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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Christian Kuper und Topias Rohde von Vincent Vegan

Vegan für die Massen: Wie Vincent Vegan expandiert

von Sirany, 30.07.2018

Was Großstädter nicht brauchen: noch mehr beliebige Burgerläden. Doch Vincent Vegan is(s)t anders. Mit veganem Fast Food wollen Christian und Topias von Hamburg aus expandieren und auch Fleischesser überzeugen.

Laut IfD Allensbach bezeichnen sich 0,84 Millionen Menschen in Deutschland selbst als Veganer, nach Angaben von ProVeg (ehemals VEBU) sollen es sogar 1,3 Millionen sein, was etwa 1,6 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Auch die Anzahl veganer Gastronomiebetriebe in größeren Städten hat sich in Deutschland von 75 im Jahr 2013 auf 169 im Jahr 2017 mehr als verdoppelt (Quelle: Statista).

Die Zahlen lesen sich gut, doch eine rein vegane oder vegetarische Fast-Food-Kette konnte sich noch nicht in Deutschland etablieren. Start-ups scheiterten mit der Idee, und die Big Player des Junkfoods testen ihre pflanzlichen Burger lieber zuerst in nordeuropäischen Ländern wie Schweden und Finnland. Christian Kuper und Topias Rohde, die beiden Geschäftsführer hinter Vincent Vegan, wollen das ändern und von Hamburg aus den Rest der Republik erobern.

Wie alles begann

Angefangen hat die Geschichte des veganen Fast-Food-Restaurants, das nach dem von John Travolta verkörperten Charakter Vincent Vega aus “Pulp Fiction“ benannt ist, auf der Straße. 2013 stand Christian, der zu diesem Zeitpunkt ein erfolgreicher Unternehmensberater war, kurz vor dem Burn-out. “Je mehr Verantwortung ich übernahm, desto unglücklicher wurde ich“, sagt er. Christian kündigte seinen alten Job, nahm sich eine dreimonatige Auszeit, machte sich Gedanken darüber, was ihn erfüllen würde und erstellte im Anschluss einen Businessplan für Vincent Vegan.

Christians Gastro-Experiment startete im Juni 2014 als Foodtruck, mit dem er auf Märkte, Events und Festivals in und um Hamburg fuhr und vegane Burger, Currywurst und Fritten verkaufte. Drei Monate später lernte er Topias kennen, der an seinem Stand aß. Heute sind die beiden nicht nur Geschäftspartner und CEOs von Vincent Vegan, sondern auch enge Freunde. 

Von der Straße in die Shoppingmeile

Finanziellen Aufschwung und mediale Aufmerksamkeit brachte 2015 auch die Teilnahme in der Kabel-eins-Sendung “Restaurant Startup“, bei der sich Vincent Vegan gegen die anderen Bewerber durchsetzen konnte. Carsten Gerlach, der Gründer vom Pizzaservice “Joeys“ (heute "Domino´s"), saß in der Jury und ist heute Minderheitsgesellschafter von Vincent Vegan.

Durch diese Erfolge konnten Topias und Christian ihr erstes Restaurant “Vincent Vegan – The Base“ in Hamburg eröffnen – das mittlerweile jedoch wieder geschlossen ist. Die Location war nicht optimal: zu groß und etwas ab vom Schuss. “Außerdem wollten wir einfach nur Fast Food machen und kein Restaurant mit Bowls und Brunch, wie es in ‘The Base‘ der Fall war“, erzählt Christian. Schon bald taten sich im Hamburger Einkaufszentrum Europa Passage neue Möglichkeiten auf.

Vincent Vegan Burger wird zubereitet
Vincent Vegan versorgt Hamburg vom Foodtruck aus und im Restaurant mit pflanzlichem Fast Food – weitere Städte sollen folgen.

“Die hatten Bock auf uns“

Seit September 2017 hat Vincent Vegan dort seinen Platz im neu eröffneten “Food Sky“, eine Etage voller stationärer Restaurants im wohl zentralsten Shopping-Center der Stadt. Die Betreiber mussten sich um einen Stand bewerben, doch als Vincent Vegan Interesse bekundete, war ihnen der Platz fast sicher. “Es gibt nicht so viele Konzepte wie unseres, die hatten Bock auf uns“, berichtet Christian.

Und das Geschäft läuft gut: Der 37-Jährige schätzt, dass sich etwa 90 Prozent der Kundschaft nicht vegan ernähren – und trotzdem zum Essen vorbeikommen. “Wir gehören zu den guten Performern im Food Sky.“ Touristen machen einen erheblichen Teil der Kundschaft aus. Dank der Social-Media-Aktivitäten von Vincent Vegan seien Menschen von überall auf sie aufmerksam geworden. “Die vegane Szene weltweit ist klein, da sprechen sich Restaurants mit guten Bewertungen schnell rum“, sagt Christian.

Heute Hamburg, morgen Berlin und danach der Rest von Deutschland

Der nächste logische Schritt ist für Christian und Topias die Expansion. Im September 2018 eröffnet in Hamburg ein zweites Vincent-Vegan-Restaurant, ebenfalls in einem Einkaufszentrum: dem Mercado im Stadtteil Ottensen. Und auch nach Berlin strecken die beiden Tierfreunde ihre Fühler aus. Im Stadtteil Friedrichshain geht Vincent Vegan Ende Oktober in der neuen East Side Mall an den Start.

Und was kommt danach? Christian kann sich vorstellen, dass Vincent Vegan in fünf Jahren vielleicht schon 25 bis 30 Locations im urbanen Raum mit leckerem veganen Fast Food versorgen könnte.

Doch trotz des Restaurant-Erfolgs vergisst Vincent Vegan nicht, wo er herkommt: nämlich von der Straße. Zwei Foodtrucks – früher waren es drei Wagen – stehen weiter regelmäßig auf Veranstaltungen und sorgen für Abwechslung im Cateringbereich.

Verzehrfertiger Vincent Vegan Burger in einer Hand
Zum Anbeißen: Die Burger von Vincent Vegan mit Seitan-Tofu-Patty, veganem Käse, Guacamole und Co. schmecken auch Allesessern.

Mit Transparenz punkten

Topias und Christian zeigen, dass veganes Fast Food durchaus Mainstream-tauglich ist und ihr Konzept zur Expansion taugt. Was ihnen dabei hilft? Ein cooles Image, einprägsame Slogans wie „Gutes isst der, der Gutes Food“, rege Social-Media-Aktivitäten und deftige Produkte wie diverse Burger, Seitan-Nuggets, knusprig frittierte Avocado Chunks und Special Fries mit Chilis, Zwiebeln und Erdnusssoße, die (nicht nur) auf Instagram gut aussehen und auch Fleischessern schmecken.

“Das Marketing der Zukunft ist Transparenz“, sagt Christian. Die Verpackungen bei Vincent Vegan sind ökologisch abbaubar, dennoch hat sich das Unternehmen nicht die Schlagworte bio oder regional auf die Fahnen geschrieben, weil es diesen Anspruch nicht konsequent durchhalten kann. Und auch als gesund werden die Produkte nicht propagiert. “Wir imitieren Fleisch, bei uns bekommt man deftige Produkte aus Seitan oder Tofu, keine Gemüsefrikadellen“, erklärt Christian, der seit viereinhalb Jahren vegan lebt.

Auch eine freundliche Behandlung und überdurchschnittlich gute Bezahlung der derzeit 35 Mitarbeiter steht für Vincent Vegan im Vordergrund. Das soll dazu beitragen, das Gastronomie-Image zumindest auf der Mikroebene zu verbessern. “Ich kann die kapitalistische Welt zwar nicht ändern, aber Gutes darin tun“, meint Christian.

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