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Überforderter Mann am Arbeitsplatz vor Laptop

Umgang mit Depressionen im Job – Tipps für dich und deine Kollegen

von Redaktion, 09.04.2018

Erkrankt ein Mitarbeiter an einer Depression, ist das für alle in der Firma eine ungewohnte Situation. Der Chef, die Kollegen – und der betroffene Arbeitnehmer selbst – müssen sich zurechtfinden.

Immer mehr Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, brechen das Schweigen und reden offen darüber – zumindest im privaten Umfeld . Der Arbeitsplatz dagegen ist ein Bereich, der normalerweise von Leistung, Ehrgeiz, Motivation und Einsatz geprägt ist. Hier fällt es vielen Betroffenen schwerer, die Erkrankung anzusprechen. Sie haben Angst vor dem Unverständnis der Kollegen und Vorgesetzten. Schließlich arbeitet man in der Regel nur zusammen und pflegt privat kein allzu enges Verhältnis. Sich da zu einer psychischen Erkrankung zu bekennen, ist nicht einfach.

Dabei wissen viele Menschen einfach nur nicht, wie sie mit der Erkrankung des Kollegen umgehen sollen, und sind nicht sensibilisiert dafür. Dennoch ist es wichtig, die Depression auch im Arbeitsleben offen zur Sprache zu bringen. Die Frage ist nur: Wie geht man am besten dabei vor?

Offenheit bringt Veränderungen

Wenn du der- oder diejenige bist, die mit einer Depression zu kämpfen hat, dann ist es dir hoch anzurechnen, wenn du dich dazu entschieden hast, deine Krankheit auch im Arbeitsbereich anzusprechen. Du bist nicht dazu verpflichtet, aber diese Offenheit kann von Vorteil sein. Wirst du zum Beispiel wegen deiner Depression längere Zeit krankgeschrieben – und dein Arbeitgeber und deine Vorgesetzten sind im Bilde – dann können sie sich Gedanken um eine gesundheitsförderliche Arbeitsumgebung und -atmosphäre machen. Das beugt im besten Fall sogar der Erkrankung weiterer Mitarbeiter vor.

Auch wenn du dich dazu entscheidest, weiter zur Arbeit zu gehen, besteht durch Offenheit eine größere Chance, deinen Aufgabenbereich besser auf dich abzustimmen, sodass du aufgrund deiner Depression nicht überfordert bist . Der Leitfaden des Europäischen Depressionstages nennt mögliche Maßnahmen, um erkrankten Mitarbeitern die Situation zu erleichtern:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Unterstützung bei der Zeiteinteilung und Prioritätensetzung
  • Arbeitsentlastung, um Stress zu reduzieren
  • Optimierung des Arbeitsumfeldes (zum Beispiel kleineres Arbeitszimmer anstatt Großraumbüro)

Nicht mit der Tür ins Haus fallen

Bevor du aber mit deinem Vorgesetzten sprichst oder eine Ankündigung vor der gesamten Abteilung machst, solltest du dich darüber informieren, wie dein Chef in der Vergangenheit mit psychischen Erkrankungen umgegangen ist. Kannst du bei ihm oder ihr auf Verständnis hoffen?

Wenn sich abzeichnet, dass du von deinem Boss nur wenig Unterstützung erwarten kannst, ist es womöglich besser, zuerst die Kollegen ins Vertrauen zu ziehen, mit denen du dich gut verstehst. Vielleicht haben sie wertvolle Tipps für dich. Bitte sie, Stillschweigen zu bewahren, solange du es wünschst.

In größeren Firmen gibt es außerdem einen Betriebsrat oder eine Vertrauensperson, die als Ansprechpartner und Vermittler für psychische Probleme dient. Dein Arzt oder Therapeut kann dich ebenfalls beraten, inwieweit und wem du dich am Arbeitsplatz offenbaren solltest.

Tulpenstrauß und Grußkarte mit Genesungswünschen
Gute Kollegen meiden oder verurteilen dich nicht, wenn du ihnen von deiner Depression erzählst.

Als Chef: Seminare für Führungskräfte

Hast du im Job eine Führungsposition inne und einer deiner Mitarbeiter kommt auf dich zu und erzählt von seiner Depression, kannst du ihm sehr dabei helfen, mit der Situation umzugehen, indem du angemessen reagierst. Falls du noch keinerlei Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen gemacht hast, informiere dich über Seminare über den Umgang mit depressiven Mitarbeitern. Solche Schulungen haben immer mehr Zulauf. Dabei erlernen die Führungskräfte auch, die Krankheit zu verstehen, Symptome zu erkennen sowie präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Solche Seminare können im besten Fall bewirken, dass du als Vorgesetzter es möglichst früh erkennst, wenn es einem deiner Mitarbeiter nicht gut geht. Deshalb: Achte auf deine Angestellten und sprich sie aktiv an, wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt – vorsichtig und verständnisvoll, versteht sich. In der Regel wird der Erkrankte dankbar für diesen ersten Schritt sein.

Generell sollte dir als Chef das Wohlergehen deiner Mitarbeiter am Herzen liegen – sowohl aus menschlicher als auch aus ökonomischer Sicht. Denn eine Depression geht normalerweise mit einem Leistungsabfall und Krankheitsausfall einher. Laut einer Studie des AOK-Bundesverbandes aus dem Jahr 2017 stieg die Anzahl von Krankschreibungen bzw. Fehltagen aufgrund psychischer Probleme in den letzten zehn Jahren um 79,3 Prozent. Sie liegen durchschnittlich bei 25,7 Tagen je Fall. 

Als Kollege: Frage dich, wie du behandelt werden wollen würdest

Auch als Kollege bist du möglicherweise verunsichert, wenn jemand aus deinem Team seine Depression anspricht. Gerade wenn das Verhältnis nicht besonders eng ist und du mit psychischen Erkrankungen noch nicht groß in Kontakt gekommen bist, weißt du vielleicht nicht recht, wie du mit dem Betroffenen umgehen sollst: Möchte er in Ruhe gelassen werden? Oder wünscht er sich besonders viel Aufmerksamkeit? In solchen Fällen kann es schon helfen, dich in seine Situation hinzuversetzen und dich zu fragen: Was würdest du von deinen Kollegen erwarten? Wie würdest du in einem solchen Fall behandelt werden wollen?

Fallen dir negative Veränderungen an einem Kollegen auf, solltest du diese Anzeichen ernst nehmen und ihn behutsam darauf ansprechen. Es muss natürlich nicht immer eine Depression dahinerstecken, aber deine Aufmerksamkeit und Fürsorge wird der Kollege auf jeden Fall zu schätzen wissen. Sollte der- oder diejenige tatsächlich an einer Depression leiden, ist eines ausgesprochen wichtig: Sprüche wie „Geht schon vorbei“ oder „Reiß dich mal zusammen“ sind hier nicht angebracht. Biete ihm oder ihr stattdessen deine Unterstützung an, um zum Beispiel Hilfe in der Firma und bei einem Arzt oder Therapeuten zu finden.

Wird der Kollege länger krankgeschrieben, sollte eine Karte mit guten Wünschen vom gesamten Team und eine kleine Aufmerksamkeit eine Selbstverständlichkeit sein. Der Mitarbeiter wird das sehr zu schätzen wissen.

Männlicher Patient bei seiner Therapeutin
Ob es noch sinnvoll ist, weiterhin zur Arbeit zu gehen, oder eine Auszeit notwendig ist, entscheidet der Patient zusammen mit seinem Arzt oder Therapeuten.

Nach einer Auszeit: Stufenweise Wiedereingliederung

Wurde jemand aufgrund einer Depression für längere Zeit krankgeschrieben, kommt beim Wiedereintritt in den Berufsalltag oft die stufenweise Wiedereingliederung zum Einsatz. Die Wiedereingliederung hilft dabei, schrittweise wieder in den Arbeitsalltag zu finden. Das Ziel ist es, vollständig in die Berufstätigkeit zurückzukehren.

Diese Maßnahme bedarf in der Regel der Zustimmung des Arbeitgebers und des Arztes bzw. Therapeuten. Der behandelnde Arzt oder Therapeut muss zunächst feststellen, dass der Patient seiner beruflichen Tätigkeit zumindest teilweise wieder nachgehen kann. Das können anfangs zum Beispiel nur zwei bis drei Stunden am Tag sein. Hierfür wiederum muss der Arbeitgeber sein Einverständnis geben. Während der Zeit der Wiedereingliederung (maximal sechs Monate) ist der betroffene Mitarbeiter weiterhin krankgeschrieben. Er bezieht kein Gehalt, sondern bekommt Krankengeld. Die Krankenkassen, die Agentur für Arbeit oder die Rentenversicherung geben dazu jederzeit weiterführende Informationen.

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