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Frau hält sich die Hände vors Gesicht und ist traurig.

Wie Phönix aus der Asche: Annes Weg aus dem Burn-out

von Johanna, 18.12.2017

Rastlosigkeit im Kopf. Das Gefühl kannte Anne Friedrich* gut. Ihre ständige innere Unruhe führte zum Burn-out. Ein Dreivierteljahr war sie krankgeschrieben – und kam als gestärkter Mensch zurück.

Plötzlich ging nichts mehr

Anne war Ende zwanzig, Mutter von zwei kleinen Kindern, Ehefrau, Zahnarzthelferin – und total erschöpft. Job, Familie und ihre hohen Ansprüche an sich selbst, brachten sie ins Strudeln. Irgendwann fühlte sich ihr Kopf nur noch wie eine kaputte Kassette an, die immerfort denselben Song abspulte: "Ich kam überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Arbeit, Haushalt, Kinder – ich wollte auf jeder Ebene perfekt sein, wurde mir selbst aber nie gerecht. Mein Druckventil war kaputt, was sich unter anderem darin äußerte, dass ich selbst bei Routineaufgaben plötzlich zitterte."

Zittern, Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Leere und Angst vor Fehlern gehörten damals zu Annes Alltag. Von Burn-out hatte sie schon gehört, die Krankheit jedoch nie mit sich selbst in Verbindung gebracht. Stattdessen ging sie von einer körperlichen Ursache ihrer Symptome aus und ließ sich von ihrem Arzt eingehend untersuchen. Erst der brachte sie auf die Idee, dass sie überarbeitet sei und vielleicht eine Auszeit bräuchte. Davon wollte Anne aber nichts hören. Sie hatte ohnehin ihren Urlaub vor sich und dachte, das wird schon wieder.

Wurde es nicht. Am letzten Urlaubstag der Nervenzusammenbruch: "Ich habe plötzlich nur noch geheult. Ich wusste nicht warum, nur, dass ich nicht wieder arbeiten und so weitermachen kann."

Mach mal Pause!

Nach einem Besuch beim Psychologen stand die Diagnose fest: Burn-out. Anne wurde bis auf Weiteres krankgeschrieben. "Ich saß auf dem Parkplatz im Auto und war wie erstarrt. Danach habe ich meinem Chef erst mal verklickert, dass ich für längere Zeit ausfalle." Gleichzeitig war es eine Erleichterung für die damals 27-Jährige, eine Diagnose erhalten zu haben.

Mithilfe einer Verhaltenstherapeutin fand sie peu à peu wieder Zugang zu sich selbst. In wöchentlichen Sitzungen redeten sie über all die Dinge, die in Annes Kopf herumspukten und sie in einen Zustand des Dauerstresses versetzten. "Sie hat mir geholfen, mit mir selbst nicht mehr so hart ins Gericht zu gehen. Entspannter zu sein. Dann zittere ich manchmal bei der Arbeit, na und? Das geht wieder vorbei."

In den Monaten der Behandlung führte Anne Tagebuch und machte Tagespläne, die sie wieder "in die Spur brachten". Letztere halfen ihr dabei, zu erkennen, dass sie sich nie bewusst Pausen gönnte.

Der Mülleimer als Kummerkasten

Es gibt verschiedene Methoden der Burn-out-Therapie. Eine zentrale Rolle spielen häufig Zeitmanagement, Stressabbau sowie Entspannungstechniken. Die genaue Behandlung richtet sich jedoch immer nach dem Individuum und seiner Lebenssituation.

In Annes Fall halfen Gespräche mit der Therapeutin, um ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und zu verändern. Sie gab ihr außerdem hilfreiche Tipps zur Stressbewältigung. "Ich sollte in alle Mülleimer, an denen ich vorbeifuhr oder ging, meinen alltäglichen Ballast werfen – im übertragenen Sinne. Und wenn kein Mülleimer zur Stelle war, dann warf ich meinen Ärger und Frust über die Bäume, in den Graben – manchmal landete er auch im Anhänger von anderen Leuten. Das half tatsächlich. Je häufiger ich das übte, desto besser funktionierte die Methode nach einer Weile."

Step by step: Die Wiedereingliederung in den Job geschieht stufenweise.

Schritt für Schritt zurück zum Job

Nach neunmonatiger Therapie ging Anne das erste Mal wieder zur Arbeit – zunächst für eine Stunde. Zuvor hatte sie sich intensiv mit ihrem Burn-out-Coach über das Thema Eingliederung auseinandergesetzt. "Von selbst hätte ich den Gedanken an die Arbeit gar nicht zugelassen. Ich hatte Angst vor der Konfrontation, wusste aber auch, dass sie wichtig war." Der langsame Wiedereinstieg in den Job half ihr dabei, nicht in alte Verhaltensmuster zu verfallen. Außerdem bekam sie viel Rückhalt von ihren Kollegen und ihrem Chef. Alle achteten darauf, dass sie nicht eine Minute zu lange in der Praxis blieb.

Schon gewusst?

Arbeitnehmer, die länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind, haben gemäß § 84 Abs. 2 SGB IX das Recht auf eine stufenweise Wiedereingliederung. Wie lange die Eingliederung dauert, besprechen Arzt und Patient gemeinsam in einem ausführlichen Eingliederungsplan.

Heute hält Anne ihr Gesicht in den Wind

Heute arbeitet Anne sogar mehr als früher. Sie hat Spaß an ihrem Beruf. Natürlich gibt es immer noch stressige Situationen, aber sie geht anders damit um. Wenn ihr Herz rast und sie wieder zittert, hält sie für einen Moment inne und steigert sich nicht mehr so in das Gefühl hinein. "Ich habe ein neues Bewusstsein für mich selbst entwickelt. Wenn ich überfordert bin, mache ich Abstriche und überlege 'Was ist wirklich wichtig?'. Heute bin ich stolz darauf, diese schwere Phase überwunden zu haben, fühle mich stark – und mutig. Ich stelle mich meinen Ängsten. Letztens habe ich zum Beispiel meinen Motorradführerschein gemacht."

Anne hat gelernt, ihrem inneren Kompass zu folgen. Ohne Hilfe, hätte sie das nicht geschafft, wie sie zugibt. In Folge ihrer Bewusstseinsveränderung ging ihre Ehe kaputt. "Ich bin heute ein anderer Mensch. Meine Beziehung konnte meiner Veränderung nicht standhalten. Vielleicht hat sie mich sogar gehemmt. Die Trennung fiel mir sehr schwer. Aber sie war wichtig, um die sein zu können, die ich sein wollte."

*Weil Anne nicht erkannt werden möchte, haben wir ihren Namen geändert.

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