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Eine Initiative der
Zuckersirup auf einem Löffel

Keine EU-Quotenregelung für Isoglucose: Gefahr durch Billig-Zucker?

von Sirany, 11.07.2018

Der Zuckersirup Isoglucose (oder: Isoglukose) ist in der Produktion günstiger als herkömmlicher Zucker aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr. Ist der Billig-Zucker schädlich für die Gesundheit?

Seit dem 1. Oktober 2017 gibt es keine festen Produktionsquoten für den Zuckersirup Isoglucose mehr. Bis dahin war die Herstellung stark reglementiert: Der Marktanteil durfte in der EU maximal fünf Prozent beantragen. Bereits im Jahr 2013 beschloss die EU-Kommission jedoch, dass der europäische Zuckermarkt liberalisiert werden müsse. Die Lockerung der Regulierungen führte dazu, dass Isoglucose praktisch unbegrenzt in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden kann. Laut Schätzungen soll der Marktanteil dadurch auf 20 Prozent steigen (Quelle: Foodwatch).

Verbraucherschützer warnen bereits davor, dass Isoglucose in Zukunft verstärkt zum Einsatz kommen werde, und haben Bedenken, dass der Zuckersirup ungesünder sein könnte als herkömmlicher Haushaltszucker. Was ist dran an dieser Sorge?

Was ist Isoglucose?

Isoglucose wird im Gegensatz zu unserem Haushaltszucker nicht aus Zuckerrohr oder -rüben hergestellt, sondern meist aus Mais, seltener auch aus Weizen. Während schon die Aufbereitung von Zuckerrüben ganze zwei Tage dauert, ist der Prozess zur Herstellung von Isoglucose im Vergleich simpler und günstiger.

Hierbei werden dem Mais Enzyme zugesetzt, die ihn in Stärke zerlegen. Es entsteht zunächst Glucose, Traubenzucker, von der ein Teil durch die Zugabe von weiteren Enzymen in Fructose, also Fruchtzucker, umgewandelt wird. Und so wird der Zuckersirup Isoglucose gewonnen. Er ist im Gegensatz zum Haushaltszucker ein Gemisch aus den beiden Einfachzuckern Fructose und Glucose, die vom menschlichen Darm direkt in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Ein Zweifachzucker wie Haushaltszucker muss dagegen im Darm erst enzymisch gespalten werden.

Meister der Tarnung: Isoglucose versteckt sich hinter vielen Namen

Aber in welchen Produkten versteckt sich Isoglucose überhaupt? Und noch wichtiger: Wie lässt sich der Zuckersirup in Lebensmitteln erkennen? Als Isoglucose ist er in der Regel nicht gekennzeichnet. Stattdessen solltest du insbesondere bei Müslis, Softdrinks und Limonaden, Säften, Süßigkeiten und Milchprodukten wie Joghurt auf folgende Deklarationen achten:

  • Glucose-Fructose-Sirup (bedeutet: Fructose-Anteil liegt unter 50 Prozent)
  • Fructose-Glucose-Sirup (bedeutet: Fructose-Anteil liegt über 50 Prozent)
  • Maissirup oder Maiszucker
  • In den USA wird aus Mais gewonnene Isoglucose außerdem als High Fructose Corn Syrup (HFCS) bezeichnet.
Ein Maisfeld
Süßer Sirup aus dem Feld: Isoglucose wird in der Regel aus Mais gewonnen.

Problematische Fructose

Isoglucose besteht also zum Teil aus Glucose und zum anderen Teil aus Fructose. Der Unterschied zum herkömmlichen Haushaltszucker (Saccharose) liegt darin, dass in diesem das Verhältnis der beiden Einfachzucker ausgewogen ist: 50 Prozent Glucose und 50 Prozent Fructose. In Isoglucose dagegen kann das Gewicht variieren und der Fructose-Anteil bei über 50 Prozent liegen. Ein schwankender Anteil von acht bis zu 90 Prozent ist denkbar.

Wenngleich der Name anderes vermuten lässt: Fruchtzucker (Fructose) ist nicht besser als Traubenzucker (Glucose). Zumindest dann nicht, wenn die Fructose verarbeiteten Lebensmitteln extra zugesetzt wird. Wird Fructose in ihrer ursprünglichen Form über Obst und Gemüse zusammen aufgenommen, ist das in der Regel unbedenklich, solange keine Fruchtzucker-Unverträglichkeit besteht.

Als Zusatz in Lebensmitteln hat Fructose jedoch mehrere Nachteile:

  • Sie ist süßer als Haushaltszucker (Saccharose) und Traubenzucker (Glucose). Der Süßkraftwert von Haushaltszucker liegt bei 1, der Süßkraftwert von Glucose liegt mit etwa 0,7 darunter, der von Fructose mit 1,1 bis 1,8 deutlich drüber. Deshalb könnte mehr Fruchtzucker in Lebensmitteln das Verlangen des Konsumenten nach einer höheren Süßkraft weiter fördern.
  • Unser Körper verarbeitet Fruchtzucker anders als Glucose. Während der Traubenzucker als Energielieferant direkt verbraucht oder als Reserve in der Muskulatur und in der Leber gespeichert wird, muss Fructose in der Leber zuerst in Glucose umgewandelt werden. Dem Organ gelingt das nur bis zu einem gewissen Punkt. Anschließend wird Fructose zu Fettsäuren verstoffwechselt und kann eine Fettleber begünstigen.
  • Fruchtzucker steht in Verdacht, den Harnsäurespiegel zu erhöhen, wodurch möglicherweise das Gichtrisiko steigt.

Erkenntnisse aus Studien basieren bislang jedoch größtenteils auf Tierversuchen.

Bunte Streusel in einer durchsichtigen Schüssel
Bunte Streusel in Regenbogenfarben sehen appetitlich aus – bestehen aber nahezu komplett aus Zucker.

Gesundheitliche Risiken durch Zucker

Wie gefährlich ist also der Verzehr von Lebensmitteln, denen der Zuckersirup zugesetzt ist? Letztendlich dürfte es darauf ankommen, in welchem Maß die Fructose in der Isoglucose enthalten ist. Laut “Apotheken Umschau“ 5/2018 B, die sich auf eine Stellungnahme des Branchenverbandes der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) beruft, beinhalte der in Deutschland zum Einsatz kommende Zuckersirup in der Regel nicht über 30 Prozent Fructose, was einem geringeren Anteil entspräche als dem in Haushaltszucker.

Auch der Deutsche Bundestag widmet sich in einem Sachbestand den “gesundheitlichen Auswirkungen von Saccharose und High Fructose Corn Syrup“. Die Studien, die darin erwähnt und ausgewertet werden, kommen zu dem Ergebnis, dass bei ähnlicher Zusammensetzung von Isoglucose kein höheres gesundheitliches Risiko ausgehe als von Saccharose.

Vielmehr solltest du dir stets vor Augen führen, dass ein genereller übermäßiger Zuckerkonsum – egal welcher Art – zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies, Fettleibigkeit, Diabetes und einer Fettleber führen kann. Die World Health Organization (WHO) empfiehlt deshalb, dass der Anteil von freiem Zucker weniger als zehn Prozent der täglichen Gesamtenergiezufuhr ausmachen solle, was etwa 50 Gramm – oder zehn Teelöffel – sind.

Die Liberalisierung des Zuckermarkts sendet falsche Signale

Nicht nur der gesundheitliche Aspekt spielt eine Rolle, wenn zukünftig immer mehr Isoglucose ohne Regulierung auf den Zuckermarkt kommt. Aufgrund der kostengünstigen Produktion des Zuckersirups könnten immer mehr Unternehmen auf den Isoglucose-Zug aufspringen.

Insgesamt werden die Zuckerpreise dadurch fallen, was es für die Lebensmittelindustrie noch rentabler macht, auf ungesunde und zuckerhaltige Produkte zu setzen. Der Anreiz, zuckerreduzierte Produkte auf den Markt zu bringen, sinkt damit jedoch.

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