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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Julia Köhn bei einem Vortrag

Gemeinsam sind sie stark: Julia hilft Landwirten auf den Online-Wochenmarkt

von Florian, 13.02.2018

Wie Gemeinschaft neu gedacht werden kann, beweist Julia Köhn: Sie entwickelte eine Plattform im Internet, auf der konkurrierende Landwirte ihre Produkte gemeinsam vermarkten können.

Die Idee reifte langsam. Nicht etwa, weil Julia in ihrem Leben oder ihrer Ausbildung irgendetwas mit Landwirtschaft zu tun gehabt hätte. Doch sie ist nun mal ein Landei: Aufgewachsen im niedersächsischen Geestland, heute wohnhaft im Landkreis Cuxhaven. Großstadt geht anders. Und deshalb bekam Julia durch Freunde und Bekannte zwangsweise mit, wie die vielen Bauern in der Region zusehends Probleme bekamen, ihre Lebensmittel zu vermarkten.

Pielers funktioniert wie eBay für Landwirte

"Die Landwirte wollte ihre Höfe modernisieren, wussten aber nicht, wie sie das angehen sollen", erzählt Julia. "Sie wollten unabhängiger von Molkereien oder Einkaufsgenossenschaften werden. Die einzigen Alternativen stellten Hofläden oder die kostenintensiven Wochenmärkte dar. Und dann entschloss ich mich, eine Plattform im Internet zu schaffen, auf der die Landwirte gemeinsam ihre Produkte direkt vermarkten können."

Das war vor drei Jahren. Mittlerweile ist aus der Idee die Webseite pielers.de geworden. "Piel" heißt im Plattdeutschen "direkt". Dort kann der Landwirt seine Produkte ähnlich wie bei eBay einfach einstellen, hat keine Fixkosten, sondern lediglich eine umsatzabhängige Provision an Julias Firma zu zahlen. Das Marketing übernimmt pielers.de genauso wie die Logistik. "Wir sind also eine Art Rundum-sorglos- Paket für die Landwirte", erklärt Julia. Noch ist das volle Angebot auf die Pilotregion Bremen / Bremerhaven beschränkt, doch die bundesweite Expansion wird gerade in Angriff genommen.

Mit 17 gründete Julia ihre erste Firma – als Aktiengesellschaft

Dass Julia einen eher ungewöhnlichen beruflichen Weg einschlagen wird, war schon zu Schulzeiten zu erahnen: Im Alter von 17 Jahren gründete sie bereits ihr erstes Unternehmen, eine Schulcafeteria – und zwar als Aktiengesellschaft. Die anderen Schüler sowie deren Eltern und Großeltern erwarben Anteile an dem Café, insgesamt kamen auf diese Weise rund 25.000 Euro zusammen. Danach studierte sie, war freiberuflich als Unternehmensberaterin tätig und schloss neben Philosophie und BWL als auch den Studiengang VWL ab, wo sie im Fachbereich "Theoretische VWL" ihren Doktor machte.

Julia Köhn und Mitarbeiter Dennis
Julia und Mitarbeiter Dennis, der die landwirtschaftliche Expertise im Unternehmen mitbringt.

Pielers bürgt für Qualität

Julia kennt sich also eher mit Zahlen aus als mit Agrarprodukten. Doch für die Expertise auf diesem Gebiet gibt es in ihrer Firma mit Landwirt Dennis auch einen Fachmann, der die hohen Qualitätsstandards kontrolliert. Denn für diese verbürgt sich Julia persönlich. "Wer mehrfach Produkte liefert, die nicht schmecken, wird ganz schnell wieder ausgelistet", sagt die heute 32- Jährige. Die zum Verkauf stehenden Lebensmittel können Bioprodukte sein oder auch solche aus konventioneller Landwirtschaft. Hauptsache, es stehen eigentümergeführte Betriebe dahinter.

Der Kunde kann auf Pielers.de derzeit bei 53 Produzenten per Mausklick einkaufen, bekommt am Ende aber nur eine Rechnung. Wer Obst, Gemüse, Fleisch oder Brot vor dem Kauf mit allen Sinnen erleben möchte, der könne weiterhin auf dem Wochenmarkt einkaufen, sagt Julia. Doch für sich bewusst ernährende Menschen, die keine Zeit für ausdauernde Einkäufe haben, trotzdem wissen möchten, wo ihr Essen herkommt und für die eine wöchentlich gelieferte Obst- und Gemüsekiste nicht individuell genug ist, stellt diese Art des Direktvertriebs eine gute Alternative dar.

Julia ist mit ihrem Angebot nicht allein

Die Idee, Agrarprodukte im Internet direkt zu vermarkten, scheint erfolgsversprechend zu sein. Schließlich ist Julia mit ihrem Angebot nicht allein. Auf der Plattform " martktschwaermer.de" bestellt und bezahlt der Kunde die Produkte online beim Erzeuger, muss sie aber an einem Ort namens "Schwärmerei" an einem bestimmten Tag abholen. Zur Ausgabe reisen dafür alle Produzenten an und stehen für Nachfragen zur Verfügung. Auch das Hamburger Start-up " Frischepost" oder die Berliner Firma " Gegessen wird immer", die sich auf Bürolieferungen spezialisiert hat, liefern qualitativ hochwertige Lebensmittel. Das Berliner Start-up "Bonativo" musste mit einer ähnlichen Idee allerdings nach nur 17 Monaten wieder aufgeben.

Lebensmittel von pielers.de
Auf der Homepage pielers.de gibt es Lebensmittel direkt vom Erzeuger, Landwirt oder Fachhändler zu kaufen.

Gründergeist zahlt sich aus

Julias Cafeteria in ihrer alten Schule gibt es übrigens heute noch. Sie wird immer noch von Schülern geführt, läuft immer noch auf Aktienbasis, doch mittlerweile arbeiten dort in der Küche sogar Festangestellte. "Ich habe meine Anteile nie verkauft und werde immer noch eingeladen zu Aktionärsversammlungen," erzählt die stolze Gründerin. "So werde ich nie vergessen, wie meine Selbstständigkeit einmal begann."

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