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Impostor-Syndrom: Vom Glauben, im Job nicht gut genug zu sein

von Jasmin, 02.07.2018

Bin ich überhaupt gut genug? Kann ich eigentlich irgendwas so richtig? Habe ich ein wirkliches Talent? War mein Lernpensum für die Prüfung nicht zu wenig? Negative Gedanken, die um die eigenen Unzulänglichkeiten kreisen, kennt wohl jeder. Werden sie krankhaft, sprechen Psychologen vom Hochstapler-Syndrom.

Hochstapler-Syndrom? Ist ein Hochstapler nicht eigentlich jemand, der vorgibt, besser zu sein als er eigentlich ist? Ja, der Hochstapler ist derjenige, der wie das tapfere Schneiderlein behauptet, sieben Männer auf einen Streich geschlagen zu haben – dabei waren’s nur sieben Fliegen.

Das Hochstapler-Syndrom allerdings beschreibt genau das Gegenteil: Menschen, die im Grunde genommen wirklich was auf dem Kasten haben und erfolgreich im Studium oder Job sind, aber denken, sie hätten das alles gar nicht verdient. Denn in ihrer Welt bestimmen Zufall und Glück die eigene Position – und nicht ihr Können.

Die Verwunderung, für eine Leistung, mit der man selbst nicht zufrieden war, die Bestnote abgesahnt zu haben, kennen viele. Auch die letzte Gehaltserhöhung, die irgendwie aus heiterem Himmel kam, ruft ein mulmiges Gefühl bei so manchem Arbeitnehmer hervor. Das ist nichts Ungewöhnliches. Aber es gibt eben auch Menschen, die bei jedem noch so kleinen verbalen Schulterklopfer denken, ihre Leistung entspreche dem Lob nicht. In der Folge bekommen sie es immer stärker mit der Angst zu tun, jemand könnte entlarven, dass sie eigentlich eine Null sind. Sie halten sich für etwas, das sie nicht sind: Hochstapler. Und dann sabotieren sie sich selbst, um der Panik vor dem „unverdienten“ Erfolg zu entgehen.

Stresssituation während einer Klausur
Ob in der Schule, in der Uni oder am Arbeitsplatz – in jeder leistungsorientierten Situation können Menschen vom Impostor-Syndrom betroffen sein.

Die Folgen können schwer wiegen

Betroffen sind Menschen vor allem in gezielten Leistungssituationen – ob in der Schule, der Uni oder am Arbeitsplatz. Da war die 1,0 aus Sicht des Leidtragenden dann nur dank eines sehr großzügigen Dozenten drin. Und die Beförderung gab es lediglich mit viel gutem Willen des Chefs. Die krankhafte Tiefstapelei entwickelt sich dann schnell zu einer Spirale aus Angst vor dem „Ertapptwerden“ und dem permanenten Versuch, seine angeblichen Fehler verkrampft zu kaschieren.

Wie merke ich, dass ich betroffen bin?

Winkst du nette Komplimente im Alltag einfach ab? Machst du dir Gedanken, Lob in deinem sozialen Umfeld nicht verdient zu haben? Keine Sorge, Bescheidenheit ist nicht gleich ein Impostor-Syndrom. Merkst du allerdings, dass du dich in Leistungssituationen extrem unter Druck setzt und trotz viel Arbeit kein positives Feedback annehmen kannst, ist Vorsicht geboten. Beobachte dein Verhalten genau und analysiere, ob du dich schnell wie ein Hochstapler fühlst. Führst du deine Erfolge nur auf Zufall, Glück oder angebliche Lügen deinerseits zurück, lohnt sich ein unverbindliches Gespräch mit einem Therapeuten, um deinen negativen Gedanken auf den Grund zu gehen.

Im schlimmsten Fall rutschen Betroffene so in eine Depression ab. Der Strudel aus Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten und dem Schuldgefühl erschlichener Lorbeeren zieht sie immer stärker in die psychische Tiefe. Abhilfe schafft dann nur noch eine Therapie. Aber auch diejenigen, die nicht direkt mit einer Depression konfrontiert sind, können von einer psychologischen Betreuung profitieren.

Experten kämpfen gegen das Hochstapler-Syndrom

Warum der Gang zum Psychologen für die meisten krankhaft Betroffenen so wichtig ist? Ganz einfach: Weil sie sich selbst und ihrer Karriere im Weg stehen. Wie sie das tun, variiert von Fall zu Fall. Die einen arbeiten besonders hart, um Erfolge vor sich doch irgendwie noch rechtfertigen zu können. Ein Burn-Out kann die Folge sein. Andere wiederum schaffen gezielt Situationen, in denen sie nur versagen können, um ihre Selbstzweifel so zu bestätigen. Manche vermeiden von vornherein sämtliche Herausforderungen. Und dann gibt es noch die, die an dem selbstgeschaffenen Druck zerbrechen und ihre Karriere an den Nagel hängen – alles nur, weil sie sich für nicht gut genug halten.

Psychologen versuchen hier mit gezielter Verhaltenstherapie gegenzusteuern. Betroffene müssen ihren reellen Selbstwert besser zu schätzen lernen, sich Erfolge durch die eigenen Leistungen vor Augen halten und Bestärkung aus ihrem sozialen Umfeld erfahren. Die Therapien werden individuell gestaltet und verlangen vom Betroffenen ein hohes Maß an Mitarbeit. Die Anstrengungen lohnen sich aber: Wer das Impostor-Syndrom überwindet, gewinnt nicht nur berufliche Perspektiven hinzu, sondern profitiert insgesamt von einer höheren Lebensqualität.

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