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Frauenhände legen eine Münze in ein Portemonnaie

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Was bringt das Entgelttransparenzgesetz?

von Sirany, 08.02.2018

Verdienen meine Kollegen mehr als ich? Das Entgelttransparenzgesetz soll dafür sorgen, dass Firmen die Gehälter offenlegen müssen. Klingt in der Theorie gut – doch in der Praxis gibt es viele Haken.

Du kennst ihn bestimmt: den Kollegen, der morgens regelmäßig nach dir im Büro eintrudelt, trotzdem eine halbe Stunde eher geht und die Hälfte seiner Arbeitszeit bei Facebook verbringt. Und du hast dich sicher auch schon mal gefragt, ob er genauso viel oder sogar mehr verdient als du. Einsicht in die Gehaltsstrukturen eines Unternehmens zu bekommen, ist aber gar nicht so leicht.

Deshalb hat die scheidende große Koalition das Entgelttransparenzgesetz für mehr Lohngerechtigkeit entworfen, welches der Bundestag vergangenes Jahr verabschiedet hat. Am 6. Juli 2017 ist das Gesetz in Kraft getreten und seit dem 6. Januar 2018 dürfen Angestellte endlich die Gehälter ihrer Kollegen erfragen. So bürokratisch wie der Name ist aber leider auch das Gesetz selbst. Es beinhaltet viele Einschränkungen.

Was soll das Entgelttransparenzgesetz bringen?

Es ist leider traurige Wahrheit, dass zwischen Männern und Frauen keine Lohngleichheit herrscht. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geht davon aus, dass in Deutschland derzeit ein Gefälle von 21 Prozent besteht. Selbst bei gleicher Qualifikation und Arbeit verdienen Männer immer noch rund 6 Prozent mehr als Frauen.

Um dem entgegenzuwirken, hat die alte Bundesregierung das „Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen“ verabschiedet. Es soll für nichts Geringeres als mehr Lohngerechtigkeit sorgen, indem es Arbeitnehmern einen individuellen Auskunftsanspruch zusichert: Auf Anfrage muss der Arbeitgeber erläutern, nach welchen Kriterien und Strukturen das Gehalt gezahlt wird. Mögliche Ungerechtigkeiten bei gleicher Arbeit für ungleichen Lohn sollen so transparent gemacht werden. Denn solange eine Frau nicht weiß, wie viel ihre männlichen Kollegen verdienen, erkennt sie die mögliche Diskriminierung vielleicht gar nicht und kann auch nicht dagegen vorgehen.

Frau arbeitet an einem Laptop und macht sich Notizen
Du arbeitest viel und zeigst Einsatz – aber bekommst du dafür auch einen gerechten Lohn?

Gesetz mit viel Wenn und Aber

Der Gedanke hinter dem Entgelttransparenzgesetz ist also durchaus vorbildlich – gäbe es da nicht die vielen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit ein Arbeitnehmer solch einen Antrag auf Auskunft stellen kann.

  • Auskunftsanspruch haben nur Arbeitnehmer, die in einem Betrieb mit mindestens 200 Angestellten beschäftigt sind. Die Mitarbeiter in kleineren Betrieben sind hier im Nachteil.
  • Es müssen außerdem mindestens sechs Kollegen des anderen Geschlechts einen gleichwertigen Job ausüben. Und wie definiert man jetzt bitte gleichwertig? In Zeiten, in denen für immer mehr Positionen spezielle und unterschiedliche Bezeichnungen geschaffen werden, ist das ein ideales Schlupfloch für den Arbeitgeber, um den Auskunftsanspruch zu umgehen.
  • Wer den Auskunftsantrag stellt, erfährt nicht das durchschnittliche Gehalt seiner Kollegen, sondern nur den Median. Dabei handelt es sich um das mittlere Gehalt, wenn man die Gehälter aller Vergleichspersonen nach Wert sortiert. Mögliche Ausreißer, sowohl eine über- als auch eine unterdurchschnittliche Bezahlung, werden dadurch nicht erfasst.

Der Antrag ist kein Garant für eine Auskunft

Die oben genannten Einschränkungen sorgen dafür, dass das Entgelttransparenzgesetz auf den zweiten Blick an Attraktivität verliert. Doch es müssen nicht nur viele Bedingungen erfüllt werden – das Ganze ist auch ein langwieriger Prozess.

Die Anfrage muss schriftlich oder per Mail erfolgen. Gibt es einen Betriebsrat, ist der Antrag an diesen zu richten und kann anonym vonstattengehen. Ohne Betriebsrat hat sich der Mitarbeiter direkt an den Arbeitgeber zu wenden – und die Anonymität ist futsch. Innerhalb von drei Monaten muss der Arbeitgeber auf den Antrag reagieren – bei Tarifvertragsbindung gibt es jedoch keine Frist. Der Arbeitgeber hat außerdem das Recht, die Anfrage abzulehnen, wenn er die Vergleichsgruppe für unvergleichbar hält. Und dann? War alles umsonst, wenn der Arbeitnehmer keine (rechtlichen) Schritte dagegen einleitet. Einen Auskunftsantrag darf man nämlich nur alle zwei Jahre stellen.

Frau steigt Treppenstufen hinauf
Bis die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen geschlossen ist, ist es noch ein weiter Weg.

Island macht’s besser

Eine Scheibe abschneiden könnten wir uns da von Island: In dem kleinen Inselstaat ist Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern seit dem 1. Januar 2018 gesetzlich verboten. Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern müssen nachweisen, dass es bei ihnen keine Lohnlücke mehr gibt und Männer und Frauen bei gleichwertiger Arbeit auch das gleiche Gehalt bekommen. Arbeitgeber, die das erfüllen, bekommen ein Zertifikat. Verstöße werden mit Geldstrafen geahndet. Zwar gibt es auch hier Schlupflöcher, doch wird dem Geltungsanspruch mehr Nachdruck verliehen als beim Entgelttransparenzgesetz. Auch wegen dieser Konsequenz hat Island beim jährlichen „Global Gender Gap Report“ des Weltwirtschaftsforums regelmäßig die Nase vorn.

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