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Wenn du nie Feierabend hast: Darum ist Work-Life-Blending gefährlich

von Redaktion, 09.01.2018

Flexibility is king. Unter dem Stichwort Work-Life-Blending verschmelzen Arbeit und Privatleben zu einem großen Ganzen. Doch das hat seine Schattenseiten.

Schöne neue Arbeitswelt: Statt stur von neun bis fünf im Büro zu sitzen, holt der moderne Angestellte zwischendurch seinen Nachwuchs vom Kindergarten ab, erledigt die Einkäufe fürs Abendbrot, geht zum Friseur und spielt mit seinem Kumpel eine Runde Badminton. Die Arbeit erledigt er ebenso zwischendurch: im Büro, im Café, auf der Parkbank am See und abends, wenn die Kinder eingeschlafen sind. Das Smartphone immer im Anschlag, um zwischendurch die Mails zu checken und für den Chef erreichbar zu sein. „Work-Life-Blending“ nennen die Forscher diese Synthese aus Job und Privatleben. Cloud und mobiles Internet machen’s möglich.

Work-Life-Blending: Für viele ein Gewinn

Für die Arbeitgeber ist Work-Life-Blending ein Segen. Flexibilität ist im modernen Wettbewerb Trumpf. Auch finden die Unternehmen nicht immer alle benötigten Kräfte in unmittelbarer Nähe. Irgendwo auf der Welt hingegen wird sich der richtige Kopf aber schon aufhalten. Und der kann zum Beispiel per Cloudworking von Indien aus am Designprojekt im Sauerland mitarbeiten. Hinzu kommen Angestellte, die nichts dagegen haben, wenn sie beim sonntäglichen Grillen auch mal vom Chef angerufen werden – toll.

Aber auch die Arbeitnehmer profitieren. Job und Privatleben lassen sich besser miteinander vereinbaren, wenn nicht die Stechuhr den Tagesrhythmus bestimmt. Bei schönem Wetter geht es ab an den See, an verregneten Tagen wird dafür das doppelte Arbeitspensum erledigt. Und wer Einsatz zeigt, klettert auch noch schneller die Karriereleiter hoch.

Gemeinsame kreative Prozesse werden seltener, wenn jeder nach seinem Rhythmus arbeitet.

Alle Arbeitnehmer sind begeistert. Alle? Nein.

Doch der Jubel hält sich auf Arbeitnehmerseite in Grenzen. Im Gegenteil. In der Umfrage Talents & Trends der Umfrageberatung von Rundstedt zeigten fast drei von vier Befragten die Befürchtung, durch Work-Life-Blending nicht mehr richtig abschalten zu können. Zwei von drei Arbeitnehmern bevorzugten eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben, damit beide Bereiche zu ihrem Recht kommen. Allerdings findet mehr als jeder Dritte die Verschmelzung von Privat- und Berufsleben gut, wenn man dadurch seine Arbeitszeit auch tatsächlich flexibler einteilen kann.

Work-Life-Blending ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen

Die kritischen Stimmen kommen nicht von ungefähr. Work-Life-Blending hat das Potenzial, die Gesundheit zu gefährden. Denn die Fassade der schönen neuen Arbeitswelt hat einige Risse:

  • „Arbeit siegt“: Das gleichberechtigte Nebeneinander von Job und Privatleben ist häufig nur ein Märchen. Denn im Zweifel drängt sich die Arbeit in die Freizeit, umgekehrt passiert das aber kaum. Der Chef ruft bei einem spontanen Geistesblitz vielleicht den Mitarbeiter auch mal Freitagabend um 23 Uhr an. Allerdings ruft der Angestellte kaum einmal eine Stunde nach Feierabend wegen einer Gehaltserhöhung durch.
  • Die Unsicherheit steigt: Hinter den Stichworten Flexibilität und Unabhängigkeit verbergen sich nicht selten einfach nur prekäre Arbeitsverhältnisse. Denn viele Unternehmen vergeben Aufgaben gern an Clickworker. Die müssen ständig parat stehen, ihre Sozialabgaben allein tragen und mehrere Jobs parallel ausführen. Planungssicherheit sieht anders aus. Den Stresspegel lässt das nicht kalt. Und ein (drohender) Jobverlust kann gesundheitsgefährdende Existenzängste auslösen.
  • Regeneration fehlt: Wer das Gefühl hat, ständig erreichbar sein zu müssen, lässt kaum einmal entspannt die Seele baumeln. Die nötige Regeneration kommt dann zu kurz. Burn-out und Erschöpfung drohen.
 
Spätestens wenn der Anruf vom Chef die traute Runde sprengt, zeigen sich die Schattenseiten des Work-Life-Blending
 

Wie Work-Life-Blending gelingen kann

Wer für seinen Beruf lebt, mit Kollegen auch mal etwas privat unternimmt und sich seine Kräfte optimal einteilen kann, für den ist Work-Life-Blending in jeder Form eine Erfüllung. Und wenn nicht? Die Uhren werden sich kaum zurückdrehen, der Trend zur Vermischung von Arbeit und Privatleben bleibt bestehen. Dann heißt es: für sich selber sorgen. Zum Beispiel kannst du über Arbeitszeitkonten und festgelegte Auszeiten an Planungssicherheit gewinnen. Nötig sind klare Regeln und eine gute Organisation. Mögliche Probleme solltest du beim Chef offen ansprechen – nur vielleicht besser bei einem vereinbarten Termin und nicht bei einem spontanen Anruf Freitagabend um elf.

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