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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Weiblicher Bodybuilder mit Erfolg

Starke Frauen: Bodybuilding und der leidige Sexismus

von Jasmin, 25.05.2018

Lisa Drexler ist Bodybuilderin. Sie meistert ein hartes Training, gepaart mit strenger Diät und psychischem Wettkampf-Druck. Aber diese Tortur zahlt sich aus: Erfolge und Social-Media-Fans sind ihr Gewinn.

Angefangen hat alles mit dem Wunsch, eine bessere Trainerin sein zu können. Lisa studierte Sportwissenschaften und arbeitet seit dem Abschluss als Fitness-Coach. Das brachte sie dazu, erfolgreiche Athletinnen zu bewundern und nach demselben wohlgeformten Körper zu streben. „Wenn ich als Personal-Trainerin oder -Coach auf dem Markt Fuß fassen will, muss ich wissen, welchen Weg man gehen muss, um beispielsweise ein Sixpack zu bekommen“, erklärt die deutsche Meisterin in der Fitness-Figurklasse 2017. Das ist eine Art Vorstufe zum Frauen-Bodybuilding, bei der der wohlproportionierte Körper im Vordergrund steht. Als Athletin der International Federation of Bodybuilding and Fitness weiß sie, wie schwer es ist, den Traum von der perfekten Physis zu erfüllen – und kann ihre Schützlinge dadurch besser beraten.

Mit ihrem Know-how geht sie aber auch ganz gezielt an die Öffentlichkeit. Auf Instagram, ihrem YouTube Kanal und Facebook dokumentiert Lisa ihre Trainingsroutine, gibt Tipps zu Ernährung und Fitness und spornt ihre Zuschauer an, über sich hinauszuwachsen, wie sie selbst es auch immer wieder tut. Die Reaktionen fallen jedoch nicht immer dankbar aus, sondern schließen neben positivem Feedback auch sexistische Abwertungen mit ein.

Bodybuilderin Lisa Drexler beim Rückentraining
Lisa trainiert zu Spitzenzeiten – also vor einem Wettkampf – zweimal täglich, ernährt sich streng nur von Gemüse, Eiern und Fleisch und trinkt Unmengen an Wasser.

Lisas Sorge um die soziale Akzeptanz

„Als mein Trainer mir gesagt hat, dass ich genetisch am besten für die Fitness-Figurklasse geeignet sei, wollte ich das erst nicht wahrhaben. Ich dachte, ich würde dadurch unweiblich wirken, wäre nur noch ein Muskelprotz“, fürchtete Lisa. Aber dann ging es der ehrgeizigen Sportlerin um Erfolg. Sie hörte also auf den Rat ihren Trainers und auf ihren eigenen Körper. Der reagierte positiv auf das harte Training und bestärkte Lisa, doch über ihre zuerst angepeilte Bikiniklasse hinaus zu denken, in der nicht der maximale Muskelaufbau im Vordergrund steht, sondern die typische Bikini-Figur mit einem sportlichen Körper. Lisa wollte den Erfolg – unter der Prämisse „noch gesellschaftsfähig auszusehen “, wie sie schmunzelnd anmerkt. Mit der Fitness-Figurklasse fand sie ihren idealen Mittelweg.

Dass der aber auch immer eine Gratwanderung ist, ist ihr vollkommen klar. „Ich habe viele Muskeln und fühle mich manchmal wie ein Tier im Zoo. Wenn ich im Sommertop durch die Straßen laufe, schaut mich jeder an“, weiß sie. Dass sie anders ist, für den Großteil der Masse sogar abnormal, ist ihr zwar bewusst – ein Hindernis sei das aber noch lange nicht. „Viel wichtiger ist es, sich selbst zu verstehen. Also so fest im Leben zu stehen, dass man im Sport Vollgas geben kann. Es geht um Selbstwahrnehmung – besonders wenn man Erfolg haben will“, erklärt die Bodybuilderin.

Bodybuilderin Lisa Drexler Oberkörper
Auf ihren sozialen Kanälen ist Lisa sehr erfolgreich, bleibt aber auch leider vor missgünstigen oder sexistischen Attacken nicht verschont.

Social Media: Fluch oder Segen?

Aber sie weiß auch genau, wie schwer der Weg zum muskulösen Körper im digitalen Zeitalter tatsächlich ist. Denn Social-Media-Kanäle sind für die freischaffende Trainerin ein unverzichtbares Instrument auf ihrem Weg zum Erfolg und zur Selbstständigkeit. Hier kann sie sich der Fremdwahrnehmung allerdings nicht mehr entziehen. Und die drückt Lisa gerne einen gewissen Stempel auf. Sie ist eben die starke Sportlerin. Was sich hinter der körperlichen Fassade befindet, wollen nur die wenigsten Menschen entdecken. Dass auch sie sich verletzt fühlen könnte, wenn sie jemand auf Instagram als ekelhaft bezeichnet, scheint manchen Nutzern egal zu sein.

Lisa Drexler informiert in ihrem Instagram-Account lisadrexler_ifbb über 36.400 Sportbegeisterte über ihre sportlichen Hürden und Erfolge. Über ihren YouTube-Channel erreichen Interessierte vor allem Tutorials zu Training und Muskelaufbau. Per Facebook hält sie euch zudem auf dem Laufenden über ihre erfolgten YouTube-Uploads.

„Social Media ist eine kranke Welt, wenn es um Hass und Respektlosigkeit geht“, weiß die Bodybuilderin. Sie habe aber Glück. Ihre Community sei überwiegend ehrlich, freundlich und bestärke sie. Aber schwarze Schafe gäbe es immer wieder. „Das Schlimme ist, dass man selbst immer toleranter wird, aber immer mehr Intoleranz erfährt. Ich würde eine Person nie als fett bezeichnen oder gemein zu jemandem sein, der nicht so gut trainiert ist wie ich“, erklärt Lisa. Warum andere ihr dann bedenkenlos schreiben könnten, dass sie eklig oder wie ein Stier wirke, versteht sie nicht. Wäre die Kritik für sie inhaltlich nachvollziehbar oder würden jene Nutzer respektvoll kommentieren, dass Lisas Körper auf sie unästhetisch wirkt, wäre das für die Bodybuilderin absolut in Ordnung. Sexistisches Bodyshaming und die virtuellen Gängeleien einiger Männer überschritten aber die Grenzen des Verständnisses.

Allerdings hat die preisgekürte Sportlerin auch viele Bewunderer. Diese machen ihr manchmal sogar unmoralische Angebote. „Mich haben auch schon Nachrichten erreicht, in denen ich um Worshipping gebeten wurde. Dabei werden die angespannten Muskeln angetatscht und der Bodybuilder gestreichelt“, erläutert die Athletin. Derartige Einnahmequellen lehnt sie höflich ab. Bisher konnte sie auf charmante Art unliebsame Konflikte dieser Art auf sozialen Medien vermeiden.

Und so möchte Lisa auch weiterhin ihren Sport und ihre Medienkanäle betreiben. Denn die Powerfrau mag vielleicht einen Körper aus Stahl und einen Willen aus Eisen haben – aber sie hat auch ein Herz aus Gold und möchte mit ihrem profunden Wissen die Gesundheit vieler Menschen fördern. Denn eben genau weil sie immer wieder auf Ablehnung und Spott trifft, würde sie dies niemand anderem antun. Für Lisa gilt auch im digitalen Leben ein sportliches Motto: Fair Play.

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