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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Eckart von Hirschhausen sitzt am Feuer

"Wer ständig auf seinem Sessel klebt, bei dem klappt nicht mal mehr der Stuhlgang"

von Florian, 10.04.2018

Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen macht sich Sorgen über eine neue Volkskrankheit – das Sitzen. Dem Mediziner zufolge sollte sich jeder Mensch pro Stunde 5 Minuten bewegen.

Immer mehr Menschen verbringen große Teile ihres Tages im Sitzen. Was so gemütlich klingt, gefährdet auf Dauer die Gesundheit. Auch Kabarettist und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen hat dieses Problem erkannt und einige Lösungsansätze mitgebracht. Im Gespräch mit A Few Good Friends verrät der Mediziner, warum diese entspannte Position so ungesund ist, wie Bewegung in den Sitzalltag integriert werden kann und ob Mutters Klassiker "Sitz gerade" immer noch gilt.

A Few Good Friends: Sie sagen: "Sitzen ist das neue Rauchen". Ich bin demnach Kettensitzer. Warum ist Sitzen plötzlich so ungesund?

Von Hirschhausen: Sitzen ist nicht plötzlich ungesund, sondern war es im Übermaß tatsächlich schon immer. Neu ist allerdings das Bewusstsein und Interesse vieler Menschen an Gesundheitsthemen und der Wunsch, mehr für sich und seine Gesundheit zu tun. Aus dieser Haltung erkläre ich mir auch das unglaubliche Interesse an Wissenssendungen wie meiner ARD-Sendung „Hirschhausens Quiz des Menschen“ und dem neuen Print-Magazin „Hirschhausen Gesund Leben“.

Frau mit Rückenschmerzen
Langes Sitzen kann nicht nur Rückenschmerzen verursachen, sondern sogar das Leben verkürzen.

Kann die "Sitting-Disease" wirklich merkbar das Leben verkürzen, ähnlich wie das Rauchen?

Von Hirschhausen: Ja, das tut sie wirklich. Wir sollten uns klarmachen, dass 15 Jahre unseres Lebens von unserem Lebensstil abhängen. Es gibt keine Tablette, keine Operation und erst recht keine Anti-Aging-Creme, die uns besser schützt als fünf ganz einfache Dinge des Alltags: nicht rauchen, bewegen, Gemüse, erwachsen werden und Kind bleiben. Das ist die Kurzfassung – und wen die Langfassung interessiert, ist herzlich eingeladen, in mein Bühnenprogramm zu kommen. Alle Zuschauer gehen dort gesünder nach Hause, als sie gekommen sind – weil sie auch zwischendrin aufstehen, singen und mitgehen, innerlich und äußerlich.

Zur Person

Dr. Eckart von Hirschhausen (Jahrgang 1967) studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus in Berlin, London und Heidelberg. Seit über 20 Jahren ist er als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands unterwegs. Derzeit ist von Hirschhausen mit seinem aktuellen Bühnenprogramm "Endlich" auf Tour. Zudem hat er ein neues Magazin mit dem Titel "Dr. v. Hirschhausens Gesund Leben " gelauncht. Das Heft greift gewohnt humorvoll medizinisch relevante Inhalte auf. Mehr über Eckart von Hirschhausen erfährst du auf seiner Homepage

Soll ich im Büro nun etwa acht Stunden im Stehen arbeiten oder wie stellen Sie sich das vor?

Von Hirschhausen: Ich weiß sehr wohl, dass das in den meisten Berufen, vor allem in den sogenannten Bürojobs, nicht gut möglich ist. Und es ist auch nicht damit gemeint, dass wir nicht mehr sitzen dürfen. Nur verstehen leider die meisten Menschen unter Bewegung, einen Vertrag mit einem Fitnessstudio zu haben, in dem man mit schlechtem Gewissen dreimal im Monat auftaucht. Das bringt es aber gar nicht. Besser ist dagegen, sich im Alltag jede Stunde fünf Minuten zu bewegen und vor die Tür zu gehen. Das machen meistens nur die Raucher (lacht). Ich selber nehme inzwischen wirklich lieber die Treppen statt Aufzüge und fahre im Alltag viel mit dem Rad.

Haben Sie konkrete Tipps, wie ich Bewegung in meinen Sitzalltag integrieren kann?

Von Hirschhausen: Ich habe für mich selbst etwas ganz Praktisches entdeckt: Als ich irgendwann auf meiner Mobilfunkabrechnung gesehen habe, wie viele Minuten ich am Telefon verbringe, habe ich mir angewöhnt, längere Gespräche im Gehen zu führen – deswegen heißen die Dinger ja auch Mobiltelefone! Und noch ein kleiner Tipp unter uns: Wenn Sie noch etwas untrainiert sind und am Anfang beim Telefonieren stöhnen, sagen Sie ihrem Gesprächspartner, dass das nichts mit dem Gespräch zu tun hat (lacht).

Früher hieß es immer: "Sitz gerade!" Gilt das zumindest noch oder kann ich vor dem PC auch guten Gewissens in mich zusammenfallen?

Von Hirschhausen: Die Devise heute heißt: Wechsel öfter die Position, das ist für den Rücken das Beste. Ich kenne niemanden, der auf dem Pezzi-Ball wirklich glücklich geworden ist. Ein guter Bürostuhl bietet definitiv mehr Halt, aber wir müssen aktiv unseren „Halteapparat“ zum Bewegungsapparat machen. Ich merke das immer zuerst an den verkürzten Muskeln der Beinrückseite. Die muss ich aktiv dehnen, sonst komme ich mit den Fingerspitzen bei gestreckten Beinen gar nicht mehr über das Knie hinaus.

Eckart von Hirschhausen als Arzt
Eckart von Hirschhausen ist studierter Mediziner. Sein Wissen bringt er seit über 20 Jahren humorvoll verpackt auf die Bühne.

Ich sitze gerne, könnte mich alternativ aber auch mit einer liegenden Position anfreunden. Kämen wir da zusammen?

Von Hirschhausen: Laufen oder liegen! Gesessen wurde in der Menschheitsgeschichte noch nie so viel zu viel wie heute.

Die Evolution hat den Stuhl nicht auf dem Zettel gehabt. Wie würde sich der Mensch evolutionär gesehen entwickeln, würden nur diejenigen auf Dauer überleben, die eine sitzende Lebensweise bevorzugen?

Von Hirschhausen: Da wäre die Evolution schon sehr traurig, wenn sie uns über Millionen von Jahren mühsam den aufrechten Gang beigebracht hat – und wir meinen, alles aussitzen zu müssen. Wer ständig auf seinem Sessel klebt, bei dem klappt dann noch nicht mal mehr der Stuhlgang. Also: Arsch hoch, bevor er ganz platt ist.

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