leben ohne Tierleid

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von Sirany, 20.11.2017

Der Start in ein veganes Leben muss nicht anstrengend und kompliziert sein. Was es dafür braucht? Neugier, ein wenig Motivation, gute Rezepte und manchmal auch einfach nur eine Netflix-Doku...

Mit dem Umzug nach Hamburg haben sich für Jessi die größten Probleme, vor die sie ihr Veganismus gestellt hat, in Luft aufgelöst. Davor wohnte sie in Hildesheim, einem niedersächsischen 100.000- Einwohner-Ort, wo die Auswahl an Restaurants begrenzt ist. Auch das Produktangebot in den Supermärkten ist deutlich kleiner. „Eine Großstadt hilft ungemein dabei, wenn man Veganer werden möchte“, gibt sie zu.

Allzu lange musste sich die Designerin vor dem Umzug nach Hamburg allerdings nicht in Verzicht üben. Denn Jessi lebt erst seit einigen Monaten vegan. Das heißt, sie verzichtet auf Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Käse, Eier und andere Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen. Honig isst sie allerdings weiterhin. Ihre alten Reinigungsmittel, Kosmetik- und Pflegeprodukte braucht sie ebenfalls noch auf, dann will sie auch in diesem Bereich auf tierleidfreie Artikel setzen.

Vegan dank Netflix

Wie sie vegan geworden ist? „Also das Fass zum Überlaufen gebracht hat 'What the Health'“, sagt sie. Das ist eine Netflix-Doku, die sich mit den gesundheitlichen Folgen einer tierproduktreichen Ernährung befasst. Nachdem Jessi den Film sah, überwogen Ekel und die Abneigung, sodass sie Milchprodukten den Rücken kehrte, obwohl sie davor viel Käse gegessen hatte. Auf Fleisch und Eier hat sie dagegen schon länger verzichtet.

Dennoch stehen bei Jessi nicht die gesundheitlichen Aspekte, die die Doku behandelt, im Vordergrund. Es waren ökologische und ethische Gründe, die sie zum Umstieg motiviert haben. Der gedankenlose Umgang mit Ressourcen, Nahrungsmitteln und Lebewesen war ausschlaggebend für sie, Tierprodukte komplett von ihrem Speiseplan zu streichen. Wider Erwarten gelingt ihr der Verzicht auf Milch und Käse viel leichter als gedacht. Was sie dagegen ziemlich vermisst? „Nutella, das hat einen Eigengeschmack, an den die vegane Haselnusscreme einfach nicht rankommt.“

Gibt nix gibt’s nicht!

Natürlich musst du kein Großstadtkind sein, um auf tierische Produkte zu verzichten. Eine vegane Ernährung und Lebensweise funktioniert auch dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und die Bioläden rar gesät sind. Eine große Auswahl an Ersatzprodukten wie Pflanzendrinks, Soja-, Seitan- oder Lupinen-Fleisch und veganem Käse ist zwar ein Luxus, der die Umstellung vereinfachen kann, aber für eine vegane Ernährung nicht unbedingt notwendig.

„Bei mir war das eher ein Kopfproblem“, erzählt Jessi. „Ich dachte die ganze Zeit 'Oh Gott, ich finde nichts mehr zu essen', und dann sah das in der Praxis ganz anders aus.“ Im Supermarkt gibt es nämlich mehr vegane Lebensmittel, als du denkst – es braucht nur ein wenig Zeit, um sich mit den Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen. Dabei helfen kann dir anfangs eine Liste oder eine Notiz in deinem Handy, wo du nach Kategorien aufführst, welche Produkte du essen kannst. Nach und nach fuchst du dich sowieso in die Materie ein und weißt bald intuitiv, was geht und was nicht.

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Du musst dir nichts beweisen

Wer Veganer werden möchte, sollte also nicht schon vorher eine gedankliche Hemmschwelle aufbauen und sich abschrecken lassen, bevor er das vegane Leben überhaupt ausprobiert hat. Jessis Tipp: „Es einfach mal eine Woche versuchen.“ Wenn es gut läuft, verlängerst du die Zeit auf einen Monat, danach auf zwei Monate und immer so weiter. Wichtig dabei ist aber, dass das ohne Zwang passiert und nicht Veganer wirst, nur um dir oder anderen etwas zu beweisen. Wenn die Motivation nicht von innen kommt, wirst du mit der Lebensweise auf Dauer nicht glücklich werden.

Du brauchst nicht zu hungern

Jessi macht gelegentlich Ausnahmen vom komplett tierproduktfreien Essen: „Wenn ich mit anderen essen gehe und im Restaurant überhaupt kein veganes Gericht auf der Karte steht, bestelle ich was Vegetarisches. Stattdessen zu hungern, wäre doch auch dumm.“ Tatsächlich erfordert eine rein pflanzliche Ernährung ein wenig Planung. Nicht jedes Produkt ist in jedem Supermarkt erhältlich und auch in den Bioläden variiert das Sortiment. Es kann sinnvoll sein, dir eine Liste zu machen, wo du welche Lebensmittel findest. Wenn du es zeitlich nicht hinbekommst, jede Woche mehrere Läden abzuklappern, kannst du dir deine Lieblingsprodukte auch bei Onlinehändlern bestellen.

Online gibt es natürlich auch vegane Rezepte wie Sand am Meer. Für Abwechslung in der Küche ist also gesorgt. Und letztendlich unterscheidet sich veganes Kochen gar nicht groß davon, wie du vorher dein Essen zubereitet hast. Du ersetzt nur einige Nahrungsmittel durch pflanzliche Produkte – und wirfst ganz nebenbei auch einen Blick über den Lebensmittel-Tellerrand. Denn die vegane Küche widmet sich auch Zutaten, die sonst zu Unrecht vernachlässigt werden. Zum Beispiel: Amaranth, Pastinaken, Polenta oder Topinambur.

Be prepared!

Im Urlaub gelten noch einmal andere Regeln. Du kannst nicht erwarten, dass das vegane Angebot in anderen Ländern so vielfältig ist wie in Deutschland. Informiere dich vorher am besten sorgfältig über Restaurants, nationale Gerichte und regionale Lebensmittel im Reiseland deiner Wahl, damit du keine böse Überraschung erlebst. Übrigens kann es nie schaden, einen Apfel, Müsliriegel, Nüsse oder Snacks als Proviant in der Tasche zu haben, falls dich mal der Hunger überkommt und weit und breit nichts Veganes aufzutreiben ist.

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Mit Partner in Crime geht’s leichter

Jessi hat es außerdem geholfen, dass ihr Freund sich entschieden hat, ebenfalls Veganer zu werden: „Zusammen aufhören, macht es leichter, weil man gemeinsam kochen und einkaufen kann.“ Der Vegan- Buddy muss nicht unbedingt der Partner sein. In größeren Städten gibt es zum Beispiel Veganer- Stammtische, bei denen du die Möglichkeit hast, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Hier wird auch über Vorurteile und „Anfeindungen“ diskutiert, die Veganer manchmal entgegenschlagen. Zumindest die Frage „Und warum bist du Veganer?“ wirst du häufiger zu hören bekommen. Jessi antwortet dann stets mit der Gegenfrage: „Und warum isst du Fleisch?“ Das bedarf doch heute viel größerer Rechtfertigung.

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