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Boreout-Syndrom: Wenn Unterforderung im Job krank macht

Boreout-Syndrom: Warum dich Nichtstun krank machen kann

von Sirany, 25.10.2017

Alle sprechen vom Burnout und davon, wie überarbeitet sie sind – doch was ist mit dem Boreout-Syndrom? Es geht nämlich auch andersrum: Unterforderung und Langeweile im Job, die dich krank machen.

Während deiner Arbeitszeit surfst du im Internet, buchst deinen Urlaub, bestellst Klamotten im Onlineshop oder checkst die sozialen Netzwerke, um die Stunden rumzukriegen.

Doch irgendwann wird auch das zu langweilig und du starrst nur noch stumpfsinnig auf den Bildschirm. Vor deinen Kollegen und Chefs gibst du aber trotzdem vor, schwer beschäftigt zu sein und täuschst Stress vor – was wiederum auf Dauer zu echtem psychischen Stress führt.

Im Job nichts zu tun zu haben, ist nicht so geil, wie du denkst. Wenn dich deine Aufgaben unterfordern, beginnst du schnell, dich zu langweilen. Und diese Monotonie kann sogar krank machen. Boreout-Syndrom heißt das Phänomen. 

In den Zeiten von Überstunden: Das Syndrom Boreout ist ein Tabuthema

Während Burnout in der heutigen Zeit in aller Munde ist, wird das Syndrom Boreout nur von den Wenigsten thematisiert. Kein Wunder, wie soll man sich auch trauen, Langeweile im Job anzusprechen, wenn die ganze Welt nur von Überstunden redet und davon, wie überarbeitet und ausgebrannt sie ist?

Wer zugibt, dass er auf der Arbeit nicht ausgelastet ist, und womöglich sogar verrät, dass er nur so tut, als habe er einen Berg an Arbeit zu erledigen, wird von der Leistungsgesellschaft schnell als Faulpelz und Drückeberger abgestempelt. Und wer vor seinen Vorgesetzten eingesteht, dass er sich maßlos langweilt und die Arbeit uninteressant findet, muss vielleicht sogar um seinen Job bangen. Schließlich signalisiert er so, dass er sich und seine Aufgaben für irrelevant und somit für entbehrlich hält.

Deshalb schweigen die vom Boreout-Syndrom Betroffenen lieber und legen sich ihre Beschäftigungsstrategien zurecht, um möglichst unbehelligt durch den Arbeitsalltag zu kommen. Doch irgendwann wird die Zeit so zäh wie Kaugummi … 

Boreout-Syndrom: Wenn Unterforderung im Job krank macht
Stell dir vor, du schläfst bei der Arbeit und keinen interessiert’s. Vom Boreout-Syndrom Betroffene haben nicht selten das Gefühl, dass sie und ihre Arbeit irrelevant sind.

Langeweile entsteht nicht nur durch einen leeren Schreibtisch

Die Langeweile im Job kommt nicht nur dadurch, dass es auf der Arbeit nichts zu tun gibt. Mögliche Ursachen können sein:

  • Fehlende Aufträge: In vielen Berufen gibt es immer mal wieder Durststrecken, während derer es nicht viel zu tun gibt. Wird das aber zum Dauerzustand, kann es zu Boreout kommen.
  • Monotonie: Immer wieder dieselben Arbeitsabläufe und Routine sind irgendwann zermürbend. Und dabei wurde der Job doch als „vielfältige Tätigkeit mit spannenden Aufgaben“ ausgeschrieben …
  • Geistige Unterforderung: Für so viele Berufe wird mittlerweile ein Studium vorausgesetzt. Und dann finden sich die Hochschulabsolventen in einem Job wieder, für den sie sich den Master of Arts oder Sciences locker hätten sparen können.
  • Sinnlosigkeit: Für manche Menschen ist der Job nur dazu da, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Wer aber mehr will, einen tieferen Sinn in der Arbeit sucht und diesen nicht findet, der wird auf Dauer nicht glücklich.
 

Das deutsche Büro: Ein Nährboden für Boreout

Vor allem in Tätigkeiten mit monotonen Arbeitsvorgängen wie etwa Warenprüfung in der Qualitätskontrolle oder in klassischen Bürojobs greift das Boreout-Syndrom um sich. Unter Selbstständigen ist die Zahl der Betroffenen dagegen nicht so hoch.

Woran das liegt? Nicht ganz unschuldig daran dürfte zumindest an deutschen Arbeitsplätzen das strikte Stechuhr-System mit 9-to-5-Präsenzpflicht sein. Homeoffice? Aber bitte nur in Ausnahmefällen! Früher gehen? Aber was ist dann mit der Erreichbarkeit bis 17 Uhr? Was zählt und wonach man bezahlt wird, ist am Ende nicht, wie viel produktive Leistung erbracht wurde, sondern die Zeit, die abgesessen wird.

Hätte der Arbeitnehmer dagegen mehr Handlungsspielraum, selbst zu entscheiden, wann, wo und wie er zu arbeiten hat, könnte das dem Boreout-Syndrom womöglich in vielen Fällen entgegenwirken. Effizienz statt Präsenz sozusagen.

Doch so machen die Betroffenen nicht selten sogar Überstunden, um ihr Nichtstun zu kaschieren. Das ist gefährlich: Echter Stress ist in einem gewissen Maß förderlich und leistungssteigernd. Fake-Stress dagegen macht erst recht antriebslos.

Boreout-Syndrom: Wenn Unterforderung im Job krank macht
Im idealen Job wirst du gefordert und hast trotzdem Spaß bei der Sache.

Boreout-Syndrom rechtzeitig erkennen – aber wie?

Es wäre falsch, Boreout auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn die Langeweile im Job kann echt krank machen und in schlimmen Fällen zu Depressionen, chronischen Rückenschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Achte also auf die Symptome. Möglicherweise bist du Boreout-gefährdet, wenn du folgende Fragen mit Ja beantwortest:

  • Fühlst du dich ausgelaugt, unzufrieden und frustriert?
  • Wünschst du dir im Beruf mehr Anerkennung?
  • Hast du das Gefühl, im Job nicht ausgelastet zu sein?
  • Empfindest du deine Aufgaben und deine Position bei der Arbeit als irrelevant?
  • Ertappst du dich manchmal dabei, dass du extra langsam arbeitest, um Zeit zu schinden?
  • Bist du bei der Arbeit mehr als zwei Stunden am Tag damit beschäftigt, private Dinge zu erledigen?
  • Täuschst du gegenüber Kollegen Stress vor?

So findest du den Weg aus der Langeweile-Falle

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt, um dich aus der Boreout-Falle zu befreien. Danach gilt es, die Initiative zu ergreifen und deine berufliche Situation zu verändern.

Wusstest du schon?

Hast du das Gefühl, dass dich das Boreout so sehr runter zieht, dass du gar nicht mehr klarkommst? Dass sich daraus eine ausgewachsene Depression entwickelt? Dann ist es absolut gerechtfertigt, sich professionelle Hilfe zu suchen.  Hier  findest du alle Infos zur Kostenübernahme einer ambulanten Psychotherapie durch die AOK.

Go for it und such den Dialog mit deinem Chef, in dem du ihm sachlich und ruhig deine Situation erläuterst. Mach dir vor dem Gespräch keinen allzu großen Kopf. Dein Vorgesetzter möchte schließlich, dass seine Angestellten möglichst effizient arbeiten und deine Ehrlichkeit kommt ihm zugute. Ein paar eigene Ideen und Vorschläge für deine berufliche Zukunft solltest du vorher allerdings vorbereiten.

Du brauchst in jedem Fall eine Perspektive. Das kann eine Weiterbildung oder die Bewerbung auf eine andere Stelle im Unternehmen sein. Siehst du dieses Licht am Ende des Tunnels in deiner Firma nicht, wird es Zeit, dich woanders umzuschauen und bei anderen Betrieben zu bewerben.

Wenn du das Gefühl hast, dass dich die Aufgaben generell nicht (mehr) erfüllen, sind möglicherweise eine Neuorientierung und der Wechsel in eine andere Branche sinnvoll. Nicht zu vergessen: Auch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung oder ein neues Hobby kann helfen und dich fordern. Und dann heißt es: Bye-bye, Boreout! 

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