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Ein weich gekochtes Frühstücksei aufgelöffelt

Gesünder als gedacht? Neue Studie hat ein Herz fürs Frühstücksei

von Jasmin, 07.08.2018

Jahrzehntelang haftete Eiern ein eher schlechter Ruf an – eine neue Studie aus Peking könnte sie nun rehabilitieren. Eier sollen laut chinesischen Forschern sogar gesünder sein als bislang angenommen.

Dass Eier von einigen Wissenschaftlern regelrecht verteufelt werden, hat seinen Ursprung in Forschungen aus den 1950er-Jahren. Schon damals erkannten Mediziner, dass Schlaganfälle und Herzinfarkte mit erhöhten Cholesterinwerten ihrer Patienten zusammenhingen. Seitdem gerieten Eier immer mehr als Cholesterinbomben in Verruf. Nun ist es nicht gerade ein leichtes Unterfangen, ein so festgesetztes Denken wieder aus den Köpfen der Menschen zu verbannen. Chinesische Forscher versuchen es trotzdem.

Damit befeuern sie die Kontroverse um den „angemessenen“ Verzehr von Eiern aufs Neue. In einer über neun Jahre angelegten Studie untersuchten sie 461.213 Probanden zwischen 30 und 79 Jahren – eine gigantische Anzahl an Studienteilnehmern. Zu Beginn der Studie waren alle kerngesund. Am Ende der neun Jahre waren 9.985 an Herzkrankheiten gestorben, 5.103 von ernsten Herzattacken betroffen und bei 83.977 Teilnehmern waren Herzkrankheiten diagnostiziert worden. Klingt erst mal erschreckend – insgesamt lieferte die Studie aber überraschend positive Ergebnisse.

Überraschend: Eier sollen gut fürs Herz sein

Laut den Forschern um Professor Liming Li von der Peking University wiesen Probanden, die täglich ein Ei zu sich nahmen, ein 18 Prozent niedrigeres Risiko auf, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben als solche, die keine Eier aßen. Das Risiko, an einem hämorrhagischen Schlaganfall zu sterben – also durch das Platzen eines Gefäßes im Gehirn – sank um 28 Prozent gegenüber denjenigen, die ganz auf Eier verzichteten. Das Hühnerei scheint laut der chinesischen Studie also einen überraschend positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System zu haben.

Eier gesund für das (alte) Herz
Lange galten Eier als Förderer von Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Ist Cholesterin eigentlich immer schädlich? Nein, sagen Forscher. Zum einen gibt es das sogenannte HDL-Cholesterin, kurz für „High Density Lipoprotein“. Es wird als unbedenklich eingestuft. Dagegen wird LDL-Cholesterin – Low Density Lipoprotein – kritisch betrachtet. Ist zu viel des LDL-Cholesterins im Blut, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob allerdings ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr cholesterinhaltiger Lebensmittel und einem erhöhten Cholesterinspiegel im menschlichen Blut besteht, ist unklar.

Die Kontroverse endet nicht

Ob die Studie, die Eier als gesund skizziert, die Fachwelt überzeugen kann, ist allerdings fraglich. In puncto Ei gehen die Expertenmeinungen seit mehr als 50 Jahren weit auseinander – bisher gab es aber auch noch keine derart umfangreiche und lang angelegte Studie wie die aus Peking. Kritisiert wird sie dennoch.

Laut den chinesischen Forschern sollen die in den Eiern enthaltenen Phospholipide den HDL-Cholesterinspiegel im Blut anheben und dessen Funktion verbessern. Ein Mechanismus, der vor voranschreitender Arteriosklerose (Anlagerung von Cholesterin in den Blutgefäßen) schützen kann. Demnach könne es als gesund eingestuft werden, Eier zu essen. Allerdings haben Kritiker einen nachvollziehbaren Einwand: Bei der Studie aus China wird nicht klar, ob tatsächlich die Eier für den Schutz vor Arterienverkalkung verantwortlich sind oder zum Beispiel ein insgesamt gesünderer Lebensstil der Probanden dahintersteckt, die vielleicht durch die Teilnahme an der Studie besonders auf ihre Gesundheit achteten.

Wieder einmal fehle also der eindeutige Beweis, der den Konsum von Eiern direkt mit einem niedrigen oder hohen Cholesterinspiegel verbindet. Diesen Zusammenhang konnte bisher kein Wissenschaftler einwandfrei be- oder widerlegen. Die Frage beim Endverbraucher bleibt also: Können Eier guten Gewissens gegessen werden oder nicht?

Hart gekochte Eier geviertelt im gemischten Salat mit vielen Gemüsen
Eier in Maßen scheinen okay zu sein. Aber wie viele Eier am Tag sind gesund und wann wird es zu viel?

So viele Eier pro Woche sind unbedenklich

Glaubt man der chinesischen Studie, soll ein Ei am Tag keinerlei negative Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel haben. Generell gilt es wissenschaftlich nicht als gesichert, dass cholesterinreiche Lebensmittel überhaupt einen Einfluss auf den Cholesterinspiegel haben. Hier scheint vor allem die genetische Veranlagung eine Rolle zu spielen.

Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, sieht kein Problem beim Verzehr von vier Eiern pro Woche, sofern nicht schon ein erhöhter Cholesterinspiegel vorliegt und es sich um einen gesunden Menschen handelt. Zusätzlich gibt er zu bedenken, dass nicht nur die Menge an reinem Ei über „gesund“ oder „ungesund“ entscheidet, sondern auch das, was dazu gegessen wird.

Während seine amerikanischen Kardiologen-Kollegen Eier am liebsten vom Speiseplan der US-Bürger streichen wollen, sieht Gohlke es bei den Deutschen nicht so eng. Der Grund: Amerikaner bevorzugen fettig gebratene Spiegeleier mit Speck zum Frühstück, Deutsche dagegen essen Eier meist hartgekocht oder auch in Verbindung mit Gemüse. Bei der amerikanischen Variante sorgen ungesunde gesättigte Fettsäuren aus Öl und Speck für eine erhöhte Belastung des Körpers. Diese tritt bei grünem Salat mit hartgekochten Eiern nicht auf.

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