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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Unverpackte Lebensmittel in Gläsern

Nur der Inhalt zählt: Läden ohne Verpackungen liegen voll im Trend

von Sirany, 20.07.2018

Vor einigen Jahren gab es sie nur vereinzelt in Deutschland, mittlerweile eröffnen immer mehr Unverpackt-Läden – wie “Annas Unverpacktes“ in Heidelberg. Und das nicht nur in Großstädten, sondern auch in kleineren Orten.

Plastikmüll ist längst zum Weltproblem geworden, das steht außer Frage. Denn die Zersetzung von Kunststoffen dauert eine lange Zeit. Der Abbau einer Plastikflasche im Meer braucht laut Umweltbundesamt (UBA) beispielsweise 450 Jahre, Plastiktüten benötigen zehn bis 20 Jahre. Es scheint also ratsam zu sein, den Plastikverbrauch zu reduzieren und auch generell darauf zu achten, weniger (Verpackungs-)Müll zu produzieren.

Läden, in denen die Kunden ihre Waren komplett unverpackt einkaufen können, sind dabei ein Schritt in genau diese Richtung. Denn Nudeln, Nüsse, Gewürze, Müsli, Waschmittel, Shampoo & Co. kommen auch gut ohne eine äußere Hülle aus.

Unverpackt-Läden sind auf dem Vormarsch

Das scheinen immer mehr Menschen in Deutschland zu begreifen. Die Nachfrage nach unverpackten Lebensmitteln steigt, und so eröffnen auch immer mehr Geschäfte, die ihre Waren lose anbieten. Waren es im Jahr 2014 gerade einmal vier Läden – in Kiel, Berlin, München und Bonn-Duisdorf –, ist die Zahl 2018 auf etwa 70 Geschäfte angestiegen (Quelle: HNE Eberswalde). Dabei sind es nicht mehr nur die größeren Städte, sogar in kleineren Orten wie Durach, Ettlingen und Lorsch konnte sich das Konzept bereits etablieren.

Das Prinzip der Unverpackt-Läden ist einfach: Lebensmittel werden in große Gläser abgefüllt, die sogenannten bulk bins – also Vorratsbehälter, die eine riesige Menge fassen. Flüssige Lebensmittel kommen in Kanistern oder Flaschen in das Geschäft, manchmal auch abgefüllt in wiederverwendbaren Gefäßen wie Einmachgläsern, die gegen Pfand zurückgegeben werden können. Die Kunden bringen in der Regel ihre eigenen Behälter mit und füllen sich selbst so viel Ware ab, wie sie benötigen.

Damit es dabei fair zugeht, wiegen die Käufer zuerst das Eigengewicht ihrer Dosen, Gläser und Büchsen. Dieses ziehen sie dann vom Gewicht der befüllten Gefäße ab. So bezahlen sie wirklich nur für die Lebensmittel, die sie mitnehmen.

Die Unverpackt-Läden haben gleich zwei große Vorteile: Es wird weniger Verpackungsmüll produziert und auch die Lebensmittelverschwendung geht zurück, weil sich die Kunden nur so viele Gramm oder Liter abfüllen, wie sie wirklich brauchen. So sind sie nicht auf abgepackte Waren angewiesen, deren Portionen zum Beispiel für einen Single-Haushalt oft zu groß sind. Der Nachteil: Die Inhaltsstoffe sind aufgrund der fehlenden Verpackungen nicht zwingend ersichtlich und vor allem fehlen Informationen zur Haltbarkeit.

Der Laden ohne Verpackung
Hereinspaziert in “Annas Unverpacktes“: Außen eine schöne Fassade im Retro-Look, innen ein verpackungsfreies Sortiment auf 32 Quadratmetern.

Verpackungsfrei in Heidelberg: “Annas Unverpacktes“

Annas Unverpacktes“ in Heidelberg kann getrost als einer der Vorreiter der Unverpackt-Läden bezeichnet werden, denn als das Geschäft im Juni 2015 im Stadtteil Neuenheim eröffnete, war die Zahl der Geschäfte in Deutschland noch überschaubar. Seit März 2018 hat Andreas Wille die Gründerin Anna Wahala als Inhaber abgelöst, der Name des Ladens bleibt “aus Respekt vor Anna und dem, was sie erreicht hat“, aber erhalten. Vom Stammkunden ist er so zum Besitzer des Ladens geworden.

“Annas Unverpacktes“ bietet im Bereich der Lebensmittel in erster Linie Trockenprodukte wie verschiedene Nudeln, Reissorten, Getreide, Mehl, Müsli, Nüsse, Hülsenfürchte, Gewürze und Süßwaren an. Diese sind einfacher zu lagern und länger haltbar als beispielsweise Milchprodukte. Andere Waren wie Obst, Gemüse und Backwaren sieht Inhaber Andreas durch bestehende Läden in der nahen Umgebung schon gut abgedeckt: “Beim Bäcker und auf Wochenmärkten kann man auch gut und einfach unverpackt einkaufen.“

Kleine Verkaufsfläche, großes Sortiment

Dazu kommt, dass der Laden mit der hübsch türkis gekachelten Außenfront bloß 32 Quadratmeter Verkaufsfläche und ein kleines Lager umfasst. “Für den kleinen Raum bieten wir aber ein verhältnismäßig großes Sortiment an“, sagt Andreas. Der gelernte Buchhändler ist seit 14 Jahren Vegetarier, ernährt sich zu Hause überwiegend vegan und setzt auf einen nachhaltigen Lebensstil. Die Produkte, die er anbietet, sind deshalb zu rund 99 Prozent Bio-zertifiziert und im besten Fall auch Fairtrade oder aus der Region. Außerdem arbeitet er mit inklusiven Betrieben zusammen.

Seine Ware bezieht Andreas sowohl von kleinen regionalen Firmen, etwa Tofu oder Seitan im Glas, als auch von größeren und namhaften Naturkostherstellern. Neben Lebensmitteln verkauft “Annas Unverpacktes“ außerdem Reinigungs- und Waschmittel, Naturkosmetik und Hygieneartikel wie festes Shampoo, Seife, Zahnpasta-Tabletten, Deocremes, Körperbutter, Bambuszahnbürsten, Kosmetikpads und Stofftaschentücher.

Verkaufsschlager Haferflocken

Und welches Produkt verkauft sich am besten? “Tatsächlich sind Haferflocken der Bestseller“, erzählt Andreas. Das “unscheinbare, aber sympathische Produkt“ wird in 25-Kilo-Säcken geliefert. Eine Zustellung komplett ohne Verpackung ist bislang (noch) nicht möglich.

Haferflocken & Co. können sich die Kunden dann in ihre mitgebrachten Behälter abfüllen. Wer noch keine besitzt, kauft diese einfach bei “Annas Unverpacktes“. Papiertüten, Gläser, Edelstahlboxen und Büchsen, die aus Abfällen bei der Zuckerproduktion gemacht sind, stehen zur Auswahl.

Doch die meisten Kunden kommen nicht unvorbereitet und zufällig in den Laden. “Wir haben wenig Laufkundschaft, es sind vor allem Leute, die sich bewusst mit dem Thema Umwelt und Nachhaltigkeit auseinandersetzen“, berichtet Andreas. "Und die werden immer mehr". Darunter seien zwar viele Studenten, aber auch Jugendliche oder ältere Menschen aus der Nachbarschaft, die der kleine Unverpackt-Laden an das Tante-Emma-Geschäft von früher erinnert.

Haferflocken zum Abfüllen
Aus großen bulk bins können sich die Kunden in “Annas Unverpacktes“ ihre Ware in gewünschter Menge selbst abfüllen.

Kein Unverpackt-Laden in der Nähe? Geh online!

Auch wenn du an einem Ort lebst, an dem noch kein Laden eröffnet hat, der auf Verpackungen verzichtet, kannst du versuchen, deinen Müllverbrauch zu reduzieren. Es gibt immer mehr Onlineshops, bei denen du besonders gut Körperpflege- und Haushaltsprodukte unverpackt einkaufen kannst. Das Berliner Unternehmen “ Original Unverpackt“ etwa benutzt für den Versand wiederverwendete Verpackungen, auch der Kölner Unverpackt-Laden “ Tante Olga“ hat mit zerowasteladen.de einen Online-Auftritt und versendet die Lieferung verpackungsarm.

Und ansonsten gilt im Alltag: Plane deinen Einkauf und nimm langlebige Stoffbeutel mit, um die Waren zu transportieren, bevorzuge Mehrweg- gegenüber Einwegflaschen und -gläsern, kaufe loses Obst und Gemüse sowie Wurst und Käse an der Frischetheke, wo immer mehr Supermärkte erlauben, dass die Lebensmittel in mitgebrachte Behälter abgefüllt werden dürfen. So gelingt es dir, auch ohne Unverpackt-Laden in der Nähe weniger Müll zu produzieren. 

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