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Lachende Frau mit weißen Zähnen.

Weiße Beißerchen mit schwarzem Pulver? Der Aktivkohle-Trend im Check

von Sirany, 19.01.2018

Was ist schwarz und bringt der Schönheitsindustrie derzeit sehr viel Geld ein? Richtig, Aktivkohle. Besonders gern wird der Kohlestoff zum Putzen und Aufhellen der Zähne verwendet. Ist das sinnvoll?

Die Zeiten, in denen Zahnpasta und Cremes weiß sein mussten, weil das besonders rein und sauber wirkte, sind vorbei. Im Bad darf es jetzt ruhig ein bisschen dirty zugehen – mit schwarzen Pasten, Peelings und Gesichtsmasken. Denn Aktivkohle hat den Weg in die Spiegelschränke gefunden. Die Schönheits- und Werbeindustrie vermarktet die medizinische Kohle in Pulver-, Tabletten- und Kapselform oder auch als Zusatz in Kosmetikprodukten, etwa in Zahnpasta, als das neue Wundermittel. Aber ist an dem Hype wirklich etwas dran? Was kann Aktivkohle in Zahnpasta?

Mit Schleifpapier die Zähne putzen?

Aktivkohle soll für weiße Beißerchen sorgen – und entfernt Verfärbungen tatsächlich nach einigen Anwendungen. Doch die Art, wie die Kohle das macht, kann schädlich für die Zähne sein: Wie Schleifpapier schmirgelt sie die Oberflächen der Zähne ab. Das trägt den Zahnschmelz ab und raut die Zähne auf, wodurch sich Beläge und Farbpigmente leichter festsetzen können und neue Verfärbungen entstehen. Diese Gefahr ist besonders groß, wenn du dir mit Aktivkohle in Pulverform die Zähne putzt.

Bei Zahnpasta mit Kohlezusatz ist der Abrieb nicht so hoch, da die Hersteller gesetzliche Vorgaben einhalten müssen. Die sogenannte abrasive Wirkung wird über den RDA-Wert angegeben, der bei normaler Zahnpasta zwischen 40 und 80 liegt. Hast du empfindliche Zähne, solltest du allerdings darauf achten, eine Zahncreme mit niedrigerem RDA-Wert und ohne Aktivkohle zu benutzen.

Zahnärzte stehen dem Zusatz von medizinischer Kohle in Pasten ohnehin kritisch gegenüber. Sie glauben, dass der Kohlestoff schon in der Tube mit den anderen Inhaltsstoffen der Zahncreme, etwa Natriumfluorid, reagiert. Damit sei er gar nicht mehr in der Lage, Partikel von Wein, Kaffee oder Tee, die Verfärbungen verursachen, im Mundraum zu binden. Beim Putzen der Zähne mit Aktivkohlepulver ist der Abrieb also zu stark, bei Zahnpasta mit Kohlezusatz ist die aufhellende Wirkung nicht bewiesen. Herkömmliche Zahnpasta mit Fluorid, der Einsatz von Zahnseide und eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung sind daher immer noch das effektivste Programm für schöne weiße Zähne.

Aktivkohletabletten auf einem Holzlöffel.
Früher nutzte man Kohle nur zum Grillen, heute landet sie selbst im Magen.

Aktivkohle in Nahrungsmitteln: Was steckt dahinter?

Bei der Zahnpasta hört der Trend Aktivkohle aber noch lange nicht auf: Neuerdings gehen auch pechschwarze Smoothies über die Ladentheke. Oder Pizza und Croissants, die aussehen, als wären sie etwas zu lang im Ofen gewesen. Verbrannt? Von wegen – das ist Aktivkohle! Und diese soll sehr gesund sein. Aber stimmt das wirklich? Dazu musst du zunächst verstehen, wie Aktivkohle eigentlich „funktioniert“.

Aktivkohle kannst du dir als eine Art schwarzen Super-Schwamm vorstellen: Die molekulare Struktur des Kohlestoffs wurde so verändert, dass die innere Oberfläche groß und löchrig ist und dadurch Schmutzpartikel und Schadstoffe bindet. Adsorption nennt sich dieser Vorgang. Die Industrie hat diese Eigenschaft natürlich schon längst für sich entdeckt: Aktivkohlefilter kommen in Belüftungsanlagen oder bei der Wasseraufbereitung zum Einsatz.

Aktivkohle findet aufgrund dieser reinigenden Wirkung seit Jahrzehnten auch in der Medizin Anwendung – als eine Art Gegenmittel bei schweren Vergiftungen. Der Kohlestoff kann der Retter in der Not sein, indem er als Gegengift fungiert und oral aufgenommene Toxine im Magen-Darm-Trakt bindet und entfernt.

Ist der Kohlestoff nun gesund oder nicht?

Am Filtereffekt und der hohen Fähigkeit zur Adsorption von Aktivkohle gibt es keinen Zweifel. Doch genau das könnte das Problem sein. Mediziner und Forscher befürchten, dass die medizinische Kohle im Körper nicht bloß Giftstoffe, sondern auch Medikamente wie Antidepressiva oder Antibiotika binden und neutralisieren könnte. Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass Aktivkohle den Schutz der Pille mindern könnte. Ungewollt schwanger aufgrund von zu hohem Kohlekonsum? Klingt ganz schön gruselig. Handfeste Beweise hierfür gibt es bislang allerdings nicht. Auch dass die medizinische Kohle die Aufnahme von Vitaminen, Antioxidantien oder anderen Nährstoffen erschwere oder sogar reduziere, weil sie eben auch diese an sich bindet, ist bislang nicht sicher bewiesen. Bevor die Auswirkungen von Aktivkohle auf den menschlichen Organismus nicht ausgiebig erforscht sind, solltest du die schwarzen Smoothies, Croissants & Co. auf jeden Fall nur in Maßen genießen – insbesondere, wenn du Medikamente einnimmst.

Schwarzer Burger
Zum Anbeißen oder befremdlicher Anblick? Ein schwarzer Burger ist auf jeden Fall ein Eyecatcher.

Detox mit Aktivkohle?

Auch als Detox-Mittelchen wird Akivkohle hier und da angepriesen. Zurückzuführen sei das auf die entgiftende Wirkung des Kohlestoffs. Doch der Detox-Effekt von Aktivkohle ist bislang nicht sicher belegt. Außerdem besitzt dein Körper sein eigenes Entgiftungssystem: Gelangen Schadstoffe in deinen Darm, wandern sie durch die Darmwand ins Blut, welches sie zu den körpereigenen Entgiftungsorganen transportiert: Leber und Niere. Umweltgifte und Fremdstoffe werden dann über den Urin wieder ausgeschieden. Solange es sich um keine akute Vergiftung handelt, kann Aktivkohle also nichts, was dein Körper nicht auch allein hinbekommt. Wird bei Produkten die reinigende und entgiftende Wirkung des Kohlestoffs beworben, handelt es sich wahrscheinlich in erster Linie schlicht und ergreifend um eine Marketingstrategie.

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