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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Das Hostel "Cats in Space" auf Koh Phangan

Da arbeiten, wo andere Urlaub machen: Julia hat ein Hostel in Thailand

von Sirany, 11.06.2018

Für viele Backpacker sind die Full Moon Partys auf der thailändischen Insel Koh Phangan ein Highlight ihrer Reise. Für Julia ist das dagegen Alltag: Sie hat dort ein Hostel eröffnet.

Ursprünglich wollte Julia Bassenhoff Ende 2013 nur ein paar Monate durch Südostasien reisen. In die Insel Koh Phangan im Golf von Thailand hatte sie sich bereits in einem früheren Urlaub verliebt. Dieses Mal ist sie jedoch dortgeblieben. “Ich war schon immer ein großer Fan von tropischem Klima, türkisem Ozean und vor allem Dschungel. All das gibt es natürlich auch anderswo in Thailand, aber Koh Phangan bietet einen entscheidenden Faktor, den es nirgendwo anders gibt: die Partys“, erzählt Julia, die acht Jahre in Berlin gelebt hat und sich in der Techno-Szene gut auskennt.

Zuerst arbeitete die 36-Jährige in einem großen Party-Hostel mit 160 Betten, doch der Wunsch, sich etwas Eigenes aufzubauen, wuchs. Und so eröffnete sie im Juni 2015 das Hostel “ Cats in Space“.

Von anderen gelernt

Bevor Julia nach Koh Phangan kam, hat sie eine Schauspielausbildung gemacht sowie Kommunikationswissenschaften, Germanistik und Psychologie studiert. Wie man ein Hostel führt, wurde ihr dabei natürlich nicht vermittelt. So hatte sie “so gut wie keine Erfahrung“, als sie begann, in der Unterkunft auszuhelfen.

Doch Julia lernte schnell. Nicht nur, wie sie die partywütigen Backpacker unterhält, Gruppen animiert und für gute Stimmung unter den Gästen sorgt. Der amerikanische Besitzer führte sie auch ans Management heran, erklärte ihr den Umgang mit Buchungsplattformen, Marketing, Preiskalkulationen, Promotion, Partyorganisation etc.

Julia übernahm immer mehr Verantwortung. „Ich habe sehr schnell gemerkt, dass diese Art von Arbeit mich unglaublich glücklich macht. Mehr als alles, was ich in Deutschland bisher gemacht hatte und ich hatte das Gefühl, dass ich nie wieder etwas anderes machen möchte.“ Sie begann, sich über die Risiken, Kosten und Möglichkeiten eines eigenen Hostels zu informieren.

Eineinhalb Jahre Vorbereitung

So dürfen Ausländer in Thailand zum Beispiel nur maximal 49 Prozent eines Unternehmens besitzen (für amerikanische und chinesische Staatsbürger gilt eine andere Regelung). Das Unternehmen muss also mehrheitlich Thailändern gehören. Die sicherste Unternehmensform für Ausländer sei daher laut Julia eine “Company Limited“, die mindestens drei Teilhaber benötige. So kann man die 51 Prozent auf mehrere Thais aufteilen und selbst mehrheitlicher Gesellschafter und Direktor sein. Die Thai-Gesellschafter werden üblicherweise vom Anwalt bereitgestellt und sind “stille“ Partner mit entsprechenden Verträgen.

Ihrer Familie legte die gebürtige Bochumerin einen Businessplan vor und konnte sie damit von ihrer Idee überzeugen. So erhielt sie ihr Startkapital. Die geliehene Summe zahlt sie jetzt Stück für Stück zurück.

Nun musste noch ein geeignetes Gebäude für das Hostel gefunden werden, was Julia als schwierigsten Part empfand. “Im Prinzip war der Aufbau sehr einfach. Ein Anwalt erledigt alles und man selbst muss im Endeffekt nur Dokumente unterschreiben, die einem vorgelegt werden.“ Doch letztendlich fand sich auch die passende Immobilie: ein ehemaliges Gästehaus mit Privatzimmern, das Julia in ein Konzept-Hostel transformierte. Nach circa eineinhalb Jahren Vorbereitung konnte “Cats in Space“ eröffnen.

Full Moon Party auf Koh Phangan
Neonfarben, Body Paint, Eimersaufen und Feuershows: Das ist Koh Phangan – zur Full Moon Party im Ort Haad Rin.

Das Katzen-Konzept

Zu seinem Namen kam das Hostel, weil Julia aufgrund der Full Moon Partys auf Koh Phangan zum einen eine Verbindung zum Mond und Weltraum (“Space“) schaffen wollte. Zum anderen sollte der Name auch ihre Zielgruppe, 18- bis 28-jährige Backpacker, ansprechen. Katzen, insbesondere die sogenannten Lolcats – lustige Katzen-Memes – sind für Julia ein Teil von Social Media, wozu ihre Zielgruppe einen starken Bezug hat und etwas Positives assoziiert. Und so kam es, dass ihr Hostel spacige Katzen-Wandmalereien, Garfield-Plüschfiguren und weitere thematisch passende Deko zieren. Echte Katzen sind hier übrigens auch zuhause. „Ich würde sagen, mindestens 80 Prozent aller Gäste erwähnen, dass sie das Hostel hauptsächlich wegen des Namens gebucht haben“, sagt Julia.

Doch auch die durchweg sehr guten Bewertungen bei Hostelworld, Facebook & Co. sorgen dafür, dass die Gäste kommen (jährlich sind es etwa 800 bis 1.000) und die sechs Vier-Bett-Zimmer sowie der Acht- und Zwölf-Personen-Schlafsaal des “Cats-in-Space“-Hostels zur Zeit der Full Moon Partys immer ausgebucht sind. Beschwerden habe es laut Julia in den letzten drei Jahren nur vereinzelt gegeben – von Gästen, die mit dem Konzept des Party-Hostels nicht vertraut waren und denen es dann zu wild und laut war. “Die Backpacker, die 'Cats in Space' buchen, wissen im Normalfall, worauf sie sich einlassen und wollen auch genau dieses volle Partyprogramm.“

Mehr als nur Full Moon Partys

Ein großer Teil der Gäste kommt natürlich aufgrund der berühmten Full Moon Partys auf die Insel. Daneben gibt es viele weitere Events wie das Halfmoon Festival, die Jungle Experience und die Waterfall Party. Die Erwartungen ihrer Gäste wollen Julia und die fünf Angestellten des Hostels erfüllen, indem sie mit lauter Musik, Entertainment, Eimern mit alkoholischen Getränken, bunten Körperbemalungen in Neonfarben und Trinkspielen auf die Feiern einstimmen. Um Mitternacht gehen sie dann zusammen mit den Backpackern auf die große Party.

Solche Aktionen stärken auch das Gemeinschaftsgefühl, was Julia sehr wichtig ist: “Ich mache das alles hier mit Passion und liebe meine Gäste. Mir ist es wichtig, eine familiäre Atmosphäre zu kreieren und nicht nur Hostelbesitzerin, Bartender und Rezeptionistin zu sein, sondern auch aktiv am sozialen Geschehen im Hostel teilzuhaben. Das ist einer der Punkte, die uns von vielen anderen Hostels unterscheiden.“

Doch laut Julia hat Koh Phangan zu Unrecht einen Ruf als reine Partyinsel. “Die Partys machen einen sehr kleinen Teil des Ganzen aus und finden nur im Süden und Südosten statt. Aber wir als Party-Hostel arbeiten natürlich damit und unser Fokus liegt daher auch ganz klar mehr auf Nightlife“, erklärt sie.

Doch wenn die Full Moon Party vorbei ist und weniger Leute in der Unterkunft sind, “stellen wir uns darauf ein, was die Gäste gerne machen wollen: Insel mit dem Bike erkunden, Filmabend oder eben doch als Kleingruppe ein bisschen im Hostel feiern.“ Touren und Aktivitäten wie Tauchen, Schnorcheln und Wandern können ebenfalls über “Cats in Space“ gebucht werden.

Entspannen am Strand im Norden von Koh Phangan
Auch das ist Koh Phangan: Im Norden hat die Insel Traumstrände und Ruhe zu bieten.

Unregelmäßiger Alltag

Der Ablauf von Julias (Arbeits-)Alltag wird ebenfalls durch die Full Moon Partys bestimmt. Normalerweise arbeitet sie von 14 Uhr bis Mitternacht im Hostel. Wenn es voll ist, ist sie permanent an Bar und Rezeption beschäftigt. In der ruhigen Zeit arbeitet sie online und macht unter anderem das Social-Media-Marketing. Und dann gibt es noch “Tage, an denen ich stundenlang nur auf dem Sofa liege und gar nichts zu tun habe. Diese Tage sind notwendig, speziell nach der anstrengenden Full-Moon-Zeit, aber gleichzeitig langweilig. Ich liebe die Action und den Spaß im Hostel und so sehr ich mich manchmal nach genau diesen Tagen sehne, weiß ich genau, dass ich es zu diesen Zeiten kaum erwarten kann, bis wir wieder zur nächsten Full Moon Party voll sind.“

Alle 90 Tage verlässt Julia einmal das Land, weil ihr Visum das verlangt. Sie hat das Business-Visum „Non-Immigrant B“. Dieses muss jährlich in einer thailändischen Botschaft mit vollständigen Dokumenten neu beantrag werden. Dafür kann Julia damit aber beliebig oft das Land verlassen und mit demselben Visum wieder einreisen.

Generell gibt es diverse Möglichkeiten, langfristig in Thailand zu arbeiten und zu leben. Um legal zu arbeiten, braucht man zuerst einen Arbeitsvertrag. Auf Basis dessen beantragt man dann in einer Thai-Botschaft im Ausland ein Business-Visum. Mit diesem Visum kann man anschließend in Thailand die Arbeitserlaubnis beantragen.

Alles richtig gemacht

Julia nutzt die Zeiten, wenn sie das Land verlassen muss, für einen Kurzurlaub. “Es ist schön, alle drei Monate mal rauszukommen und etwas anderes zu sehen, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich auf der Fähre sitze und 'meine' Insel in der Ferne sehen kann.“

Deutschland dagegen vermisst sie überhaupt nicht. “Nach fast fünf Jahren ist Koh Phangan meine Heimat und ich habe hier meinen Alltag, den ich liebe. Und den Strand und das Meer vor der Tür, sobald ich mein Haus verlasse. Das muss ich mir manchmal vor Augen halten, weil es so selbstverständlich geworden ist. Ich gehe dann einfach ein paar Schritte zum Strand und genieße den Sonnenuntergang, die Aussicht auf Koh Samui und die Ruhe des Moments. Dann stelle ich fest, dass ich alles genau richtig gemacht habe und nirgendwo anders leben möchte.“ 

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