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Mann grübelt vor offenem Kühlschrank

Neues Mindesthaltbarkeitsdatum in Norwegen: Auch in Deutschland möglich?

von Sirany, 24.05.2018

Gegen die Wegwerf-Gesellschaft: Ein neues Mindesthaltbarkeitsdatum weist in Norwegen darauf hin, dass Lebensmittel nach Ablauf des MHD nicht automatisch schlecht sind. Ein Vorbild für Deutschland?

Schnell wird ein ungeöffneter Joghurt in der hintersten Ecke des Kühlschranks vergessen – und genauso schnell landet er in vielen Haushalten auch in der Mülltonne, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten ist. Das muss nicht sein!

Generell sind fast alle ungeöffneten Lebensmittel nach Ablauf des MHDs noch genießbar. Auch Milchtüten, Joghurtbecher und Sahne. In Norwegen haben deshalb einige Molkereien und ein Eierhändler Anfang des Jahres eine Initiative gestartet und ein neues Mindesthaltbarkeitsdatum eingeführt. „Mindestens haltbar bis, aber nicht schlecht nach“ steht nun auf Produkten der Unternehmen. Die Firmen wollen damit Missverständnisse aus dem Weg räumen. Denn zu oft wird das MHD – auch in Deutschland – falsch interpretiert und Lebensmittel weggeworfen, die eigentlich noch gut sind.

Kein Fall für die Tonne: Was besagt das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Das jeweils vom Hersteller festgelegte Mindesthaltbarkeitsdatum für Lebensmittel wird in Paragraph 7 der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV) beschrieben. Es besagt lediglich, dass ein Produkt ungeöffnet bis zum genannten Datum „unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften behält“, zum Beispiel Farbe, Geschmack, Nährwert oder Konsistenz.

Laut Definition des MHDs sind Lebensmittel nach Ablauf also nicht automatisch schlecht oder ungenießbar. Ungeöffnete Milchprodukte oder Eier können noch mehrere Tage nach Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums lecker und bekömmlich sein. Produkte wie Nudeln, Reis oder Mehl bei trockener Lagerung sogar mehrere Monate.

Wichtig ist dabei stets die richtige, vom Hersteller empfohlene Aufbewahrung. Olivenöl beispielsweise kann sich gut fünf Jahre halten, wenn es ordentlich verschlossen und lichtgeschützt aufbewahrt wird. Offen und bei praller Sonneneinstrahlung dagegen wird es schon nach einigen Wochen ranzig.

Haltbarkeit von frischem Obst sieht man ihm an
Einige Lebensmittel wie Obst und Gemüse brauchen keine Angabe eines Mindesthaltbarkeitsdatums – man sieht ihnen an, wenn sie in die Jahre kommen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum?

Nicht zu verwechseln ist das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Verbrauchsdatum. Dieses bedeutet im Klartext „Zu verbrauchen bis“ – und nach dieser Angabe solltest du dich auch richten. Denn das Verbrauchsdatum wird bei Lebensmitteln angegeben, die durch Keime leicht verderblich und dadurch gesundheitsschädigend sein können. Dazu zählen in der Regel Hackfleisch, frisches Geflügel oder andere frische Fleischprodukte, frische Wurst und Fisch.

Anders als bei Lebensmitteln mit Mindesthaltbarkeitsdatum dürfen Waren nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr verkauft werden. Bei Produkten mit MHD dagegen obliegt es dem Händler, ob er die Ware nach Überschreiten noch verkaufen möchte. Er muss allerdings sicherstellen, dass die Ware für den Verbrauch noch akzeptabel ist. Viele Supermärkte sichern sich ab, indem sie die Lebensmittel, die über dem MHD sind, entsprechend kennzeichnen und den Kunden so darauf hinweisen.

Übrigens: Einige Lebensmittel werden weder mit einem Verbrauchs- noch einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen und sind laut EU-Lebensmittel-Informationsverordnung von der Pflicht zur Angabe ausgenommen:

  • frisches Obst und Gemüse (ungeschält und nicht geschnitten)
  • Wein, Likörwein und Schaumwein
  • Getränke mit einem Alkoholgehalt von 10 Prozent oder mehr
  • Backwaren, die in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Herstellung verzehrt werden (Bäcker)
  • Essig
  • Speisesalz (Ausnahme: jodiertes Speisesalz)
  • Zucker in fester Form und Zuckerwaren, die fast nur aus Zuckerarten mit Aromastoffen und/ oder Farbstoffen bestehen
  • Kaugummi
  • Speiseeis in Portionspackungen

MHD abschaffen oder reformieren?

Einige Kritiker plädieren für eine komplette Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums. Die Verbraucherzentrale hält jedoch dagegen, dass das MHD eine gute Orientierung für den Käufer sei. Sie argumentiert außerdem, dass die meisten Lebensmittel, die weggeworfen werden, kein Mindesthaltbarkeitsdatum haben, etwa Obst und Gemüse.

Stattdessen erscheint eine Reform des MHDs nach norwegischem Vorbild sinnvoller. Eine Umbenennung des Mindesthaltbarkeitsdatums könnte dazu führen, dass sich der Begriff und die Bedeutung dem Verbraucher besser erschließen. Auch einheitliche Richtlinien für das MHD, sodass nicht jeder Hersteller seine eigenen Vorgaben umsetzt, könnten helfen. Und ganz wichtig: Aufklärung darüber, was das Mindesthaltbarkeitsdatum (nicht) aussagt.

Junge Frau greift mit prüfendem Blick ins Kühlregal im Supermarkt
Ein überschrittenes MHD bedeutet nicht automatisch ein Verkaufsverbot im Supermarkt.

Vertraue auf deine Sinne!

Unabhängig vom MHD bist du selbst der zuverlässigste Indikator dafür, ob Lebensmittel noch genießbar sind oder nicht. Vertraue auf deine Sinne: schmecken, sehen, riechen und fühlen. Kommt dir die Ware nicht mehr frisch vor, vertraue besser auf dein Gefühl und entsorge sie. Wenn du dich allerdings stets an die vom Hersteller empfohlene Lagerung hältst, kannst du in der Regel sicher sein, dass die Lebensmittel auch nach Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums bzw. bis zum Ende des Verfallsdatums genießbar sind. 

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