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Auszeit nehmen: Wie das Sabbatical einen Menschen verändern kann

9 Monate auf Weltreise: Wie ein Sabbatjahr Yasemin verändert hat

von Florian, 13.11.2017

Der Entschluss, eine neunmonatige Auszeit zu nehmen, fiel Yasemin nicht leicht. Doch die Zeit auf Reisen hat ihr Leben nachhaltig geprägt.

Früher zählte für Yasemin vor allem eins: Karriere machen. Die Fernsehredakteurin war sehr ehrgeizig und wollte im Beruf vorankommen. Schon in der Schule, in der Uni und beim Volontariat gönnte sie sich keine Pausen, sondern ordnete alles dem Berufsweg unter. Auch wenn die Wahl- Kölnerin schon immer im Hinterkopf hatte, mal ein "Gap-Year" einzulegen, um auf Reisen zu gehen. Doch irgendwie hatte das nie so recht in ihren straffen Alltag gepasst.

Neun Monate durch Asien, Australien und Südamerika

Bis ein Bekannter anrief und ihr verriet, dass er auf eine Mini-Weltreise gehen wolle. "Da wurde mir bewusst, dass das doch eigentlich meine Idee war", erzählt Yasemin. "Nun macht es jemand anders. Da habe ich mich hingesetzt, lange überlegt, mich über die Möglichkeiten eines Sabbaticals oder längeren, unbezahlten Urlaubs informiert und schließlich mit meiner Chefin gesprochen. Vier Monate später war ich weg."

Und zwar richtig. Neun Monate lang tourte die damals 29-Jährige durch Asien, Australien und Südamerika, mit einem Rucksack und 18.000 Euro bewaffnet. Das Geld hatte Yasemin schon vorher gespart, sodass sie es sich leisten konnte, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Dennoch waren keine teuren Hotels drin. Mehrbettzimmer in den Hostels dieser Welt wurden zum Alltag. Doch die Erfahrungen will sie gegen nichts auf der Welt eintauschen: "Dieses knappe Jahr hat mich viel entspannter werden lassen, offener für Menschen und Situationen und auch selbstbewusster. Vorher war es für mich ja nicht selbstverständlich, ganz alleine durch die Welt zu reisen."

Auszeit nehmen: Wie das Sabbatical einen Menschen verändern kann
Yasemin hat viel von der Welt gesehen – hier sitzt sie am Machu Picchu in Peru.

Young Professionals stehen auf Sabbaticals

So wie Yasemin geht es auch vielen anderen Arbeitnehmern. Das Prinzip Sabbatical ist beliebt wie nie. Nach einer aktuellen Studie des Berufsnetzwerkes Xing haben mehr als 30 Prozent der Deutschen entweder schon eine längere berufliche Auszeit genommen oder spielen zumindest mit diesem Gedanken. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt das Sabbatical oder will es nutzen, um sich in dieser Zeit körperlich und mental zu erholen, immerhin 42 Prozent wollen reisen. Für ein knappes Drittel steht allerdings auch die Weiterbildung im Fokus.

Und überraschenderweise sind es vor allem die jungen Arbeitnehmer, die sich eine Auszeit vom Job wünschen – nicht die über 40-Jährigen, die aufgrund ihrer langen Arbeitsjahre eine Pause vielleicht viel dringender nötig hätten. Eine ausgewogene Work-Life- Balance scheint somit nicht nur Yasemin, sondern vielen Karriereeinsteigern heutzutage wichtiger zu sein als ein prall gefülltes Bankkonto.

Wenn du auch mit dem Gedanken spielst, dir eine berufliche Auszeit zu gönnen, solltest du zunächst deinen Arbeitgeber davon in Kenntnis setzen. Denn in Deutschland gibt es keinen allgemeinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical. Es könnte in deiner Firma allerdings tarifvertragliche Vorschriften geben, die eine Inanspruchnahme eines Sabbaticals vorsehen – so zum Beispiel im öffentlichen Dienst. Ist dein Boss grundsätzlich einverstanden, dich für eine längere Zeit ziehen zu lassen, solltest du nichts überstürzen – denn eine sorgfältige Planung ist in jedem Fall empfehlenswert.

Entscheidend ist eine sorgfältige Finanzplanung

Vor allem die finanziellen Aspekte solltest du genau abwägen. Schließlich zahlt dir deine Firma nicht einfach dein Gehalt weiter. Wenn du dir eine Auszeit nehmen willst, gibt es zwei Möglichkeiten, das mit deinem Arbeitgeber zu arrangieren:

  • Grundsätzlich kannst du einfach einen längeren unbezahlten Urlaub vereinbaren, der ja auch nicht unbedingt neun Monate dauern muss. Natürlich solltest du dir garantieren lassen, dass du im Anschluss wieder auf deinen alten Posten zurückkehren kannst. Der Nachteil bei dieser Methode: Du musst dich freiwillig krankenversichern.
  • Dann gibt es das klassische Sabbatical mit Arbeitszeitmodell. Dabei wird dir zuvor monatlich Geld von deinem Gehalt abgezogen, das du dann während deiner Auszeit ausbezahlt bekommst. Der Haken ist hier, dass nicht jeder Arbeitgeber dieses Modell anbietet.
Auszeit nehmen: Wie das Sabbatical einen Menschen verändern kann
Yasemin in einem Elefanten-Rescue-Center in Chiang Mai in Thailand.

Yasemin hatte ihr finanzielles Polster noch erhöht, indem sie sich vor der großen Reise von vielen Dingen trennte. Auf Flohmärkten kam der eine oder andere Euro zusammen. Dennoch sind 2.000 Euro pro Monat für eine Weltreise nicht viel – Flüge und Unterkünfte schlucken da schon einen großen Teil. Doch rückblickend hat sich das Wagnis für sie gelohnt. Die neunmonatige Auszeit hat bei Yasemin alles verändert. Sie hat ihren Blick für die für sie selbst wesentlichen Dinge im Leben geschärft – und diese Dinge haben nur noch wenig mit Arbeit und Karriere zu tun.

Ein Jahr arbeitete die gebürtige Hamburgerin nach ihrer Auszeit am Stück – ist dann aber "in ein kleines Loch gefallen", wie sie selbst sagt. Sie wollte ihre Work-Life- Balance wieder besser austangieren und hatte mit ihrer Chefin daraufhin eine Abmachung getroffen: Seit nun zwei Jahren schon macht Yasemin jährlich drei Monate frei. In erster Linie tut sie das, um zu reisen, verzichtet dafür in den neun Arbeitsmonaten auf einen Teil ihres Gehalts. Das Ergebnis: Die heute 33-Jährige ist mit ihrem Leben wesentlich zufriedener als vorher. "Ich setze einfach andere Prioritäten als früher. Mehr Life, weniger Work. Auf den alten Arbeitstrott habe ich einfach keine Lust mehr."

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