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Ein kleiner Holzlöffel mit Butter auf einer Tasse schwarzem Kaffee

Butter + Öl statt Milch + Zucker: Welche Wirkung hat Bulletproof Coffee?

von Sirany, 10.07.2018

Milch und Zucker waren gestern. Bulletproof Coffee wird als Diät-Trend und Energie-Kick gehandelt. Aber sind schwarzer Kaffee, Butter und Öl wirklich so eine kugelsichere Kombi? Und wie schmeckt das?

Ein Stück Butter und ein Löffel pflanzliches Fett oder Öl werden in eine Tasse heißen und aromatisch duftenden schwarzen Kaffee eingerührt … Kaffee-Puristen schütteln bei dieser Vorstellung nur den Kopf – oder sie übergeben sich gleich. Doch warum sollte sich jemand seine Butter zum Frühstück nicht aufs Brot schmieren, sondern in den Kaffee hauen?

Ein Trend namens Bulletproof Coffee, auf Deutsch also “kugelsicherer Kaffee“, ist für diese Barista-Sünde verantwortlich. Morgens auf nüchternen Magen getrunken soll er laut seiner Fans eine erstaunliche Wirkung auf den menschlichen Körper haben.

Für Mutige: So bereitest du einen Bulletproof Kaffee zu

Wer den Selbstversuch einmal wagen möchte, braucht nicht viel, um sich einen Bulletproof Coffee zu machen: eine große Tasse Filterkaffee, einen Löffel Butter und einen Löffel Kokosöl. Diese drei Zutaten werden zusammen in den Mixer gegeben und etwa 30 Sekunden lang vermischt. Ein Pürierstab oder ein Schneebesen eignet sich ebenfalls zum Verrühren.

Das ist die simple Variante des kugelsicheren Kaffees. Um die beste Wirkung zu erzielen, sollen jedoch spezielle Zutaten notwendig sein. Echte Bulletproof-Coffee-Junkies nehmen eine Tasse frisch gemahlenen Kaffee (möglichst aus ganzen Bohnen), Butter aus Weidemilch – also von Kühen, die mit Gras gefüttert wurden – sowie MCT-Öl. Letzteres ist ein spezielles Öl, das aus mittelkettigen Fettsäuren, den Triglyceriden, besteht. Reines MCT-Öl kommt in der Natur kaum vor und wird deshalb industriell hergestellt, in der Regel aus Kokosfett.

Beim Trinken soll sich Bulletproof Coffee fast gar nicht von einem mit viel Kaffeesahne gestreckten Bohnengetränk unterscheiden: cremige Konsistenz und sahniger Geschmack, zu dem sich abhängig vom Öl eventuell eine leichte Kokosnote gesellt. Wer ohnehin auf geweißten Kaffee steht, wird womöglich keine großen Unterschiede schmecken.

Butter in Kaffee
Kaffee mit Fettaugen zum Frühstück – klingt nicht besonders schmackhaft

Butter bei die Fische: Kann das gesund sein?

Butterkaffee-Begeisterte erzählen davon, dass das Getränk sie zu wahren Höchstleistungen gebracht habe. Schenkt man ihnen Glauben, sorgt ein Bulletproof Coffee neben dem Koffeinschub noch für einen zusätzlichen Energiekick und soll die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Belege dafür gibt es jedoch nicht.

Ernährungsexperten sind sogar vom Gegenteil überzeugt und betrachten den kugelsicheren Kaffee kritisch. Denn Butter, Kokos- und auch MCT-Öl enthalten fast ausschließlich gesättigte Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel erhöhen können. Dadurch begünstigen sie möglicherweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auch kann so viel Fett am Morgen auf nüchternen Magen schnell zu Übelkeit führen – und ein adäquater Ersatz für ein ausgewogenes Frühstück, das Kohlenhydrate, Proteine, gesunde Fette und Vitamine enthält, ist der Bulletproof Coffee ohnehin nicht. Eine logische Erklärung für seine vermeintliche Wunderwirkung: Womöglich verspüren die Befürworter einen gewissen Placeboeffekt, weil sie ansonsten nicht oder nur sehr wenig frühstücken.

Bulletproof Coffee und der Mythos vom Abnehmen

Der Bulletproof Coffee ist außerdem Bestandteil der sogenannten Bulletproof Diät, die auf Low-Carb-Ernährung, Fette und Proteine setzt. Aber wie soll ein Fett-Kaffee beim Abnehmen helfen? Immerhin enthält eine Tasse gut 250 Kalorien und 25 Gramm Fett.

Angeblich sollen die mittelkettigen Triglyceride des Öls direkt vom Körper verwertet werden, sodass sie nicht nur unmittelbar Energie liefern, sondern auch die Fettverbrennung ankurbeln und lange sättigen. Von diesem Argument sind Ernährungswissenschaftler ebenfalls nicht überzeugt. Ein kugelsicherer Kaffee wirkt morgens womöglich äußerst verdauungsanregend, doch lange sättigt so ein Getränk nicht. Auch sollten Flüssigkeiten in der Regel nicht absichtlich zusätzlich so viele Kalorien zugeführt werden.

Barista schenkt Kaffee in eine Kanne ein
Einem Barista dürfte der Bulletproof Coffee Albträume bereiten

Woher kommt der zweifelhafte Trend?

Der Bulletproof Coffee wurde von dem US-Amerikaner Dave Asprey erfunden. Der Unternehmer reiste durch Tibet und lernte dort in den Bergen den traditionellen Buttertee kennen, der aus Yakmilch zubereitet wird. Daraus wandelte er seinen kugelsicheren Kaffee ab und entwickelte zusätzlich die Bulletproof Diät, mit der er 45 Kilo Gewicht verloren haben soll. Inzwischen hat er ein Buch über seine Diät geschrieben und betreibt ein Café in Santa Monica, in dem er seinen Kaffee und Nahrungsergänzungsmittel vertreibt.

Im kühlen Gebirge von Tibet, Nepal oder Bhutan mag ein Tee oder vielleicht auch Kaffee mit hohem Kaloriengehalt als zusätzliche Energiequelle durchaus sinnvoll sein. Die Bevölkerung dort geht viel häufiger anstrengender körperlicher Arbeit nach und ist in der Regel nicht übergewichtig. Für einen Europäer oder Nordamerikaner, der einen Großteil des Tages im Bürostuhl absitzt, sollte der Fett-Kaffee aber die Ausnahme bleiben. 

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