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Unter Strom: Ist der Fitness-Trend EMS-Training gefährlich?

von Johanna, 08.03.2018

Schneller Muskelaufbau und eine sexy Silhouette gefälligst? Das verspricht EMS-Training. Die Nebenwirkungen der Methode können bei falscher Anleitung jedoch beachtlich sein. Darauf kommt es an. 

EMS-Training: Was ist das eigentlich?

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Bereits ein bis zwei wöchentliche EMS-Trainingseinheiten à 20 Minuten sollen ausreichen, um deinen Body langfristig in den eines Superhelden zu verwandeln. Echt jetzt? Der Skeptiker in dir will sicherlich wissen, wie die Metamorphose funktionieren soll.

Die Elektromyostimulation (kurz: EMS) basiert auf der Annahme, dass Muskeln mithilfe von elektrischen Impulsen effizienter trainiert werden. Genauer gesagt werden dadurch die Muskelkontraktionen verstärkt und tiefer liegende Muskelfasern besser erreicht. Auf wenige Sekunden der Anspannung unter Strom folgen beim EMS-Training kurze Pausen. Während der Stromphasen müssen einfache Übungen wie Kniebeugen durchgeführt werden, die sich durch die elektronische Stimulation um ein Vielfaches anstrengender anfühlen.

Damit der Strom an die Muskeln kommt, trägt der EMS-Trainierende einen speziellen Anzug, der den Strom in die verschiedenen Körperpartien leitet. Während er bestimmte Übungen durchführt, reguliert ein Trainer über ein Kontrollpanel die Stromintensität.

Mann trägt speziellen Anzug, der Strom leitet für das EMS-Training
Während des EMS-Trainings trägst du einen speziell leitenden Anzug.

EMS-Training im Fitnessstudio: Das sind mögliche Nebenwirkungen

Und genau hier liegt auch eine der Gefahren der EMS-Methode. Während du beim normalen Krafttraining selbst dafür verantwortlich bist, wie stark du deine Muskeln beanspruchst, gibst du im EMS-Studio die Kontrolle an deinen Stromzulieferer, deinen EMS-Trainer, ab.

Die Anleiter sind jedoch nicht immer ausreichend geschult für diese verantwortungsvolle Aufgabe. Die Folgen einer zu hohen Belastung können verheerend sein. So fanden Wissenschaftler der Sporthochschule Köln bereits 2008 heraus, dass der CK-Wert (Creatin-Kinase) beim EMS-Training auffällig steigt. Der ist ein Marker dafür, ob die Muskulatur beschädigt wurde.

Üblicherweise liegt der Ceratin-Kinase-Wert zwischen 100 und 200 U/l (Einheiten (U) pro Liter (L) Substrat). Nach dem Sport kann der Wert ansteigen. Beträgt er jedoch mehr als 10.000 U/l, droht eine Nierenschädigung. Die Organe können dann Probleme bekommen, die Abbauprodukte der Muskeln auszuscheiden.

Folgende Nebenwirkungen können nach einer Überbelastung der Muskeln auftreten.

  • Kreislaufprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Herzrasen
  • extremes Schlappheitsgefühl
  • merkwürdige Muskelschmerzen

Wer nach dem EMS-Training derartige Symptome an sich beobachtet, sollte sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

Elektromyostimulationstraining kommt aus der Physiotherapie

Fitnessstudios, die das Workout unter Strom anbieten, machen das EMS-Training immer populärer. Die Ursprünge der Reizstrommethode liegen jedoch in der Medizin und in der Physiotherapie. Dort kommt das Training beispielsweise zum Einsatz, um die Muskeln nach einer OP wieder aufzubauen. Auch wenn jemand länger bettlägerig war, ist EMS eine anerkannte Methode, die Muskeln nicht verkümmern zu lassen. In solchen Fällen werden jedoch meist nur einzelne Muskelpartien unter Strom trainiert – und das unter Anleitung von speziell ausgebildetem Personal.

EMS-Training ja oder nein? Das meinen Wissenschaftler

Ob EMS-Training für den Breitensport geeignet und tatsächlich wirksam ist, darüber sind sich Wissenschaftler uneins.

Prof Dr. Stefan Knecht, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN), spricht sich klar dagegen aus. Seiner Meinung nach, eignet sich das EMS-Training nicht zum bequemen Abnehmen oder Muskelaufbau, denn der Trainingseffekt ist nicht bewiesen. Knecht empfiehlt stattdessen das reguläre Fitnesstraining. Das sei nicht nur effizienter, sondern auch sicherer, heißt es in der Pressemitteilung der DGKN.

Es gibt jedoch auch Forscher, die die Trainingsmethode befürworten. So befasste sich auch Prof. Dr. Wolfgang Kemmler vom Institut für medizinische Physik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg eingehend mit dem Thema. Der Wissenschaftler spricht sich für das EMS-Training aus.

Laut Kemmler stimmt es zwar, dass der CK-Wert zu Beginn deutlich ansteigt, doch sinkt dieser bei regelmäßigem Training auch wieder, wie er in einer Studie belegen konnte. Die nachgewiesene Reduktion des CK-Levels auf einen mittleren Wert (900 U/l) zeige, dass sich unsere Muskeln auf maximalintensive Reize anpassen können. Entscheidend sei eine kontrollierte Anwendung und dass der Trainierende gesund ist. Wenn diese Kriterien stimmen, sei das spezielle Workout nicht nur unbedenklich, sondern auch hochintensiv, zitiert das Portal "trainer-magazine.com" den Experten.

Andere Mediziner wie Kardiologe Frank van Buuren teilen diese Ansicht. Bei "Spiegel Online" berichtet van Buuren, dass er Herzpatienten unter ärztlicher Aufsicht schonend mit der EMS-Methode trainieren lässt und dabei noch nie CK-Werte über 10.000 U/I gemessen hat. Wichtig sei, bei der kommerziellen Anwendung der Trainingsmethode im Fitnessstudio, mit Vorsicht vorzugehen: "Wenn jemand bei einem solchen Training den Regler unkritisch nach oben dreht, kann es gefährlich werden."

Das musst du beim EMS-Training beachten

Du möchtest dir deine eigene Meinung bilden? Dann achte darauf, dass dein EMS-Trainer gut ausgebildet ist. Wenn er die Stromdosis zu regulieren weiß und dein Arzt dir das Go gibt, ist die Methode in der Regel unbedenklich. Allerdings solltest du es nicht übertreiben. Das intensive Training geht ganz schön auf die Muskeln und führt schnell zur Überanstrengung. Ein bis zwei Einheiten à 20 Minuten pro Woche reichen bereits aus.

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