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Junge Frau liegt auf einem weißen Laken

Zeig dem Bruxismus die Zähne: Das hilft bei Zähneknirschen in der Nacht

von Jasmin, 10.09.2018

Viele tun es nachts – und merken gar nichts davon: Die Zähne knirschen, malmen, reiben und pressen aufeinander. Das kann schwere Folgen für die Gesundheit der Betroffenen haben. Was löst das Zähneknirschen, auch Bruxismus genannt, aus? Und was hilft dagegen?

Laut der Ärzte Zeitung knirschen 90 Prozent der deutschen Bevölkerung nachts mit den Zähnen. Die meisten merken es gar nicht und machen es auch nur selten. Doch bei etwa 20 Prozent der Betroffenen nimmt das nächtliche Knirschen überhand. Dann drohen ernste Konsequenzen für die Zahngesundheit – und für weitere Teile des Kiefers bzw. sogar des ganzen Körpers. Hauptsächlich betroffen sind Menschen zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr. Wie können Betroffene das Zähneknirschen verhindern?

Zähneknirschen nachts: Mögliche Ursachen

Wie die Bundeszahnärztekammer in einem Bericht von Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich erklärt, gelten sogenannte Stressoren als Hauptursache für das nächtliche Zähneknirschen. Es sind also Faktoren wie Stress im Alltag und ein emotionales Ungleichgewicht, die das nächtliche Malmen, Reiben und Pressen der Zähne auslösen. Einige Experten sehen Bruxismus außerdem als Strategie der Bewältigung und Unterdrückung von Angstzuständen. Genauso können aber auch Kiefer- oder Zahnfehlstellungen sowie unpassend angefertigter Zahnersatz für einen Bruxismus verantwortlich sein.

Junge Frau im Schlaf
Schädlich und anstrengend: Nächtliches Zähneknirschen belastet nicht nur die Beißerchen, sondern auch die Kaumuskulatur und die Kiefergelenke.

Bruxismus: Symptome und Folgen

Aber was genau passiert eigentlich, wenn wir mit den Zähnen knirschen? Die meisten Betroffenen pressen ihre Kiefer im Schlaf stark aufeinander und beginnen anschließend, die Zähne hin und her oder auch vor und zurück zu bewegen. Die Knirscher reiben so ihre Zähne aufeinander und schleifen ihre Kauflächen und teilweise auch ihre Schneidezähne ab. Bei einem Routine-Check-up kann der Zahnarzt relativ schnell die glatt polierten Kauflächen oder die gekürzten Schneidezähne erkennen und so das nächtliche Zähneknirschen diagnostizieren.

Bleibt der Bruxismus allerdings unerkannt und unbehandelt, geht der Abrieb des Zahnschmelzes immer weiter. Dies kann so weit führen, dass der Schmelz irgendwann abplatzt, einreißt oder sogar ganz verschwindet. Teilweise kommt es sogar zu Schäden an der Zahnsubstanz, dem sogenannten Dentin. Zusätzlich können Symptome wie Kiefergelenkknacken und verhärtete Wangenmuskeln auftreten. Die werden bei der Prozedur nämlich permanent beansprucht, Entspannungsphasen fehlen allerdings – in der Folge werden die Muskeln steif und die Gelenke überbelastet. Dadurch sind auch Spannungskopfschmerzen, Nacken- bzw. Ohrenschmerzen oder ein Tinnitus direkt nach dem Aufwachen mögliche Begleiterscheinungen.

Therapie: Symptom- und Ursachenbekämpfung

Wer das Zähneknirschen in der Nacht häufiger an sich bemerkt oder von seinem Partner darauf hingewiesen wird, sollte den Gang zum Zahnarzt antreten – besonders, wenn der letzte Besuch schon länger zurückliegt. Der Arzt erkennt dann sofort, inwiefern der Schmelz bereits geschädigt wurde und ob der Abrieb Gegenmaßnahmen erfordert.

Seine erste Wahl im Kampf gegen das Zähneknirschen: eine individuell gefertigte Aufbiss- bzw. Beißschiene aus Kunststoff, die das Aneinanderreiben der Zähne verhindert und somit den Zahnschmelz schont. Sie hilft 50 bis 75 Prozent der Patienten zudem, die Kiefermuskeln zu entspannen, wie Professor Olaf Bernhardt von der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie in Greifswald im Gespräch mit der Apotheken Umschau erklärt.

Für ein Viertel der Patienten reiche die Schiene als Form der Therapie allerdings nicht aus. Kiefergelenke und Wangenmuskeln bleiben bei einigen Patienten trotz Schiene weiterhin überaktiv. Teilweise zerbeißen sie die Schiene sogar. In diesen Fällen muss eine andere Methode als umfassende Langzeit-Therapie gewählt werden.

Was können Betroffene also gegen das Zähneknirschen nachts tun? Oder besser noch: um die Ursachen zu bekämpfen? Je nach diagnostiziertem Grund gibt es mehrere Möglichkeiten der Behandlung:

1. Selbstbeobachtung und -analyse: Wer morgens wiederholt mit verspannten Kaumuskeln, Kopfschmerzen oder ermüdeten Kiefern aufwacht, sollte den vorangegangenen Tag analysieren. Könnten bestimmte Stressfaktoren zu einem nächtlichen Zähneknirschen geführt haben? War die Arbeit besonders anstrengend? Oder gab es einen Streit in der Familie? Eine solche Selbstbeobachtung und -analyse kann unter anderem psychische Ursachen des Bruxismus zutage fördern und dem Zahnarzt wichtige Impulse liefern, welche Therapieform angebracht ist.

2. Entspannungsübungen: Wer mit einer verschriebenen Aufbissschiene keine Erfolge erzielt, sollte es laut der Deutschen Gesellschaft für Zahn-Mund-Kieferheilkunde mit Entspannungsübungen für die Kiefermuskulatur versuchen. Die häufig verspannten und dadurch schmerzhaften Muskeln können mit gezielten Übungen wieder relaxen und dadurch bestenfalls ihre Überaktivität einstellen.

3. Okklusionsschiene: Statt einer einfachen Aufbissschiene können sich Betroffene eine individuell angepasste Okklusionsschiene anfertigen lassen. Die schützt nicht nur den Zahnschmelz vor Abrieb, sondern fixiert auch die Kieferposition, entlastet so die Kaumuskulatur und soll für weniger Aktivität in den Nerven sorgen. Dadurch spannt die Muskulatur nicht mehr so stark an, woraufhin die Knirschbewegungen bei einem Teil der Patienten deutlich nachlassen.

4. Psychotherapie für Stressabbau: Falls eine Krankheit Ursache für das chronische Knirschen ist, kann eine Überweisung zu einem Psychologen erfolgen. Dieser kann dann verschiedene Therapiemaßnahmen anwenden, etwa eine tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Psychotherapie. Auch eine Verhaltenstherapie kann infrage kommen.

Bruxismus muss nicht immer behandelt werden

Nicht jedes Zähneknirschen erfordert gleich eine Behandlung. Wer nur selten und in bestimmten Stresssituationen malmt, reibt oder presst, hat in der Regel keinen Zahnschmelzverlust zu befürchten. Häufig verschwindet das Knirschen sogar wieder von selbst. Dennoch sollte es beim jährlichen Zahnarztbesuch zur Sprache kommen – dann können ggf. vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.

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