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Junger Mann guckt auf seine Armbanduhr während er auf den Zug wartet

Kein (Arbeits-)Weg zu weit? Laut Studie kann Pendeln krank machen

von Sirany, 16.06.2018

Ein kurzer Weg zur Arbeit und zurück ist ein Luxus, den nicht jeder hat. Doch Pendeln kostet nicht nur zusätzliche Zeit, sondern kann auch psychisch krank machen.

Du hast deinen Traumjob gefunden – doch leider ist er in München. Du wohnst aber in Berlin und hast dir dein Leben in dieser Stadt aufgebaut. Umziehen kommt für dich deshalb nicht infrage. Und so wirst du zum Wochenendpendler, der regelmäßig mehr als 500 Kilometer zwischen Arbeitsplatz und Wohnort zurücklegt.

Das ist natürlich ein Extremfall. Aber auch schon geringere Entfernungen, die Pendler teilweise täglich zwischen ihrem Zuhause und dem Büro in Kauf nehmen, können zu dauerhaftem Stress und sogar zu psychischen Erkrankungen führen. Das ergab eine Fehlzeitenanalyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Betroffen sind rund 18,4 Millionen Arbeitspendler in Deutschland, was einen Anteil von 59,4 Prozent ausmacht (Quelle: Statista).

Durch Fernpendeln steigt die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Erkrankung

Die AOK-Studie wertete die Daten von 13,2 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern aus dem Jahr 2017 aus. Dabei zeigte sich, dass mit der Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort das Risiko für eine psychische Erkrankung steigt. Pendler, die mehr als 500 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen, haben 15 Prozent mehr Fehltage als Arbeitnehmer, die maximal zehn Kilometer Wegstrecke fahren.

Bei knapp 58 Prozent der AOK-Versicherten beträgt die Distanz zwischen Zuhause und Büro maximal zehn Kilometer. Sie wiesen 2017 durchschnittliche elf Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen je 100 Mitglieder auf. 10,6 Prozent der Versicherten legen Strecken über 50 Kilometer zur Arbeit zurück. Bei ihnen waren es schon 12 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder. Bei Distanzen über 500 Kilometer lag die Quote bei 12,6 Arbeitsunfähigkeitsfällen.

Ein Risiko besteht schon ab 50 Kilometern

Das Wissenschaftliche Institut der AOK analysierte auch innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren, ob ein Wohnortswechsel der Versicherten Auswirkungen auf die Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen hatte. Ergebnis: Verlängerte sich der Arbeitsweg und betrug mehr als 50 Kilometer, nahmen die Fehltage um 54,4 Prozent zu. Wurde die Distanz auf unter 50 Kilometer verkürzt, stiegen die Fehlzeiten unterdurchschnittlich um 7,9 Prozent. Bei den Mitgliedern, die in den letzten fünf Jahren nicht den Wohnort gewechselt haben, stiegen die Fehlzeiten um 49,4 Prozent.

Pendlerin guckt während der Zugfahrt aus dem Fenster
Anfangs erscheint der Arbeitsweg noch nicht so weit, das Pendeln nicht so schlimm – doch über Jahre zehrt es an den Nerven.

Pendeln ist Stress für die Psyche

Doch warum könnte ein Zusammenhang zwischen Pendeln und psychischen Erkrankungen bestehen? Die weite Anfahrt zum Arbeitsplatz ist eine Zusatzbelastung für den Beschäftigten. Autofahrer müssen schon vor der Arbeit und auch auf der Rückfahrt wach und konzentriert sein, um auf den Verkehr zu achten. Zugpendler können während der Fahrt zwar entspannen und Musik hören oder ein Buch lesen, doch volle Abteile und laute Unterhaltungen sorgen oft auch bei ihnen für Stress.

Sowohl Autofahrer als auch Bahnreisende stehen während des Pendelns außerdem ständig unter Druck, aufgrund von Staus, Zugverspätungen und Parkplatzsuchen zu spät zur Arbeit zu kommen.

Dazu kommt bei vielen das Gefühl, während des Pendelns kostbare Lebenszeit zu verschenken, die man viel lieber mit dem Partner, Freunden oder der Familie verbringen würde. Das kann zu einem Gefühl der Einsamkeit und zu Frustration führen.

Mit dem Pendeln geht oft ein ungesünderer Lebensstil einher

Neben der psychischen Komponente kann das Pendeln auch einen ungesünderen Lebensstil begünstigen. Viele Pendler haben weniger Zeit, um sich ausgewogen zu ernähren. Am Bahnhof eine Pizza auf die Hand oder ein Burger mit Pommes am Rastplatz müssen ihnen manchmal als Abendessen genügen.

Auch für Sport bleibt weniger Zeit – und das, obwohl Pendler ohnehin schon viel im Zug oder Auto sitzen und sich mehr bewegen sollten. Im schlimmsten Fall fördert dieser ungesunde Lifestyle Übergewicht, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Probleme.

Pendlerin schläft im Zug
Auf Dauer ist Pendeln ermüdend.

So lässt sich das Pendeln angenehmer gestalten

Den Arbeitsweg zu verkürzen oder auf lange Sicht den Wohnort zu wechseln, wäre natürlich die beste Lösung, um sich dem Pendlerstress nicht dauerhaft auszusetzen. Das ist allerdings nicht jedem Arbeitnehmer möglich. Es gibt jedoch ein paar andere Optionen, um das Pendeln entspannter zu gestalten:

  • Autofahrer können Fahrgemeinschaften bilden, um die Strecke nicht immer komplett selbst fahren zu müssen.
  • Sie haben außerdem die Möglichkeit, mit ihrem Arbeitgeber darüber zu sprechen, ob dieser seinen Angestellten Parkplätze zur Verfügung stellt.
  • Pendler können versuchen, mit ihrem Chef einen Kompromiss auszuhandeln und eine Fahrstrecke pro Tag als Arbeitszeit gelten zu lassen.
  • Einer oder mehrere Homeoffice-Tage sind eine weitere Lösung, um zumindest nicht jeden Tag pendeln zu müssen.

Letztendlich kommt es aber auch stark darauf an, ob du freiwillig oder aus der Not heraus pendelst. Hast du deinen Traumjob gefunden und nimmst für diesen den längeren Weg in Kauf, wird dich das in der Regel weniger frustrieren als jemanden, der wenige Kilometer zu seiner Arbeit fährt, die ihm wenig Freude bereitet. 

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