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Das Weltall

Auf ins All: So wirst du der nächste Alexander Gerst

von Jasmin, 18.07.2018

Der Traumjob eines jeden Kindes: Astronaut sein. Alexander Gerst hat es geschafft und flog im Juni 2018 schon zum zweiten Mal auf die internationale Raumstation ISS. Aber wie wird man eigentlich Astronaut? Und wie bereiten sich die Weltraumfahrer auf die Schwerelosigkeit im All vor?

In der amerikanischen Sitcom „The Big Bang Theory“ darf Howard Wolowitz am Ende der fünften Staffel ins All fliegen. Vorausgegangen waren diverse Episoden, in denen der Luftfahrttechniker vom Training der Astronauten berichtete – natürlich immer mit einer gehörigen Portion Witz. So lustig wie in der Comedy-Serie ist die Ausbildung zum Raumfahrer in der Realität allerdings nicht. Während Howard nach nur wenigen Monaten ins All geschossen wird, müssen sich echte Astronauten jahrelang auf die körperlichen und psychischen Belastungen eines Weltraumaufenthalts vorbereiten.

Astronaut sein: Ein Job mit vielen Herausforderungen

Wer sich den Kindheitstraum erfüllen und Weltraumentdecker werden will, muss sich vorab über die hohen Anforderungen klar sein, die damit verbunden sind: ein physisch und psychisch ungewohntes Leben in der Schwerelosigkeit, monatelang kein frisches Essen, fachlich sehr anspruchsvolle Experimente – nicht gerade ein Zuckerschlecken. Ein echter Raumfahrer muss ein hartes Trainingsprogramm absolvieren, um den Ansprüchen der Raumfahrtinstitute und den Lebensumständen im All gerecht zu werden. Und noch viel wichtiger: Zuerst muss er einen der begehrten Ausbildungsplätze ergattern. Davon schreibt die Europäische Weltraumorganisation ESA nur sehr wenige aus.

Monate ohne Dusche

Schlafen, waschen, essen – alles ohne Schwerkraft. Das ist ungewohnt, soll aber mit ein bisschen Übung ganz gut funktionieren. Der russische Kosmonaut Saljotin sagte einmal, er würde im All in einer Art Schlafsack schlafen, der an der Wand festgeschnallt wird. Hier rolle er sich wie ein Embryo zusammen. Daran hätte er sich gewöhnt. Sein Bett auf der Erde sei ihm aber wesentlich lieber. Übrigens: Eine Dusche gibt es auf der ISS nicht. Dazu ist nicht genug Wasser auf den Versorgungsschiffen vorhanden. Astronauten waschen sich daher nur mit feuchten Tüchern ab.

Seit 2008 gab es nun schon keinen offenen Ausbildungsplatz als Astronaut mehr. Den bisher letzten schnappte sich damals Alexander Gerst – und setzte sich somit gegen 8.413 andere Männer und Frauen durch. Warum er der Glückliche war und kein anderer? Er erfüllte die formalen Bedingungen – zwischen 27 und 37 Jahre alt, tadelloses Gesundheitszeugnis und mindestens drei Jahre Berufserfahrung in einem für die Raumfahrt wichtigen Job – und überzeugte mit seiner fachlichen Kompetenz und Teamfähigkeit.

Im Endeffekt heißt das: Wer Astronaut werden will, muss erst mal ein klasse Ingenieur, Mediziner, Naturwissenschaftler oder Pilot sein und beweisen, dass er auf kleinstem Raum problemlos mit anderen zusammenarbeiten kann. Nur dann kommt er für die Weltraumorganisationen ESA oder NASA als Raumfahrer infrage.

Vorbereitung ist das A und O

„Astronauten sind eine Elite“, sagt Astronauten-Trainer Peter Eichler. Er arbeitet auf dem Bremer Airbus-ISS-Testgelände zusammen mit angehenden Weltraumfahrern und -fahrerinnen daran, sie auf die Arbeiten an den komplizierten elektronischen Geräten auf der ISS vorzubereiten. Experimente auf den Gebieten Technik, Chemie und Biologie gehören genauso dazu wie die Wartung der Maschinen. Das heißt: Auch Reparaturen und Arbeiten unter Hochsicherheitsbedingungen und in Stresssituationen bestimmen den Alltag. Das trainieren die künftigen Astronauten über drei Jahre immer und immer wieder in Computer-Simulationen und in speziellen Laboren, die denen auf der ISS original nachempfunden wurden.

Zusätzlich werden die Auszubildenden in speziellen Zentrifugen auf die außergewöhnlichen G-Kräfte vorbereitet, die bei einem Raketenstart auf sie einwirken. Dabei werden sie mit Elektroden versehen, die während der Testfahrten Herztätigkeit, Atmung, Blutdruck und Puls kontrollieren. In der Zentrifuge erreichen die Testläufe bis zu 7,5 G. Die Kräfte werden schrittweise erhöht – sieben Minuten muss ein angehender Raumfahrer mindestens aushalten können, dabei wichtige Messinstrumente im Auge behalten und weiterhin gleichmäßig atmen. Gar nicht so einfach, wenn der Körper siebenmal so viel wiegt wie normal.

Ein Raketenstart steht bevor
Mit einer solchen Sojus-Rakete werden Astronauten der ESA ins All geschossen. Dabei wirken Kräfte von bis zu 5 G auf sie ein.

Wusstest du übrigens, dass Alexander Gerst fließend Russisch spricht? Das wird Astronauten in ihrer Grundausbildung beigebracht – immerhin fliegen sie von Russland aus mit einer russischen Sojus-Rakete zur ISS und stehen in permanentem Kontakt mit dem Kontrollzentrum in Moskau. Mit einem trainierten Körper und einer beruflichen Fachqualifikation ist es also noch längst nicht getan – ein Astronaut muss auch noch mehrere Sprachen können – Englisch ist bei den internationalen Missionen ohnehin Voraussetzung.

Ein Astronaut schwebt im Weltall
Als Astronaut durchs All schweben? Eine Traumvorstellung, aber leider die absolute Ausnahme.

Keine falschen Hoffnungen durchs Fernsehen

Astronaut zu sein, klingt erst mal ziemlich cool. Und Filme wie „Gravity“ oder „Interstellar“ befeuern die romantischen Vorstellungen von dem Beruf noch mehr. Es steckt aber jede Menge Arbeit in dem Job. Und die Rückkehr auf die Erde ist auch nicht so einfach, wie Hollywood es uns gerne vormacht: Während Filmstars wie Mark Wahlberg selbst noch nach Bruchlandungen wie in „Planet der Affen“ selbstständig und vital aus ihrer Raumkapsel springen, sind reale Astronauten bei ihrer Rückkehr auf die Erde noch nicht einmal in der Lage, ohne fremde Hilfe aufzustehen – die Erdanziehung ist zu stark für die geschwächten Muskeln der Raumfahrer.

Alles in allem ist der Traumberuf Astronaut eben doch kein easy Job. Aber dafür dürfte der Blick auf den blauen Planeten von oben für vieles entschädigen.

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