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Beruf Schauspieler: Der harte Weg zum Filmstar

Vom "Citythriller" zum nächsten Casting: Carinas harter Weg zum Star

von Florian, 27.12.2017

Carina Wündsch ist ausgebildete Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin. Doch von Berühmtheit und Reichtum ist sie meilenweit entfernt. Aufgeben kommt für sie jedoch nicht infrage.

Plötzlich und unerwartet taucht Carina auf. Die sechsköpfige Ermittlergruppe, die durch die Innenstadt irrt, ist ohnehin schon verwirrt. Und nun bringt die Zeugenaussage der 25-Jährigen die vagen Indizien wieder ins Wanken. Wer ist denn nun der Täter? Vielleicht Carina selbst?

Mit mysteriösen Verbrechen hat es Carina Wündsch im wahren Leben natürlich nicht zu tun. Auch in die Rolle einer vermeintlichen Zeugin schlüpft die Schauspielerin nur im Zuge des " Citythrillers". Dabei handelt es sich um eine Krimi-Rallye, die in regelmäßigen Abständen in verschiedenen deutschen Großstädten stattfindet. Alle beteiligten Zeugen des jeweiligen Verbrechens sind professionelle Schauspieler, die von den Teilnehmern des Rollenspiels befragt werden müssen, damit die als Ermittler den Fall lösen können.

Musicaldarstellerin Carina ist auf die Unterstützung ihrer Mutter angewiesen

Im Schnitt dreimal im Monat wird Carina gebucht, wenn eine neue Ausgabe des "Citythrillers" in ihrer Heimatstadt Hamburg ansteht. Derzeit ihr einziges regelmäßiges Engagement. Ohne die Unterstützung ihrer Mutter, bei der sie lebt, könnte Carina ihr Leben von der Schauspielerei auch ein Jahr nach Beendigung der Ausbildung nicht finanzieren. Trotz Merchandising-Nebenjob in einer Konzerthalle.

Dabei hat Carina ihre Hausaufgaben gemacht. Eine dreijährige Musicalausbildung bei der etablierten Stage-School-Schauspielschule liegt hinter ihr, die neben der Schauspielerei auch Tanz-, Gesang- und Sprechunterricht beinhaltete. Und das Arbeiten auf der Bühne ist nicht nur irgendein Job für Carina, sondern ihr Lebenstraum. "Ich war im Alter von fünf Jahren im Musical bei 'Cats', seitdem wusste ich, was ich später einmal machen will. Davon konnte mich niemand mehr abbringen", erläutert die gebürtige Hamburgerin.

Steile Karriere ist oft reines Wunschdenken

Carina ist also breit aufgestellt, um auf der Bühne oder vor der Kamera zu performen. Doch offenbar hat die Welt nicht unbedingt auf eine weiteres, talentiertes Gesicht gewartet. "Jeder hofft, dass er nach der ersten Audition gleich genommen und zur großen Entdeckung wird. Doch eigentlich weiß man, dass ein solcher Karrierestart reines Wunschdenken ist."

Dabei ging es gut los. Nach einem Casting folgte sofort die erste bezahlte Rolle im Hamburger "Tatort", auch wenn der Auftritt nur ein paar Sekunden dauerte. Doch das machte sich gut in Carinas Vita, denn nur wenig später durfte sie sogar im Kinofilm "Es war einmal Indianerland" mitwirken. "Jetzt läuft es richtig, dachte ich – doch danach kam dann fast gar nichts mehr", sagt Carina.

Beruf Schauspieler: Der harte Weg zum Filmstar
Die Welt eines jungen Schauspielers: Mit der Mappe in der Hand beim Casting auf das Vorsprechen warten.

Viele Schauspieler sind Geringverdiener

Es folgten frustrierende Monate. Die junge Schauspielerin reagierte auf jede Ausschreibung, doch entweder wurde sie gar nicht erst zum Casting eingeladen, oder die Konkurrenz bestand aus mehreren etablierten Darstellerinnen, gegen die ein weitgehend unbekanntes Gesicht wie das von Carina chancenlos war. Da kam die Möglichkeit, ihr schauspielerisches Talent zumindest beim "Citythriller" unter Beweis stellen zu können, gerade recht. "Es macht mega Spaß, die Leute hinters Licht zu führen", sagt Carina.

Die Mittzwanzigerin steht mit ihrer Situation nicht alleine dar. Auch nach erfolgreicher Ausbildung ist die Realität eines Großteils aller Schauspieler die eines Geringverdieners – und das oft nicht nur zu Beginn der Laufbahn. Und das Rampenlicht, die erhoffte Berühmtheit, hält sich in den allermeisten Fällen in lokalen Grenzen. Die öffentliche Darstellung des Berufes, der Glanz und Gloria verspricht, ist oft verzerrt und hat nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun.

Laut einer Studie der Universität Münster haben über zwei Drittel der befragten Schauspieler in den vorhergehenden zwölf Monaten nicht mehr als 30.240 Euro verdient – brutto versteht sich. Lediglich 4,7 Prozent kamen auf einen Verdienst von mehr als 100.000 Euro. Und jeder Dritte der Studienteilnehmer gab an, von einem Nebenjob abhängig zu sein, um den Lebensunterhalt sichern zu können. Dazu kommt: Wer nicht wenigstens 180 Tage im Jahr sozialversicherungspflichtig arbeitet, hat kein Anrecht auf Arbeitslosengeld und landet dann sofort bei Hartz IV.

Beruf Schauspieler: Der harte Weg zum Filmstar
Niemals aufgeben – das ist das Motto von Musicaldarstellerin Carina Wündsch.

Carina will sich mindestens noch ein Jahr Zeit geben

Für Carina sind das aber alles keine Gründe, schon nach einem Jahr aufzugeben. "Selbst wenn ich mich beim Supermarkt Vollzeit hinter die Kasse setzen würde, hätte ich mehr Geld zur Verfügung als jetzt. Doch dann wäre auch keine Zeit mehr da, um zu Castings zu gehen." Noch ein weiteres Jahr will sie mindestens an ihrem Traum festhalten und sich weiter hartnäckig überall vorstellen, bis es Zeit für ein Zwischenfazit ist. Viele andere Auszubildende aus ihrer Schauspielklasse hätten bereits jetzt aufgegeben und sich anderen Berufen zugewandt. Für Carina keine Option: "Die sitzen jetzt den ganzen Tag im Büro und schwärmen von der alten Zeit auf der Bühne. Ich möchte diese Zeit aber am liebsten mein Leben lang genau dort verbringen. Und dafür kämpfe ich weiter."

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