menu
A Few Good Friends
Eine Initiative der
Zucker steckt in vielen Lebensmitteln

Süße Versuchungen: Brauchen wir eine Zuckersteuer in Deutschland?

von Florian, 17.07.2018

Brauchen wir eine Zuckersteuer, um den Konsum stark zuckerhaltiger Lebensmittel und Getränke in den Griff zu bekommen? Oder ist jeder selbst seines Glückes Schmied? Florian und Sirany haben unterschiedliche Ansichten.

Florian: Pro – Verteuerung bewirkt niedrigeren Konsum

Alkohol ist bewiesenermaßen gesundheitsschädlich. Um den Konsum nicht ausufern zu lassen, wird auf fast alle alkoholischen Getränke eine Steuer erhoben, die Bier, Schnaps und Co. im Supermarkt teurer macht. Wissenschaftliche Analysen zeigten, dass die Nachfrage sinkt, wenn der Preis steigt. Und davon profitieren im Endeffekt alle, da die gesamtwirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit Alkoholkonsum – notwendige medizinische Behandlungen sowie vorbeugende und betreuende Maßnahmen – ebenfalls sinken. Alkoholsteuern werden seriös auch nicht infrage gestellt, die gesellschaftliche Debatte dreht sich eher um eine mögliche Anhebung.

Nun ist ebenfalls unumstritten, dass ein hoher Zuckerkonsum verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann: Diabetes, Bluthochdruck und Fettleibigkeit – um nur einige zu nennen. Manche Forscher bezeichnen das Verlangen nach Süßem sogar als echte Sucht. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie viel Zucker sie zu sich nehmen, da sie klassische Süßigkeiten vielleicht gar nicht im Übermaß verzehren. Dafür aber Fertiggerichte, Müsli, Softdrinks und andere Lebensmittel, die mehr Zucker enthalten, als es den Anschein macht.

Deshalb ist es nur konsequent, stark zuckerhaltige Lebensmittel mit einer Extra-Steuer zu versehen, die den Verbraucher schützt. Und dem strapazierten Gesundheitswesen werden auf Dauer ebenfalls Belastungen erspart. Auch eine Variante der seit Langem diskutierten Lebensmittelampel kann zusätzlich sinnvoll sein.

Deutschland darf die Interessen der Industrie nicht über den Schutz der Konsumenten stellen. Das Beispiel Großbritannien zeigt, dass eine Zuckersteuer schon vor ihrer eigentlichen Einführung Wirkung zeigen kann: So haben diverse Softdrink-Hersteller ihre Rezeptur geändert und den Zuckergehalt ihrer Getränke knapp unter den Grenzwert gesenkt, um die drohende zusätzliche Abgabe zu vermeiden.

Sirany: Contra – Eine Zuckersteuer allein reicht nicht aus

Maßnahmen, die eine gesündere Ernährung fördern und vorantreiben, sind generell natürlich immer zu begrüßen. Eine Zuckersteuer jedoch erscheint mir nicht ausgereift und zu willkürlich. Nehmen wir das Beispiel Großbritannien: Softdrink-Hersteller müssen nun zwar höhere Abgaben zahlen, wenn sie eine bestimmte Grammzahl an Zucker überschreiten. Doch was ist mit all den Zuckerfallen wie Ketchup, Fertiggerichten oder Cornflakes? Sie dürfen weiter fröhlich und unbehelligt ohne Zusatzsteuer verkauft werden.

Was Florian außerdem als einen Gewinn der Zuckersteuer auf Limonaden feiert, nämlich, dass viele Hersteller in UK ihre Rezeptur verändert haben, um die höheren Abgaben zu umgehen, sehe ich eher kritisch. Denn statt Zucker verwenden die Produzenten nun häufiger Süßstoffe zur Kompensation, die sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit auswirken können.

Und genau hier liegt das große Definitionsproblem der Zuckersteuer: Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Welche Arten von Zucker fallen darunter? Und welche Lebensmittel? Selbst wenn wir vom Optimalfall ausgehen, dass auch Produkte mit Mengen an verstecktem Zucker darunterfallen würden, gibt es noch genügend andere Lebensmittel, deren übermäßiger Konsum ebenfalls nicht gesund ist und die genauso gut besteuert werden könnten. Fleisch und Wurst zum Beispiel. Oder wie wäre es mit einer Fast-Food-Steuer? Oder eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren, die der Mensch auch nur in Maßen zu sich nehmen sollte?

Und so könnte man dieses Steuersystem immer weiterführen. Bloß: Irgendwo fängt auch die Bevormundung und Steuerung des Essverhaltens an! Und das sollte jeder mündige Erwachsene immer noch für sich selbst entscheiden können.

Außerdem glaube ich, dass gewiefte Hersteller immer wieder ein Schlupfloch finden werden, um die höheren Abgaben zu umgehen. Und deshalb ist Aufklärung darüber, was ein hoher Zuckerkonsum gesundheitlich anrichten kann, viel wichtiger! Denn die eigene Vernunft ist immer noch die bessere Kontrollinstanz als Verbote, Regeln und Steuern.

Das Informieren sollte schon im Schulunterricht anfangen. Aber auch Werbung für ungesunde Lebensmittel könnte mit einem Zusatz versehen werden, der auf die “Risiken“ von Zucker hinweist. Die bereits erwähnte Lebensmittelampel wäre ebenfalls sinnvoll, um dem Verbraucher deutlicher vor Augen zu führen, was er da gerade kauft. Denn in der jetzigen Form sind die Nährwerte viel zu klein und unübersichtlich auf den Verpackungen abgedruckt.

Wenn man will, kann man sogar noch einen Schritt weiter gehen: große Warnhinweise auf Lebensmitteln mit hohem Zuckergehalt, inklusive abschreckender Bildchen wie auf den Zigarettenschachteln. Das wäre zwar eine krasse Maßnahme, ich halte sie aber für wirkungsvoller als eine Zuckersteuer.

Wie hat dir der Artikel gefallen?
0
2
×

Einwilligungserklärung für die Nutzung der Social Media Plugins

Für die Nutzung von Social-Media-Dienstangeboten diverser Unternehmen stellen wir Ihnen Social-Media-PlugIns zur Verfügung. Diese werden in einem 2-Klick-Verfahren auf den Online-Angeboten der AOK eingebunden. Die AOK erfasst selbst keinerlei personenbezogenen Daten oder über deren Nutzung mittels der Social PlugIns. Über diese PlugIns können jedoch Daten, auch personenbezogene Daten, an die US-amerikanischen Diensteanbieter gesendet und gegebenenfalls von diesen genutzt werden. Das hier eingesetzte Verfahren sorgt dafür, dass zunächst keine personenbezogenen Daten an die Anbieter der einzelnen Social-Media-PlugIns weitergegeben werden, wenn Sie unser Online-Angebot nutzen. Erst wenn Sie eines der Social-Media-PlugIns anklicken, können Daten an die Dienstanbieter übertragen und durch diese gespeichert bzw. verarbeitet werden.

close