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Lebensmittelampel Plus: Obst und Gemüse steuerfrei

Steuern runter für Obst und Gemüse: Wie die "Ampel Plus" unsere Ernährung verbessern soll

von Florian, 14.12.2017

Die Diskussion um die Lebensmittelampel erhitzt schon länger die Gemüter. Neu ist jetzt die "Ampel Plus": die Idee, Steuern auf Obst und Gemüse abzuschaffen, um gesundes Essen günstiger anbieten zu können.

Fettleibigkeit ist ein Wohlstandsproblem, das auch bei uns in Deutschland immer mehr Menschen betrifft. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) leidet jeder vierte bis fünfte Deutsche an starkem Übergewicht. Als offiziell übergewichtig giltst du ab einem Body-Mass- Index von 30 kg/m2. Ein Grund dafür: Ungesundes und dickmachendes Junkfood ist oft günstiger als viele Obst- und Gemüsesorten – für gut einen Euro bekommst du zwar einen Cheeseburger beim goldenen M, aber kein gesundes Gemüsegericht. Eine aktuelle Studie der Universität Hamburg hat jetzt verschiedene Szenarien durchgerechnet, wie sich unterschiedliche Steuersätze auf gesunde und ungesunde Lebensmittel auf die  Adipositas auswirken könnten. Das Ergebnis: Gesunde Ernährung könnte in vielen Fällen auch am Preis scheitern.

"Ampel Plus" soll Obst und Gemüse von Mehrwertsteuer befreien

Um der Schwabbelepidemie Einhalt zu gebieten, haben Forscher die "Ampel Plus" entwickelt, eine Variante der sogenannten "Lebensmittelampel". Die Kennzeichnung gesunder Lebensmittel soll demnach mit einem preislichen Vorteil verbunden werden – und das funktioniert so:

  • Die Grundversion der Lebensmittelampel sieht vor, mit den Farben Grün (niedrig), Gelb (mittel) und Rot (hoch) den Gehalt an Inhaltsstoffen wie Fetten, Zucker und Salz auf Lebensmittelpackungen kenntlich zu machen, die sich sonst im Kleingedruckten verbergen.
  • Die "Ampel Plus" will gesunde Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse nicht nur kennzeichnen, sondern auch billiger machen. Sie sollen gänzlich von der Mehrwertsteuer befreit werden. Besonders fettmachende Lebensmittel sollen dagegen teilweise sogar höher besteuert werden, als es derzeit noch der Fall ist.

So soll ungesundes Essverhalten also auch finanziell unattraktiver gestaltet werden. Die Farben der "Ampel Plus" haben die folgende Bedeutung:

  • Grün: Auf Produkte wie Obst und Gemüse wird keine Lebensmittelsteuer erhoben
  • Gelb: Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch werden mit sieben Prozent besteuert
  • Rot: Besonders fette, zucker- oder salzhaltige Lebensmittel wie Süßigkeiten oder Chips werden mit 19 Prozent besteuert
  • Plus: Auf Softdrinks mit Zucker und auch Light-Produkte mit Zuckeraustauschstoffen werden 29 Prozent Steuern erhoben

Steuerchaos: Für Möhrensaft zahlst du mehr als für Schokolade

Bisher gilt für die meisten Lebensmittel ein Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Getränke werden jedoch mit 19 Prozent besteuert. Daraus ergibt sich das schwer nachzuvollziehende Szenario, dass auf Schokolade genauso wie auf Möhren sieben Prozent aufgeschlagen werden, auf 100-prozentigen Möhrensaft jedoch 19 Prozent. Nach der "Ampel Plus" würde die dickmachende Schokolade dann ebenfalls auf 19 Prozent Mehrwertsteuer kommen.

Lebensmittelampel Plus: Obst und Gemüse steuerfrei
Dickmachende Lebensmittel wie Cola und Pommes werden nach dem Modell der "Ampel Plus" teurer.

Zehn Prozent weniger Übergewichtige dank "Ampel Plus"?

Cola-Light- Fans dürften wenig begeistert sein, wenn sie sich vorstellen, für ihren Koffein-Kick plötzlich tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Die massive Erhöhung bei Softdrinks sei jedoch notwendig, da diese eine entscheidende Rolle bei der Fettleibigkeit spiele, erklären die Befürworter der "Ampel Plus". Auch Light-Produkte ohne Zucker können dick machen, da die Ersatzstoffe den Stoffwechsel durcheinanderbringen. Durch die Preisstaffelung mittels "Ampel Plus" sei es nach Ansicht der Forscher möglich, die Zahl der Übergewichtigen in Deutschland um zehn Prozent zu reduzieren.

Wusstest du schon?

Ampel hin oder her – Blitzdiäten helfen nicht. Wenn du Körpergewicht verlieren willst, solltest du deine Ernährung und deine körperliche Aktivität langfristig anpassen, sonst kehren die verlorenen Pfunde durch den Jo-Jo- Effekt wieder zurück. Eine Übersicht über die bekanntesten Diät-Konzepte zeigt dir die AOK.

Zusätzlich zahlen für Zuckerdrinks? Anderswo selbstverständlich

Deutschland wäre mit einem solchen Modell wie der "Ampel Plus" übrigens kein Vorreiter: In Frankreich werden bereits seit 2012 Steuern auf gesüßte Getränke erhoben, in Großbritannien müssen die Hersteller von Cola & Co. ab April 2018 eine Zucker-Abgabe zahlen. Und im US- Bundesstaat Kalifornien ging der Verkauf von Softdrinks nach einer Steuererhöhung um 21 Prozent zurück.

 
Lebensmittelampel Plus: Obst und Gemüse steuerfrei
Ein bunter Salat ist der ideale Snack für zwischendurch – und mit der "Ampel Plus" wäre dieser sogar bald günstiger zu bekommen.

Nicht alle sind Ampel-Fans

Die "Ampel Plus" erfährt allerdings keine uneingeschränkte Zustimmung. Die Branchenverbände der Lebensmittelwirtschaft, der BLL und die BVE, kritisieren die Idee, da sie den Verbraucher bevormunden würde. Hier sind insbesondere sozial benachteiligte Menschen gemeint – für manche ist der Ein-Euro-Burger oder die drei-Euro-Tiefkühlpizza schlichtweg rentabler, als sich für fünf Euro frisches Gemüse zu kaufen. Ganz zu schweigen von den anderen Zutaten und der Zeit, die die benötigt wird, um ein gesundes Gericht selbst zu kochen.

Den Ampel-Kritikern zufolge sei die Einteilung der Nährstoffe in "gesund" und "ungesund" zudem nicht different genug und wissenschaftlich nicht zielführend.

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