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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Platzgarten vom Platzprojekt Hannover

Oase mitten in der Großstadt: So geht Urban Gardening

von Sirany, 26.06.2018

Mehr Grün und weniger Grau – dieser Wunsch bewegt immer mehr (Groß-)Städter dazu, sich an Urban-Gardening-Projekten zu beteiligen. So auch Konstantin, der beim PLATZgarten in Hannover mitwirkt.

In der Stadt zu leben hat zwar viele Vorteile, doch einen Garten sein Eigen nennen zu dürfen, ist Luxus. Meist muss – falls überhaupt vorhanden – der kleine Balkon herhalten, um Blumen, Obst und Gemüse anzupflanzen. Oder man bewirbt sich um einen der heiß begehrten Schrebergärtenplätze und schreibt seinen Namen ans Ende einer ewig langen Warteliste.

Immer mehr Städter geben sich damit nicht mehr zufrieden und entdecken das Prinzip des Urban Gardening für sich: Sie tun sich in Gruppen zusammen, zweckentfremden und bepflanzen Brachflächen, Grünstreifen, Verkehrsinseln oder Dächer im Stadtgebiet als Nachbarschafts- oder Gemeinschaftsgärten.

Kleine Geschichte des Urban Gardening

Der Ursprung des Trends liegt in den USA, wo sich bereits in den 1970er-Jahren eine Art Garten-Guerilla zusammenschloss und die weniger werdenden Grünflächen zwischen den grauen Häuserschluchten von New York mit kleinen Kugeln aus Erde und Pflanzensamen bombardierte. Die sogenannten Seed Bombs, Saat-Bomben, sind mittlerweile auch in Deutschland erhältlich.

Und das Urban Gardening hat sich hier ebenfalls etabliert. Eines der ersten und größten Projekte sind sicherlich die Prinzessinnengärten in Berlin-Kreuzberg. Doch andere Städte müssen sich dahinter nicht verstecken. In Hannover etwa hat sich der PLATZgarten zu einer grünen Oase im ehemaligen Arbeiterstadtteil Linden gemausert.

Ein Projekt im Projekt: Der PLATZgarten Hannover

Der PLATZgarten ist Teil des 2014 gegründeten PLATZprojekts, das mit seinem innovativen DIY-Ansatz über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Junge Kreative haben Brachland am Lindener Hafen in ein lebhaftes Containerdorf verwandelt, um dort ihre Ideen und Projekte zu realisieren und selbstorganisiert wirtschaften zu können – ohne bürokratische Hürden oder hohe Mieten für Gewerbeflächen. Unter anderem gibt es hier schon einen Massageraum, ein Öko-Wander-Hotel, eine Mikrobrauerei, einen Kleiderverleih und eine Fahrradmanufaktur aus der Box. Und eben den PLATZgarten auf dem PLATZprojekt-Gelände.

Das macht den zentral gelegenen und dennoch ruhigen Gemeinschaftsgarten für Konstantin Schulz auch so besonders: “Es entsteht eine andere Dynamik und ein anderer Bezug dadurch, dass viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen zum Platz kommen und auf den Garten aufmerksam werden. Bei einem reinen Urban-Gardening-Projekt ist man unter sich, beim PLATZgarten kommen auch Menschen mit der Natur in Berührung, die vielleicht nicht unbedingt zu einem offenen Stadtgarten gehen würden. Für mich ist der Platzgarten ein Treffpunkt an einem Treffpunkt!“

Beet im Platzgarten Hannover
Ein Projekt im Projekt: die Beete des zum PLATZprojekt gehörenden PLATZgartens.

Jeder ist im PLATZgarten willkommen

Bei einer Veranstaltung des PLATZprojekts entdeckte Konstantin den hübschen Garten mit seinen vielen (Hoch-)Beeten und den improvisierten Gewächshäusern und war begeistert. “Natürlich wollte ich Kontakt zu netten Leuten haben, die sich genauso für Pflanzen interessieren. Und ich wollte meine Freizeit an einem schönen Ort verbringen – eine Art Ruhepol an einem festen Punkt auf der Stadtkarte, der mir bis dahin fremd war“, erzählt er. Als Konstantin daraufhin ein Treffen der PLATZgärtner im Herbst letzten Jahres besuchte, wurde er herzlich aufgenommen.

An den regelmäßigen wöchentlichen Treffen kann jeder teilnehmen, einmal im Monat finden außerdem Aktionstreffen am Wochenende statt, an denen dann größere Projekte in Angriff genommen werden, zum Beispiel der Bau einer Kompostanlage.

Die Ernte aus dem urbanen Garten wird gerecht aufgeteilt. Das funktioniert zum Beispiel, indem Gemeinschaftsaktionen geplant und umgesetzt werden, erklärt Konstantin. “Vor Kurzem haben wir Beeren geerntet, um daraus Marmelade zu kochen. Wundervolle Aktion! Hat lange gedauert, hat viel Freude bereitet und es gab ein leckeres Ergebnis: zwei kunstvoll verzierte Gläser Marmelade für alle, die mitgemacht haben – und es hat uns einander ein Stück nähergebracht.“

Geteilte Arbeit im Team Tomate

Konstantin ist jedoch nicht nur zur gemeinsamen Ernte oder bei den Versammlungen im PLATZgarten. Zwei- bis dreimal die Woche ist der 32-Jährige vor Ort, um sich um die Tomaten in den Gewächshäusern zu kümmern. Die Arbeit teilt er sich mit drei weiteren urbanen Gärtnern, seinem “Tomaten-Team“.

“Wir haben eine Vielzahl von Tomaten gepflanzt. Die unterschiedlichen Sorten haben wir zusammen großgezogen und jeder hat seine speziellen Sorten mit in den Anbau eingebracht. Gerade in der letzten heißen Phase mussten die Tomaten täglich gegossen werden. Wir haben uns die Tage zum Gießen dann einfach aufgeteilt. Und wenn wir verreist waren, haben wir uns abgesprochen, wie man es trotzdem so gerecht wie möglich organisieren könnte – das hat super geklappt.“

Abgesehen von Tomaten pflanzen die PLATZgärtner noch viel mehr Obst und Gemüse an: Kartoffeln, Zucchini, Bohnen, Rote Beete, Chilis, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren sowie Kräuter wie Basilikum und Minze sind nur einige Beispiele für die Vielfalt. Auch zwei Bienenvölker sind im PLATZgarten angesiedelt. Diese werden von Gärtnern betreut, die sich intensiv mit dem Imkern befassen und sogar Kurse dazu anbieten.

Tomaten im Platzgarten Hannover
Konstatin ist Teil des “Tomaten-Teams“, das sich im PLATZgarten um die Aufzucht und Pflege der Nachtschattengwächse kümmert.

Gemeinschaftsgarten mit Lerneffekt

Genauso wie das PLATZprojekt lebt der PLATZgarten vom DIY-Gedanken. Die Beteiligten lernen stetig (voneinander) dazu. Konstantin schätzt, dass die Kerngruppe aus 20 bis 30 Leuten besteht, 60 sind es wohl im erweiterten Kreis. Bei einer großen Versammlung im Frühjahr wurden Interessen und Wünsche ausgetauscht. Dann wurde aufgeteilt, wer sich um welches Beet und welche Pflanzen kümmert.

“Es werden aber auch Erfolge und Misserfolge der letzten Saison ausgewertet und mit für das nächste Gartenjahr eingebracht“, berichtet Konstantin. Und natürlich helfen sich die Gärtner untereinander aus, ziehen Unkraut im ganzen Garten, wässern mit, wenn eine Pflanze welk aussieht, oder tauschen Samen, Pflanzen oder Ideen, damit ihr PLATZgarten in Zukunft noch schöner wird. 

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