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Eine Initiative der
Köttbullar aus Mehlkäfern

IKEA testet Käfer-Köttbullar: Sind Insekten das Essen der Zukunft?

von Vanessa, 11.05.2018

Köttbullar aus Mehlkäfern – alternative Ernährungsstrategien machen auch vor dem schwedischen Klassiker nicht Halt. Insekten sollen gesünder und ökologischer sein als Fleisch, aber schmeckt das auch?

Es klingt wie eine Speisekarte aus dem „Dschungelcamp“: Sechsfüßler auf Kohlblatt mit Crème fraîche. Was uns wie eine kulinarische Mutprobe erscheint, ist in anderen Teilen der Welt längst fester Bestandteil des Speiseplans.

Der Verzehr von Insekten (Entomophagie) soll das Ernährungskonzept der Zukunft sein. IKEAS Labor, Space 10, experimentiert bereits seit einiger Zeit mit Algen, Käfern und Würmern, die Coop-Supermärkte in der Schweiz bieten Mehlwurm-Burger an und in Belgien und den Niederlanden sitzen Hersteller von Insektenchips und -riegeln. Nachhaltig, nährstoffreich und schmackhaft soll der Krabbel-Snack sein, doch was ist dran an diesem Trend?

Das spricht für Insekten als Nahrungsmittel

Weltweit gibt es über 1.900 essbare Arten von Insekten. Für viele Menschen zählen Insekten heute schon zu einem vollwertigen Lebensmittel – genau genommen für zwei Milliarden Menschen. Insekten zu essen ist in Thailand zum Beispiel etwas ganz Normales. Rund 15.000 Menschen betreiben hier kleine Insektenzuchten – und sichern sich so ein zusätzliches Einkommen. Die „Snack Insects“ werden von thailändischen Straßenhändlern auch in touristischen Gegenden verkauft und sind für viele Urlauber eine kulinarische Attraktion.

Insekten sind sehr viel nachhaltigere Nahrungsmittel als Fleisch. Sie sind nährstoffreich und produzieren weitaus weniger Treibhausgase als Schweine, Rinder & Co. Neben der günstigen CO2-Bilanz benötigen Insekten auch nur einen Bruchteil der Fläche, die herkömmliche Nutztiere einnehmen.

Essbare Insekten zu züchten ist nach aktuellem Kenntnisstand gut möglich. Die Tierchen sind zu 80 Prozent essbar und benötigen nur zwei Kilo Nahrung für ein Kilo essbares Gewicht. Zum Vergleich: Rinder benötigen für die gleiche Menge an Gewicht acht Kilo Nahrung. Bereits 2013 hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), mit „Edible insects: Future prospects for food and feed security“ einen Bericht vorgelegt, der das Potenzial von Insekten für die Welternährung betont.

Als Tierfutter werden Insekten übrigens schon seit Längerem verwendet – mit Erfolg. Tierfutter auf Basis von Fliegenlarven hat sich in der Vorstufe der Fleischproduktion bewährt. Insekten eignen sich hierfür als günstige Eiweißquelle. Heuschrecken beispielsweise enthalten deutlich weniger Fett als Rindfleisch – bei gleichem Eiweißgehalt. Der Eisengehalt sei laut FAO sogar höher: 100 Gramm Heuschrecken (Trockengewicht) liefern zwischen acht und 20 Milligramm Eisen, während 100 Gramm Rindfleisch (ebenfalls Trockengewicht) nur sechs Milligramm enthalten.

Maden und Grillen in einer Schüssel zubereitet
Maden und Grillen essen: Der Trend für kulinarisch Aufgeschlossene.

Insekten essen: Ein Tabu auf dem Prüfstand

Diese Nährstoffe enthalten Insekten

Essbare Insekten sind ein echtes Superfood und stellen vor allem fettiges und damit cholesterinhaltiges Fleisch in den Schatten. In unterschiedlicher Konzentration enthalten die Krabbeltiere folgende Nährstoffe:

  • Omega-3-Fettsäuren: Insekten enthalten ähnlich viele Omega-3-Fettsäuren wie Fische. Diese sind unter anderem wichtig für die Leistungsfähigkeit des Gehirns.
  • Spurenelemente (Eisen und Zink): Eisen bildet Enzyme, die für den Stoffwechsel relevant sind. Zink stärkt das Immunsystem, Haut und Haare.
  • Protein (Eiweiß): Proteine sind die wichtigsten Energielieferanten. Sie sind für die Organfunktionen von Bedeutung sowie für den Aufbau, den Erhalt und die Erneuerung von Körperzellen.
  • Vitamine: Vitamine regulieren und verwerten Kohlenhydrate, Proteine und Mineralstoffe und sorgen so für Energiegewinnung.
  • Mineralstoffe: Mineralstoffe halten die Leistungsfunktion des Körpers aufrecht, indem sie den Aufbau von Zellen, Knochen, Gewebe und Hormonen unterstützen.

Eine Ernährung, bei der Insekten auf dem Speiseplan stehen, bietet offenbar lauter Vorteile. Doch warum kommt es uns dann so falsch vor?

Insekten gelten in Nordamerika und Europa als Ungeziefer. Durch die klimatischen Bedingungen werden einheimische Insekten auch nicht besonders groß. Als ernstzunehmende Nahrungsquelle werden sie daher oft ausgeschlossen.

Ihr Ruf als Krankheitsüberträger könnte ebenfalls Grund für die Skepsis sein. Dabei ist die Gesundheitsgefahr, die von Insekten ausgeht, verschwindend gering. Wesentlich größer ist sie bei Schweinen oder Kühen, die dem Menschen evolutionär viel näherstehen.

Das befremdliche Aussehen der Krabbeltiere sorgt außerdem dafür, dass sich viele vor Insekten ekeln. Dabei sollen sie durchaus wie Lebensmittel schmecken, die wir kennen: Nussig oder ähnlich wie Sesam beschreiben Tester den Geschmack. Frittiert haben beispielsweise Mehlwürmer eine ähnliche Konsistenz wie Erdnussflips. Manche Insekten-Gourmets behaupten sogar, wenn man eine in Öl ausgebackene Heuschrecke esse, sei das, wie in knusprige Hähnchenhaut zu beißen.

Insekten in einer Snackbox
Im Supermarkt sind Insekten noch die Ausnahme, in anderen Teilen der Welt kommen sie dagegen schon häufiger auf den Teller.

Gibt es den Insekten-Snack bald überall?

Zugegeben: Es klingt erst einmal befremdlich, frittierte Heuschrecken und Skorpione zu essen. Ob sich der Trend gegen Schnitzel und Steak durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Erste zaghafte Schritte werden jedoch bereits unternommen. Einige Gourmet-Restaurants bieten bereits jetzt experimentelle Insekten-Menüs an. Auch der Trend-Indikator Nummer Eins, das Internet, verfügt über ein breites Spektrum an Krabbel-Snacks – von schokolierten Insekten bis zum Käfer-Lolli.

Eine Revolution der Esskultur steht uns in der nächsten Zeit allerdings nicht bevor. Denn: Das Thema Ernährung ist mehr als ein industrieller Geschäftszweig. Genuss und Gesundheitsaspekte sollen sich die Waage halten. Aber auch Faktoren wie regionale Eigenheiten und religiöse Bräuche spielen eine Rolle bei der Nahrungsaufnahme. Bei dieser Mischung aus Genuss, Kultur und Grundbedürfnis sind abrupte Brüche in der Ernährungspyramide vorerst nicht zu erwarten.

Schädlich ist das Verspeisen von Insekten jedoch auf keinen Fall. Wer den Ekelfaktor überwindet, kann sich ganz neue Möglichkeiten der Ernährung erschließen und tut nebenbei noch etwas Gutes für die Umwelt.

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