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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Die Gründer des Vereins Welcome Dinner Hamburg Lisa Veyhl, Julia Wehmeier, David und Ines Burckhardt

Das Welcome Dinner bringt Einwohner und Geflüchtete an einen Tisch

von Sirany, 02.03.2018

Freundschaft geht durch den Magen. Beim Welcome Dinner laden Einwohner einer Stadt Geflüchtete zu sich nach Hause ein. So lernen sich verschiedene Kulturen über das Kochen und Essen kennen.

Es gab Zeiten, in denen sich Julia Wehmeier und der Rest des Teams von Welcome Dinner Hamburg kaum vor Anfragen retten konnten. Etliche Einwohner wollten Gastgeber eines Essens für Geflüchtete sein, die Wartelisten waren lang. „Im Herbst 2016 haben wir etwa 100 Dinner pro Woche organisiert“, erinnert sich die Journalistin.

Seitdem ist sowohl die mediale Berichterstattung über die Ankunft der Geflüchteten als auch die Hilfsbereitschaft zurückgegangen. Dabei gibt es immer noch genug Geflüchtete, die sich für ein Welcome Dinner als Gast anmelden und auf eine Einladung zum Essen hoffen. Ziel der Initiativen in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und vielen anderen Städten in Deutschland und Europa ist es, diesen Wunsch zu erfüllen.

Made in Schweden

Angefangen hat alles 2014 in Stockholm. Die Lehrerin Ebba Åkerman brachte Immigranten Schwedisch bei. Dabei musste sie feststellen, wie schwer es für die Neuankömmlinge war, eine neue Sprache zu lernen, wenn sie niemanden hatten, mit dem sie das Sprechen üben konnten. Gleichzeitig wurde Ebba von ihren Schülern zum Essen bei ihnen zu Hause eingeladen, was beide Seiten einander näher brachte, als es die Unterrichtsstunden jemals vermochten. Die Idee zum Welcome Dinner war geboren. Das Konzept gibt es mittlerweile in mehr als 50 Städten in acht Ländern. Die Initiativen stehen im lockeren Austausch miteinander und bilden zusammen United Invitations . Das Welcome Dinner Hamburg war eines der ersten seiner Art in Deutschland.

Hamburg zeigt Einsatz

„Lasst uns das nach Hamburg bringen“, dachten sich Julia Wehmeier, Lisa Veyhl sowie David und Ines Burckhardt, als sie Ende 2014 von der Idee made in Schweden erfuhren. Nach drei Monaten Planung und Konzeption initiierten sie im März 2015 die ersten Welcome Dinner in Hamburg. Anfangs waren sie selbst und ihr Freundeskreis die Gastgeber. Weil das Team ordentlich die Werbetrommel rührte und damit sowohl die Neuankömmlinge in Flüchtlingsunterkünften und -einrichtungen als auch die Bürger der Stadt auf sich aufmerksam machte, war der Zulauf von beiden Seiten enorm.

„Ich finde es immer noch beeindruckend, wie viele Hamburger schon mitgemacht haben“, sagt Julia. Gut 2.000 Dinner zwischen Einwohnern und Geflüchteten konnte der Verein bis heute vermitteln. Das Team ist in dieser Zeit gewachsen und besteht mittlerweile aus 20 Freiwilligen. Anders war die Arbeit auch kaum noch zu schaffen: „Wir haben alles nebenbei gemacht, abends und am Wochenende – und wir hatten sehr verständnisvolle Arbeitgeber“, erzählt sie lachend.

Im vergangenen Jahr gab es in der Hansestadt ein Netzwerktreffen, bei dem zwölf Initiativen aus anderen Städten anreisten. Auch Vorreiterin Ebba aus Stockholm war mit dabei. Anders als in Schweden läuft in Deutschland nicht alles über die Gründerin. Die Teams organisieren und strukturieren sich von Stadt zu Stadt unterschiedlich.

Welcome Dinner in einer Hamburger WG
Kein typisch deutsches Gericht – aber doch typisch deutsch: Welcome Dinner mit Raclette-Grill.

So läuft ein Welcome Dinner ab

In Hamburg beispielsweise können sich Interessenten als Gast oder Gastgeber über die Homepage anmelden. Registrierst du dich als Gastgeber, gibst du online deinen Wunschtermin über ein Formular ein. Derzeit braucht es etwa sieben bis zehn Tage Vorlauf, bis dir ein Gast zum Dinner vermittelt wird. Einige Tage vorher erhältst du Informationen über Name und Nationalität sowie die Telefonnummer deines Besuchs. Ob er oder sie besondere Essgewohnheiten hat, zum Beispiel halal oder vegetarisch, erfährst du ebenfalls im Voraus. In der Regel telefonieren Gast und Gastgeber anschließend miteinander und verabreden sich fest für das geplante Datum.

Um beide Seiten zu schützen, gibt es einige Regeln. Der Gast erfährt die Adresse des Gastgebers nicht vorher vom Verein, sondern bekommt diese direkt vom Host mitgeteilt. Außerdem darf der Gast eine Begleitung mitbringen, auch wenn er sich allein zum Welcome Dinner anmeldet. Denn Unbekannte in seine Wohnung zu lassen bzw. zu völlig Fremden zu Besuch zu kommen, ist für viele Menschen ein großer Schritt.

Das Team von Welcome Dinner wählt den Gast und den dazugehörigen Gastgeber nicht vorrangig nach Kriterien wie Alter, Beruf oder Interessen aus. Es wird nur versucht, darauf zu achten, dass die Anreise für den Besuch nicht zu weit ist und dass beide Seiten zueinander passen. Familien laden deshalb häufig andere Familien zum Welcome Dinner ein. Haben sich zwei Frauen als Gastgeber angemeldet, vermittelt der Verein ebenfalls Frauen oder ein Pärchen. Im Übrigen können sich nicht nur Geflüchtete aus Krisenregionen für ein Welcome Dinner anmelden, sondern auch Immigranten aus anderen Ländern. Menschen aus 37 Nationen haben schon daran teilgenommen. Die Fotos der gelungenen Abende können die Teilnehmer anschließend auf der Facebook-Seite von Welcome Dinner posten.

Lost in translation?

Bevor der Besuch zum Abendessen eintrifft, bekommt der Gastgeber eine PDF-Datei zugeschickt, um einige mögliche kulturelle Missverständnisse zu vermeiden. So wird zum Beispiel darauf hingewiesen, dass Pünktlichkeit in anderen Ländern ein weit gefasster Begriff ist und nicht ganz so genau genommen wird. Auch kann es sein, dass ein Gast angibt, halal zu essen und dann mit einer Flasche Wein als Gastgeschenk vor der Tür steht, obwohl alkoholische Getränke im Islam verboten sind. Welche Lebensmittel halal sind, erklärt das PDF ebenfalls genauer.

Alle Verwirrungen kann das Infoblatt aber nicht verhindern. „Einige Gastgeber haben sich im Nachhinein Sorgen gemacht, dass es dem Gast nicht geschmeckt hat, weil er so wenig gegessen hat. Dabei ist es in einigen Ländern nur nicht üblich, sich selbst eine zweite Portion nachzunehmen“, erzählt Julia. Der Werbespot des Regisseurs Gaullo für Welcome Dinner Hamburg geht auf humorvolle Art und Weise mit solchen kulturellen Unterschieden um. Im Video bekommt ein junger Afghane das norddeutsche Gericht Labskaus vorgesetzt – und findet das mehr als gewöhnungsbedürftig.

 Die Geflüchteten sprechen zwar ein wenig Deutsch und Englisch, die Verständigung kann mitunter aber doch eine Herausforderung sein. Deshalb bekommen die Teilnehmer vorher auch Tipps, über welche Themen sie reden, was sie bei ihrem Treffen machen und wie sie kommunizieren können. Die Google-Translator-App ist beispielsweise ein hilfreiches Tool bei der Unterhaltung.

Vom Willkommensdinner zum Wiedersehen

Dass sich Gast und Gastgeber nach dem Welcome Dinner wiedersehen, ist nicht ungewöhnlich. Oft erfolgt eine Gegeneinladung zu den Zugewanderten. Manchmal entstehen auch Freundschaften. „Ein syrischer Architekt war als Gast bei einem Architektenpaar eingeladen. Die drei treffen sich jetzt regelmäßig zu Spaziergängen in der Hafencity, um die Architektur dort zu bewundern“, berichtet Julia. Oft helfen die Gastgeber ihren Gästen später bei der Wohnungssuche oder der Vermittlung eines Praktikums. Einige von ihnen melden sich immer wieder an, um Welcome Dinner auszurichten. Doch auch neue Interessenten sind gerne gesehen. Deshalb will sich der Verein in Zukunft verstärkt an Gruppen – etwa Firmen oder Kirchengemeinden – wenden. „Unsere Vision ist es, dass jeder Flüchtling in Hamburg zu einem Welcome Dinner eingeladen wird.“

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