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Eine Initiative der
Kollegen im Meeting mit Laptop

Hepeating: Wenn Frauen die Idee haben, aber Männer den Ruhm einheimsen

von Sirany, 07.02.2018

Hepeating – schon mal gehört? Das Phänomen, das der Begriff beschreibt, kennst du bestimmt: Hat ein Mann eine Idee, wird diese besser angenommen, als wenn derselbe Vorschlag von einer Frau kommt.

„Talent borrows, genius steals“ – der Talentierte leiht sich eine Idee und macht etwas (Eigenes) daraus, das Genie klaut sie einfach. Dieses Zitat wird Oscar Wilde zugeschrieben und so klangvoll es auch sein mag, eigentlich glorifiziert es einen sehr unschönen Sachverhalt: Wir alle ärgern uns darüber, wenn uns jemand eine Idee klaut.

Den Gedanken, den du einer Kollegin oder einem Kollegen nebenbei in der Mittagspause mitgeteilt hast, hörst du im Meeting ein paar Tage später aus ihrem bzw. seinem Mund – kaum jemanden macht so etwas nicht sauer. Noch schlimmer ist es, wenn du eine Idee selbst vorträgst, diese aber übergangen wird und ein Kollege kurze Zeit später die Lorbeeren für denselben Gedanken erntet. Für dieses Phänomen gibt es jetzt einen eigenen Begriff – zumindest, wenn ein männlicher Kollege sich die Idee einer Kollegin zu Eigen macht: Hepeating.

Hab ich das nicht gerade fast genauso gesagt?

Im ersten Moment bist du wahrscheinlich zu überrascht, um wütend zu werden. Nachdem deine Idee vom Vorgesetzten ignoriert wurde, hast du sie für nicht überzeugend genug gehalten. Und jetzt, wenige Minuten später, kommt dein Kollege mit genau demselben Gedanken um die Ecke. Und alle sind plötzlich hin und weg.

Genau das ist Hepeating. Der Begriff ist ein Kofferwort aus „He repeated“, zu Deutsch: „er wiederholte“. Bekannt geworden ist diese Formulierung durch die Astronomie-Professorin Nicole Gugliucci vom Saint Anselm College in den USA. Sie hat den Begriff über Twitter populär gemacht. Mehr als 68.000 Retweets und über 207.000 Likes hat sie für ihren Tweet zur Definition von Hepeating bekommen. Daraufhin berichteten auch viele andere Frauen von Situationen, in denen Wortbeiträge und Ideen von Männern ernster genommen wurden als ihre – obwohl sie inhaltlich gleich waren. Die Masse der Anekdoten lässt ahnen: Das ist kein Zufall. Offenbar wird Frauen häufig nicht mit derselben Aufmerksamkeit und Aufgeschlossenheit zugehört wie Männern.

Doch die Wortschöpfung rief nicht nur Feministinnen auf den Plan, die das Phänomen voll und ganz unterschreiben und die Erfahrung teilen. Auch sogenannte Mansplainer meldeten sich zu Wort – die den Frauen erklärten, dass das alles ganz anders ist und so nicht stimmt.

Teamwork unter Kollegen
Teamwork herrscht leider nicht immer am Arbeitsplatz – manche Kollegen klauen lieber Ideen.

Nach Mansplaining kommt Hepeating

Erinnerst du dich noch an den Begriff Mansplaining (man + explaining), der vor einigen Jahren die Runde machte? Er bezeichnet ungebetene Vorträge, die Männer auf herablassende Art und Weise vor Frauen halten, weil sie sich einbilden, sie hätten viel mehr Ahnung vom Thema. Die Bezeichnung hat es mittlerweile ins Oxford English Dictionary geschafft. In Schweden gibt es seit 2016 sogar eine eigene Mansplaining-Hotline für genervte Betroffene.

Ob Hepeating das auch schaffen wird? Weniger sexistisch ist das Phänomen auf jeden Fall nicht – und es könnte im normalen Arbeitsalltag ein weitaus größeres Problem darstellen als Mansplaining.

Schlechte Karten für zurückhaltende Mitarbeiterinnen

Denn während die Vorträge der chauvinistischen Mansplainer im besten Fall ins eine Ohr rein und zum anderen wieder raus gehen, lässt sich über Hepeating nicht so einfach hinwegsehen. Wenn Mitarbeiterinnen um Anerkennung oder sogar um Erfolg betrogen werden, weil sie nicht ernst bzw. wahrgenommen werden, ist das ein echtes Problem.

Sollen die Frauen doch den Mund aufmachen und für ihre Ideen einstehen und sich durchsetzen, mögen jetzt manche sagen. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn wenn wichtige Personen in der Runde eben Wortbeiträge von Frauen für unwichtig halten, ist es keine Kleinigkeit, trotzdem durchzudringen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Temperamente der Menschen verschieden sind. Zurückhaltende und introvertierte Frauen trauen sich – insbesondere in einer größeren Runde wie einem Meeting – womöglich nicht, gegen den Gedankenklau zu protestieren, und schlucken ihren Frust dann lieber runter. Schon allein, um nicht als zickig oder hysterisch zu gelten – das wird durchsetzungsstarken Frauen ja auch gerne mal nachgesagt. Die mangelnde Wertschätzung führt auf Dauer zu immer größerer Unzufriedenheit im Job, was wohl in niemandes Sinne sein kann.

Frau steht im Büro vor Fensterfront
Du bist nicht allein – viele Frauen haben Hepeating schon erlebt.

Liegt der Fehler generell in der Kommunikationskultur?

Und hier müssen wir uns fragen: Ist Hepeating ein reines Gender-Problem – oder liegt der Fehler nicht eher in der Kommunikationskultur an sich? Ist es nicht schon in der Schule so, dass die Lautesten, Schönsten oder Witzigsten, egal ob Männlein oder Weiblein, die meiste Aufmerksamkeit bekommen, selbst wenn es nur Bullshit oder eben ein geklauter Gedanke ist, den sie von sich geben? Und wenn dieses Verhalten von Anfang an honoriert wird, wird sich im späteren Leben nicht viel daran ändern. Noch dazu in (Unternehmens-)Strukturen, die eine Ellenbogen-Gesellschaft heranzüchten.

Was dagegen helfen kann? In erster Linie die Förderung des Teamgeistes, aufmerksame Vorgesetzte, die den wahren Urheber einer Idee wertschätzen, und Frauen, die sich zusammentun und wehren gegen wahre Chauvinisten, Mansplainer und Hepeater.

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