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Einsamer Mann sitzt auf einer Bank.

Männerdepression: Leiden Männer wirklich anders?

von Redaktion, 29.12.2017

Eine Depression äußert sich durch individuelle Symptome. Doch die Krankheit verläuft bei Männern oft anders als bei Frauen. Die sogenannte Male Depression ist schwerer zu diagnostizieren.

Oft wird über den sogenannten Männerschnupfen gescherzt und darüber, dass das starke Geschlecht bei solchen Wehwehchen ganz weinerlich wird. Ob das Wahrheit oder Mythos ist, daran scheiden sich die Geister. Auch Depressionen, ein deutlich ernsteres Thema, sollen sich beim Mann anders äußern als bei der Frau. Im schlimmsten Fall wird die psychische Erkrankung vom Arzt nämlich gar nicht erkannt oder falsch diagnostiziert. Mit fatalen Folgen: Denn eine Männerdepression endet häufiger im Suizid.

Cholerisch statt traurig – Männer leiden anders

Permanent müde, gestörter Schlaf, antriebs- und lustlos, niedergeschlagen und ein tief sitzendes Gefühl von Traurigkeit – so werden die typischen Symptome, die eine Depression begleiten, häufig von Erkrankten beschrieben. Doch sollen diese Anzeichen viel häufiger bei Frauen zutreffen. Beim Mann dagegen kann sich eine Depression ganz anders äußern. Denn anstelle des für die Krankheit charakteristischen Schwermuts stellen sich Aggressionen ein. Die Betroffenen sind auffällig oft extrem gereizt, stark frustriert und rasten schon bei Kleinigkeiten aus. Diese Symptome können auf eine Male Depression hindeuten:

  • geringe Stresstoleranz
  • erhöhte Risikobereitschaft
  • asoziales Verhalten
  • schnelles Aufbrausen
  • Wutanfälle
  • verstärkter Gebrauch von Suchtmitteln
  • Schmerzen ohne körperliche Ursache
  • Selbstmordgedanken

Das Problem: Die genannten Anzeichen werden vom sozialen Umfeld nicht unbedingt als "typisch depressiv", sondern als cholerisch gedeutet. Die Erkrankten gelten im Extremfall eher als Psychopathen denn als psychisch krank.

Mann steht auf Dach und trinkt.
Lonely wolf: Der Mann, der alleine seine Depression im Alkohol ertränkt, ist keine Seltenheit.

Ein Leben auf der Überholspur

Abgesehen davon, dass die Symptome bei einer Männerdepression häufig von der Vorstellung abweichen, die die Mehrheit von der psychischen Erkrankung hat, kommen hier wieder die traditionellen Geschlechterrollen ins Spiel. Eine Depression wird leider immer noch viel zu oft als „Frauenleiden“ klassifiziert.

Zum einen zieht das die Schwere und Ernsthaftigkeit der Krankheit ins Lächerliche, zum anderen sorgt die Stigmatisierung dafür, dass einige Männer sich nicht trauen, sich die Depression einzugestehen. Es setzt eine Art Verdrängungsmechanismus ein, der sich durch Aktionismus, erhöhten Alkoholkonsum und größere Risikobereitschaft äußert. Einige Männer stürzen sich vermehrt in sexuelle Abenteuer, andere rasen viel zu schnell über die Autobahn oder üben exzessiv extreme Sportarten aus. Eine Depression kann sich also komplett unterschiedlich äußern.

Maskierte Depression

Weil sich Männer schwerer damit tun, sich eine Depression einzugestehen, suchen sie später als Frauen einen Arzt auf. Und selbst wenn sie sich zu diesem Schritt durchgerungen haben, wird die Krankheit oftmals falsch diagnostiziert.

Dieser Verdacht kam schon in den 1980er Jahren auf, als auf der schwedischen Insel Gotland ein Suizid-Präventionsprogramm gestartet wurde. Dabei wurden Ärzte systematisch darauf geschult, eine Depression bei ihren Patienten zu erkennen und zu behandeln. Danach sank die Selbstmordrate in der Region um zwei Drittel – aber fast nur bei den Frauen. Denn nur bei ihnen wurde die Depression richtig diagnostiziert.

Nachdem die Forscher in einem zweiten Teil des Programms die behandelnden Ärzte auf die weiteren Symptome der Male Depression aufmerksam gemacht hatten, gingen die Todesfälle auch bei den Männern zurück.

Unzufriedenes Paar sitzt im Schlafzimmer und schweigt sich an.
Unter der Depression leidet nicht nur der Betroffene selbst, sondern auch seine Beziehung(en).

Ursache unbekannt

Warum die Depression beim Mann oft anders verläuft als bei der Frau, ist bislang nicht bekannt. Studien der Universität Pittsburgh zeigen, dass wohl 16 von 19 Genregionen, die mit Depressionen zusammenhängen, geschlechtsspezifisch zu sein scheinen. Wenn tatsächlich nur drei dieser Regionen sowohl bei Männern als auch bei Frauen vorkommen sollten, ist die Männerdepression vielleicht zu einem großen Teil genetisch bedingt.

Doch auch wenn die Ursache unbekannt ist, sollten die Betroffenen, egal ob Mann oder Frau, auf die Signale achten, die ihnen ihr Körper sendet. Denn unter einer unterdrückten oder nicht erkannten Depression leidet nicht nur die erkrankte Person, sondern auch die Partnerschaft und das soziale Umfeld. Angehörige sollten daher ebenfalls wachsam sein, wenn sie die beschriebenen Symptome an Menschen in ihrem Umkreis bemerken.

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