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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – was tun?

Hashtag #MeToo: Wie du dich gegen Anmache und Grabscher am Arbeitsplatz wehrst

von Sirany, 24.11.2017

Nach jedem prominenten Fall sexueller Belästigung ist das Geschrei groß. Irgendwann ebbt die Debatte ab, doch Opfer von Belästigung am Arbeitsplatz wird es immer geben – und sie müssen sich wehren!

Ein neuer Fall von sexueller Belästigung, der an die Öffentlichkeit gerät, bringt jedes Mal Empörung mit sich – zumindest, wenn darin prominente und mächtige Männer verwickelt sind. 2013 war es FDP-Politiker Rainer Brüderle, der gegenüber einer Journalistin anzügliche Bemerkungen gemacht hatte. Derzeit ist es Hollywood-Produzent Harvey Weinstein, dessen Filmimperium in sich zusammenfällt, weil er sich gegenüber Kolleginnen aus dem Film-Business ziemlich danebenbenommen hat. Dazwischen kamen IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn, Komiker Bill Cosby und einige andere.

Bei allen Fällen ist das Schema ähnlich: Die mediale Entrüstung ist groß, die Anteilnahme auch, ehemalige Weggefährten und Fans distanzieren sich, weitere Opfer von sexueller Belästigung trauen sich, ebenfalls an die Öffentlichkeit zu gehen – zum Beispiel durch Verwendung der Hashtags #aufschrei oder #metoo.

So schnell, wie der Shitstorm aufgezogen ist, ist er aber auch wieder vorbei. Die Karrieren der Täter sind erst einmal ruiniert, sie ziehen sich aus dem Blitzlichtgewitter der Öffentlichkeit zurück – und doch schaffen sie manchmal ein Comeback. Zur Rechenschaft gezogen oder gar verurteilt werden sie selten.

Doch was bei all den Schlagzeilen rund um diese prominenten Fälle schnell in Vergessenheit gerät: Hollywood ist überall! Was ist mit der Belästigung, die sich Arbeitnehmer überall auf der Welt täglich gefallen lassen müssen? Hier bleiben die Sprücheklopfer und Grabscher meist unbehelligt und anonym. Doch es gibt Hilfe und Möglichkeiten, sich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu wehren.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint oder: Wohlwollender Sexismus ist auch Sexismus

Der Terminus „sexuelle Belästigung“ ist dem Oberbegriff Sexismus untergeordnet, also der bewussten oder unbewussten Diskriminierung auf Basis des Geschlechts. Ein Satz wie „Halt du doch lieber die Präsentation, du bist eine Frau – da gucken die Leute lieber nach vorne“ ist zwar sexistisch, aber keine sexuelle Belästigung. Im Übrigen schlägt ein Spruch wie „Kannst du dir mal bitte meinen Rechner anschauen, du bist doch ein Mann und kennst dich mit Technik aus“ in die gleiche Kerbe.

Hierbei handelt es sich um wohlwollenden Sexismus. Solche Äußerungen wirst du am Arbeitsplatz wohl leider öfter zu hören bekommen. In den meisten Fällen meinen es die Kolleg*innen nicht einmal böse. Du kannst sie also freundlich oder mit Witz – aber bestimmt – darauf hinweisen, dass dir solche Sätze gegen den Strich gehen.

Feindlichen Sexismus („Du bist ein/e Mann/Frau, du kannst das nicht.“) brauchst du dir dagegen absolut nicht gefallen zu lassen. Denn der ebnet auch den Weg für Belästigung. Ein Beispiel für sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wäre etwa der Spruch: „Halt du doch lieber die Präsentation, du siehst so heiß aus, ich schau dich so gerne an.“

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – was tun?
Steht sie auf mich? Flirtet er mit mir? Nicht immer sind die Zeichen von Kollegen amArbeitsplatz klar zu deuten.

Verschwommene Grenzen: Wann beginnt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Doch leider ist es nicht immer so leicht wie beim eben genannten Exempel, den sexuellen Unterton einer Bemerkung herauszuhören. Die Kommunikation zwischen Männlein und Weiblein, oder generell zwischen Kollegen, verläuft eben nicht immer geradlinig. Vielleicht glaubt er, weil sie ihn auf einen Kaffee eingeladen hat, Signale von ihr empfangen zu haben, wo gar keine waren? Oder andersrum: Weil er ihr die Tür aufgehalten hat, glaubt sie, er steht auf sie – dabei ist er glücklich verheiratet und einfach nur höflich.

Generell gilt daher am Arbeitsplatz größere Vorsicht beim Anflirten von Kollegen. Denn sonst könnte der Vorwurf sexueller Belästigung aufkommen, obwohl es überhaupt nicht so gemeint war.

Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das 2006 – gleichzeitig mit der Einrichtung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) – in Kraft getreten ist, definiert den Terminus als „unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, das die Würde der betroffenen Person verletzt“, dazu zählen etwa „sexuell bestimmte körperliche Berührungen“ oder „Bemerkungen sexuellen Inhalts“, aber auch „unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornografischen Darstellungen“. Der geschmacklose Kalender mit nackten Frauen, den dein Kollege aufgehängt hat, fällt also genau genommen auch schon unter sexuelle Belästigung.

Die Ohnmacht gegenüber den Mächtigen

Nicht selten kommen sexuelle Anspielungen und Aufforderungen von Personen, die in der Firmenhierarchie höher gestellt sind als das Opfer selbst. Der Geschäftsführer oder die Vorstandsvorsitzende – hier wird eine Machtposition missbraucht, um etwas zu erreichen, das absolut nichts mit der geschäftlichen Stellung zu tun hat.

Doch nicht immer steckt tatsächliches sexuelles Interesse hinter dem Gebaren, sondern eine Art Machtspiel. Möglicherweise fühlt sich der oder die Vorgesetzte durch die fachlichen Kompetenzen eines aufstrebenden Mitarbeiters bedroht und versucht so, ihn unterzubuttern. Geht trotzdem gar nicht! In beiden Fällen gilt: Setz dich zur Wehr, damit du nicht ohnmächtig gegenüber den Mächtigen bist!

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – was tun?
Der Schatten hinter dir – sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist oft auch eine Demonstrationvon Macht.

Wehr dich – es lohnt sich!

Aber was kann man tun gegen sexuelle Belästigung oder gar Nötigung am Arbeitsplatz? Viele Opfer trauen sich nicht, gegen Grabscher und „Herrenwitze“ vorzugehen – auch, weil sie Angst um ihren Job haben. Andere wiederum denken, sie müssten tough sein und die Belästigung hinnehmen – schließlich sind wir hier nicht mehr auf dem Schulhof, wo man bei der Pausenaufsicht petzen geht… alles Quatsch!

Denn dein Arbeitsgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, dich vor sexueller Belästigung zu schützen! Wenn du betroffen bist, darfst du den Tätern ihr Verhalten nicht durchgehen lassen. Im Gegenteil: Du solltest Maßnahmen ergreifen:

  • Zieh andere Kollegen deines Vertrauens hinzu und bitte sie um eine objektive Einschätzung der Situation. War das ein dummer Witz oder schon Belästigung? Und vielleicht haben sie ja auch schon ähnliche Erfahrungen mit demselben Mitarbeiter gemacht?
  • Nimm all deinen Mut zusammen und bitte deinen Vorgesetzten, die Personalabteilung oder eine innerbetriebliche Anlaufstelle um ein Gespräch, in dem du deinen Fall schilderst. Dein Arbeitgeber sollte dein Anliegen ernst nehmen, es konsequent verfolgen und den Belästiger abmahnen oder im Extremfall sogar kündigen.
  • Versuche, Beweise zu sammeln. Vielleicht sind deine Kollegen schon Zeugen geworden? Denn ohne einen Beleg steht Aussage gegen Aussage und es könnte schwierig für dich werden, glaubhaft rüberzukommen.
  • Auch außerhalb deines Unternehmens gibt es mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) eine Adresse, an die du dich wenden kannst.
  • Wenn dein Arbeitgeber nichts unternimmt, hast du mitunter sogar ein Leistungsverweigerungsrecht: Du darfst ohne Gehaltseinbußen zu Hause bleiben, um dich vor weiteren Übergriffen zu schützen.
  • Auch juristische Schritte kannst du im Extremfall einleiten.
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