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A Few Good Friends
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I wanna rock! Rudi und der Traum von der großen Bühne

von Jasmin, 11.09.2018

Rudi ist Vollblutmusiker. Die Begeisterung, mit der er vom Thema spricht, verrät seine innige Liebe zu den Tönen. Und auch wenn er noch nicht genau weiß, wohin die Reise gehen soll: Eines Tages will er zurück auf die Bühne.

 Mittlerweile ist Rudolf Emich 29 Jahre alt, hat eine achtjährige Gitarristen-Karriere in einer Underground-Metal-Band hinter sich und denkt trotz deren Auflösung gar nicht erst ans Aufgeben. “Ich werde für immer Musiker bleiben. Ich habe nur Musik im Kopf. Und ich will wieder auf die Bühne zurück. Ich will es noch einmal wissen“, sagt der Allgäuer in einem erstaunlich unbayerischen Deutsch.

Für diesen Traum verzichtet er auf vieles. Seine Freizeit verbringt er nicht etwa mit Freunden oder Vorstellungen von einem soliden Job und einem konservativen Familienleben. Er sitzt lieber in seinem selbst gebauten Studio, studiert verschiedene Instrumente und lernt, deren Töne und Klänge am Computer zu programmieren. Dafür hat er extra einen Job als IT-Systemadministrator ergattert. Denn er will endlich die Technik elektronisch produzierter Musik besser verstehen.

Professionell Musik zu machen – das bedeutet letzten Endes kreativ mit anderen Menschen zu arbeiten und: üben, üben, üben.

Musik um jeden Preis

Mit 14 Jahren fing Rudi an, selbstständig Gitarre zu lernen. Von da an gab es kein Zurück mehr: Es musste die Musik sein. Er sagt, es seien Zufälle gewesen, die ihn mit Menschen zusammenbrachten, deren Leidenschaft dafür genauso groß war wie seine. “Im Allgäu ähnlich kreative Leute zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber es kam einfach alles, wie es kommen musste“, sinniert der Ex-Gitarrist.

2007 gründete er mit vier anderen Musikern die Band Nasty Nuns. Zeitweise war die Gruppe so erfolgreich, dass sie deutschlandweit auf Festivals spielte und europaweit tourte. Dabei knallten heftig die Korken, wie sich Rudi erinnert: “Manchmal haben wir uns nicht gerade vorbildlich benommen. Das Rock-'n'-Roll-Leben bedeutete für mich eben Freiheit. Ich bin rausgekommen – aus meiner Stadt, aus meiner eigenen Persönlichkeit. Ich konnte sein, wer ich will.“

Für einen schien dieses Leben aber doch nicht das richtige zu sein. Sänger Julez Gun verließ die Band 2015 – und hinterließ ein schwarzes Loch. “In einer Band hat jedes Mitglied sein Aufgabengebiet. Am Ende setzt sich daraus ein großes Ganzes zusammen. Und jeder versucht, die ihm wichtigen Kleinigkeiten an einem Song durchzusetzen“, erklärt der Musiker. Und als Julez weg war, merkte Rudi, dass er eigentlich gar keine Ahnung vom Texten hatte und dessen Part nicht übernehmen konnte. Es folgte die Auflösung der Nasty Nuns. Das spornte Rudi an, sein Wissen über die Musik zu vertiefen.

Feinster Glam Rock à la 80s – die Nasty Nuns waren optisch extrovertiert und musikalisch experimentierfreudig.

Vom Rocker zum … Rocker?

Dem leidenschaftlichen Rocker fiel durch das Zerbrechen seiner Band auf, dass er zwar auf seine Gitarre spezialisiert war, was aber noch lange nicht bedeutet, sich wirklich mit Musik auszukennen und diese produzieren zu können. Als Alleinkämpfer blieb ihm dann nur noch das Selbststudium und die Hilfe des Computers. “Ich muss mir am PC ein Orchester zusammenbauen. Dazu muss ich die einzelnen Instrumente und ihre Frequenzen verstehen – und ihre Technik beherrschen“, erklärt der 29-Jährige.

Um seine Pläne realisieren zu können, musste er aber zunächst ein besseres Verständnis für Computer und Programmierung aufbringen. Also bemühte er sich um einen Job als IT-Systemadministrator und handelte mit seinem Chef einen Deal aus: Eine Vier-Tage-Woche räumt ihm genug Raum für seine Kreativität ein. In der freien Zeit beschäftigt er sich dann mit elektronischer Musik. Aber wie passt das eigentlich mit seiner Rocker-Seele zusammen?

Für mich gibt es keine Schubladen und keine Genres. Selbst die Nasty Nuns waren irgendwie alles und nichts. Zwei Gitarristen, ein Schreier, ein Bassist und ein Schlagzeuger – irgendwas mit Metal wird das gewesen sein. Manche sagen Speed Metal, andere eher Glam Rock. Das interessiert mich eigentlich gar nicht“, sagt Rudi bestimmt. Damit wird klar: Er will Grenzen überstreiten. Den Rock will er aber nie aus den Augen verlieren – auch wenn es jetzt erst mal einen Ausflug in Richtung Elektro gibt.

 
Links solo, rechts mit Ex-Nasty-Nuns-Sänger Julez Gun: Ob Rudi künftig allein Musik macht oder wieder gemeinsam mit anderen, wird sich zeigen.

“Mir läuft die Zeit davon“

Bedenken hegt der Vollblutmusiker manchmal allerdings schon. Er weiß nicht, wann er endlich von seiner Leidenschaft leben oder ob er seinen Traum je verwirklichen kann. “Ich werde nächstes Jahr immerhin schon 30. Mir läuft die Zeit davon“, verkopft Rudi sich immer häufiger.

Dabei macht er sich aber nicht nur um seine eigene Entwicklung Sorgen. Als Solokünstler will er auf Dauer nämlich nicht durchstarten. Er will wieder mit anderen Musikern zusammenarbeiten: „Ich muss erst mal mein eigenes Talent ausbauen und klarkommen. Aber gemeinsame Kreativität ist und bleibt die beste Kreativität.“ Ob er je wieder Teil einer Band wird, steht noch in den Sternen. Eines weiß er aber ganz genau: Selbst wenn der Durchbruch erst kommt, wenn er alt und grau ist – Rudi würde auch noch als Rock-Opa auf die Bühne stolzieren und sein Ding durchziehen.

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