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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Tierschützerin Anna vom HTV in Rumänien mit Straßenhund

Nach Feierabend Gutes tun: Anna führt ehrenamtlich Tierheim-Hunde aus

von Sirany, 23.04.2018

Die kleine Wohnung und der Job lassen keinen eigenen Hund zu. Doch Anna hat eine gute Alternative gefunden: Sie führt Tierheim-Hunde aus und engagiert sich ehrenamtlich für den Tierschutz.

Hunde, Katzen, Kaninchen und Hühner – Anna Kleemann ist mit Tieren aufgewachsen. Doch als sie 2013 vom thüringischen Land nach Hamburg zog, musste sie sich umgewöhnen. In ihrer Zweizimmerwohnung ist nicht mal genug Platz, um einen eigenen Hund zu halten. Auch in ihrem Job als Office-Managerin an einer privaten Wirtschaftsuniversität hätte die 29-Jährige nicht die Möglichkeit, sich werktags um einen Vierbeiner zu kümmern. Und so ist Anna auf den Tierheim-Hund gekommen.

Schulung und Schnupperrunden gehören dazu

2014 meldete sich Anna im Tierheim des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) als ehrenamtliche Gassigeherin – und ist seitdem mit Eifer bei der Sache geblieben. Das ist allerdings nicht der Regelfall. „Viele Freiwillige kommen vielleicht einen Monat lang und sind dann wieder weg“, erzählt Anna.

Alternativen zum ehrenamtlichen Gassigehen

Selbst wenn das Tierheim in deiner Stadt derzeit keine freiwilligen Gassigeher sucht, gibt es andere Möglichkeiten, sich zu engagieren. Das Tierheim in Hamburg beispielweise braucht auch Hilfe bei den Reinigungsarbeiten der Gehege, der Betreuung der Katzen oder der Wildtier-Aufzucht. Wenn du aber unbedingt Hunde ausführen möchtest, kannst du auch auf Webseiten wie  Leinentausch oder  Pawshake vorbeischauen, wo Hundesitter und Gassigeher von Privatpersonen gesucht werden.

Dabei ist es zumindest in Hamburg gar nicht so einfach, einen Platz als Hundeausführer zu bekommen. Nachdem sie einen Fragebogen zu ihren Personalien ausgefüllt haben (Mindestalter 18 Jahre), müssen neue Gassigeher – auch wenn sie bereits Erfahrung mit Hunden haben – an einer Schulung mit einem Hundetrainer teilnehmen. Diese umfasst einen theoretischen und einen praktischen Teil.

Anschließend begleiten sie erfahrene Gassigeher bei zwei Probespaziergängen. Danach wird die Mitgliedschaft im HTV erforderlich, wenn Neulinge auch alleine mit den Tierheim-Hunden Gassi gehen wollen. Diese gibt den Mitarbeitern eine Sicherheit, damit sie auch wissen, wer ihre Vierbeiner ausführt. Der jährliche Mitgliedsbeitrag kommt den Tierheim-Bewohnern zugute.

Im Hamburger Tierheim in der Süderstraße gibt es feste Zeiten zum Gassigehen mit den Hunden. Ausnahmen sind nur möglich, wenn der Hundeausführer einen Pflegevertrag für ein Tier hat. Eine Runde mit einem Hund dauert eineinhalb Stunden. Besonders am Wochenende sind schon viele fleißige Gassigeher in Hamburg unterwegs, sodass das Tierheim derzeit nur Freiwillige sucht, die unter der Woche Zeit für die Spaziergänge haben.

Aufgrund ihres Jobs ist auch Anna vor allem am Wochenende dort anzutreffen. Sie versucht aber, es regelmäßig zumindest einen Werktag pro Woche ins Tierheim zu schaffen. 

Freunde fürs Leben

Weil Anna schon seit mehr als vier Jahren beim HTV tätig ist, hat sie dort viele Freunde gefunden – nicht nur unter den Mitarbeitern und ehrenamtlichen Gassigehern, sondern auch unter den Vierbeinern. Drei Hunde sind ihr besonders in Erinnerung geblieben.

Pascha, ein Herdenschutzhund, war ihr erster Zögling. Mittlerweile führt dieser ein glückliches Leben bei ihren Eltern auf dem Land in Thüringen – und bleibt Anna so in ihrem Leben erhalten. Auch ihr zweiter Schützling, Robby, konnte in liebevolle Hände vermittelt werden. Mit dessen Besitzern ist Anna mittlerweile befreundet, sie besucht den Schäferhund noch regelmäßig.

Anna Kleemann mit Tierheim-Hund Pascha
Auf den Hund gekommen: Pascha hat ein neues Zuhause bei Annas Eltern gefunden.

Aktuell kümmert sie sich um die Hündin Hel, die schon seit 2014 im Tierheim lebt. Wie schon bei Annas vorherigen Gassigeh-Hunden ist der Umgang mit ihr nicht ganz einfach. Denn die schwarze Schäferhündin wurde ausgesetzt und mit einem viel zu kleinen Maulkorb aufgefunden –ein Zeichen dafür, dass sich die Vorbesitzer nicht gut um das Tier gekümmert haben.

Laute Geräusche und viel Trubel überfordern Hel schnell. Und so packt Anna sie gelegentlich in ihr Auto, um gemeinsam zum Hohendeicher See zu fahren, wo es ruhig ist und der Vierbeiner den Spaziergang genießen kann. Die Ausflüge werden mit den Tierpflegern abgesprochen.

Wenn du Tierheim-Hunde ausführst, solltest du generell Aktivitäten oder Vorhaben in der Gassigeh-Zeit vorher mit den Mitarbeitern abklären. Denn sie können am besten entscheiden, ob das Tier zum Beispiel in der Lage und Verfassung ist, Bahn zu fahren. Die Spaziergänge sollen die Vierbeiner in erster Linie entspannen. Deshalb sollten die Gassigeher den Hunden auch keine großen Kunststücke beibringen. Kleine Übungen sind aber erlaubt. 

„Wenn ich nicht komme, habe ich ein schlechtes Gewissen.“

Weil mit Hel sonst niemand spazieren geht, fühlt sich Anna schon zu einem gewissen Teil für sie verantwortlich: „Wenn ich mal ein Wochenende nicht komme, habe ich ein richtig schlechtes Gewissen“, sagt sie.

Doch allzu sehr sollten sich Ehrenamtliche nicht auf einen bestimmten Tierheim-Hund fixieren. Dieser kann dann sehr anhänglich werden kann, und auch der Trennungsschmerz ist größer, falls das Tier vermittelt wird. Anna hofft jedoch, dass Hel in diesem Jahr einen lieben Besitzer findet. Ein potenzieller Kandidat sei wohl vorhanden.

Tierheim-Hund am Hohendeicher See
Mit Tierheim-Hündin Hel macht Anna auch Ausflüge in die Natur.

Von der Gassigeherin zur Tierschützerin

Über die Hunde-Spaziergänge im Tierheim ist Anna auch zum Tierschutz gekommen. Der Hamburger Tierschutzverein unterstützt den Verein ProDog Romania, der es sich zum Ziel gesetzt hat, rumänischen Straßenhunden ein besseres Leben zu ermöglichen. Im Idealfall, indem die Tiere einen neuen Besitzer in Deutschland finden. Doch auch die Bedingungen in den Tierheimen von Baile Herculane und Ploiesti sollen verbessert werden.

Anna engagiert sich in der Auslandsgruppe des HTV, die versucht, neue Unterstützer für ProDog Romania zu gewinnen. Diese können entweder finanziell helfen oder ehrenamtlich in den rumänischen Tierheimen mit anpacken. Die Vegetarierin ist selbst schon zweimal dorthin gereist, um Gutes zu tun – auf eigene Kosten.

Von den Bedingungen in den rumänischen Tierheimen war Anna anfangs geschockt: „Es ist permanent laut, wodurch nicht nur die Tiere ständig unter Stress stehen. Auch den Helfern bietet sich eine ganz andere Situation als die, die sie aus Deutschland kennen.“

Doch auch positive Erinnerungen hat Anna mitgenommen: „Alle meine Herzenshunde dort konnten nach Deutschland vermittelt werden.“ Im Raum Hamburg übernimmt sie für ProDog Romania die Vorkontrollen und fährt zu den neuen Besitzern, die sich eines Straßenhundes aus Rumänien angenommen haben – ehrenamtlich versteht sich

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