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Die Pille für den Mann: Wirkung, Entwicklung & Co

Wann ist ER mal dran? Woran die Pille für den Mann bisher scheiterte

von Florian, 22.01.2018

Verhütung ist überwiegend Frauensache – warum eigentlich? Ein Grund: Die Pille für den Mann hat es nach wie vor nicht auf den Markt geschafft. Die Gründe sind vielfältig.

Im Jahr 2018 ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in vielen Teilen der Gesellschaft schon angekommen, in manchen noch nicht ganz. Beim Thema Verhütung ist die Diskrepanz allerdings nach wie vor immens: Entweder ein Paar benutzt Kondome, oder die Frau hat sich darum zu kümmern, dass neun Monate später nicht ein ungeplanter Wonneproppen das Licht der Welt erblickt. Und das kann mit der Tatsache, dass es eben schon immer so war, nicht ausreichend erklärt werden.

Forscher haben die Pille für den Mann schon zur Testreife gebracht

Warum gibt es also nicht längst die Pille für den Mann? Die Wissenschaft müsste doch inzwischen Methoden geschaffen haben, auch den Körper des Mannes hormonell so zu verändern, dass er nicht zeugungsfähig ist, sollte man meinen.

Hat sie auch. Doch die Forscher wurden in ihrer Arbeit unterbrochen. Sie haben es zwar geschafft, eine Testosteronspritze zur Testreife zu bringen, die die Spermienproduktion einstellt. Und die hat tatsächlich den erwünschten Effekt gebracht. Bei 96 Prozent der Männer war die Wirkung so gut, dass es die Spritze mit der Antibabypille hätte aufnehmen können. Allerdings klagten die Versuchspersonen über häufige und starke Nebenwirkungen, darunter depressive Episoden, Akne und Veränderungen in der Libido. Daraufhin musste die Entwicklung abgebrochen werden.

Was ist die Pille für den Mann eigentlich?

Die Pille für den Mann ist in Wirklichkeit eine Spitze mit den Hormonen Testosteron und Gestagen. Durch die Zuführung dieser Stoffe denkt das Gehirn, dass es selbst weniger Hormone produzieren muss – und zwar auch von denen, die für die Spermienproduktion zuständig sind.

Nebenwirkungen der Pille für die Frau sind immens

Nun ist es ja nicht so, dass die Pille der Frau keine Nebenwirkungen bescheren würde. Eine ganz aktuelle Studie aus Dänemark hat erst kürzlich belegt, dass Stimmung, Selbstkontrolle sowie das Energielevel unter der Einnahme der Pille leiden. Allein schon deswegen dürfte es schwierig werden, Männer davon zu überzeugen, ein hormonelles Präparat einzunehmen.

Doch damit nicht genug: Die genannte Studie stellte sogar fest, dass die bevorzugten Inhaltsstoffe der Antibabypille das Suizidrisiko erhöhen können. Andere Studien bestätigten, dass die Einnahme der Pille das Brustkrebsrisiko steigern sowie den Aufbau von Muskeln unterdrücken kann und manchmal zu Wassereinlagerungen im Körper führt. Und zur Abnahme der Lust. Und zu Migräne. Und zu Hautproblemen. Und, und, und. Dennoch schlucken allein in Deutschland rund sieben Millionen Frauen täglich die Pille.

Kein Markt für die Pille für den Mann?

Da stellt sich die Frage, ob die Männer eventuell schlichtweg kein Interesse daran haben, sich diesen Nebenwirkungen auszusetzen, und die Industrie deshalb auch die Entwicklung einer Pille für den Mann nicht weiter forciert. Denn eine Nachfrage müsste es ja schon geben, wenn ein neues Medikament entwickelt werden soll.

Professor Michael Zitzmann vom Zentrum für Reproduktionsmedizin an der Uniklinik Münster hat auf jeden Fall Verständnis dafür, wenn Frauen die zögerliche Entwicklung der Pille für den Mann kritisieren. "Natürlich müssen wir uns der Frage stellen, ob es gerecht ist, dass Frauen mehr Nebenwirkungen auf sich nehmen sollen als Männer", sagt der Experte in der "Apotheken Umschau". "Unter heutigen Bedingungen wäre die Antibabypille aufgrund ihrer Nebenwirkungen wohl niemals zugelassen worden."

 
Doktor mit Skalpell in der Hand
Na, wer traut sich? Die Vasektomie gilt als überaus sichere Verhütungsmethode.

Alternative: Vasektomie

Damit die Forschung in Sachen Männerverhütung einen entscheidenden Schritt vorwärts machen kann, ist wohl ein gesellschaftliches Umdenken nötig. Und eigentlich ist das auch gar nicht so abwegig: Denn so wären Männer in der Lage, ihre eigene Fruchtbarkeit zu kontrollieren, und könnten nicht zu einer Vaterschaft gezwungen werden. Für all die Männer, die jetzt schon gern ihren Teil zur Familienplanung beitragen wollen, gibt es immerhin Alternativen: Die Sterilisation oder auch Vasektomie ist überaus sicher, da hier die Samenleiter des Mannes durchtrennt werden. Und dieser Eingriff kann in den meisten Fällen auch wieder rückgängig gemacht werden, falls sich doch noch ein Kinderwunsch einstellt.

Wem "Schnipp Schnapp" aber zu endgültig erscheint, der hat außer dem Kondom kaum eine andere, halbwegs sichere Alternative zur Verfügung: Ein Gel, mit dem die Samenleiter verschlossen und wieder geöffnet werden sollen, stagniert ebenso in der Entwicklung wie ein in den Hoden produziertes Enzym, das die Beweglichkeit der Spermien in der Samenflüssigkeit reduziert. Immerhin soll im April 2018 eine klinische Studie beginnen, bei der 400 Paare ein Hormon-Gel testen, das die Spermienproduktion bei Männern hemmen und so Schwangerschaften verhindern soll.

Die Pille für den Mann: Wirkung, Entwicklung & Co
Das wäre schön: Ein Löffel Papayakerne täglich, und alle Verhütungsprobleme sind gelöst.

Indios verhüten mit Papayakernen

Einige indigene Völker Südamerikas schwören hingegen auf Papayakerne: Männer, die täglich einen Esslöffel Kerne zu sich nehmen, sollen nach etwa drei Monaten nicht mehr zeugungsfähig sein – und das nur solange, bis der Genuss wieder eingestellt wird. Nebenwirkungen gibt es angeblich keine. Wer ganz sichergehen will, wirklich kein Papa zu werden, sollte sich darauf aber lieber nicht verlassen.

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