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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Zwei Männer haben ein Business bei den sie selbst die Rucksäcke nähen

Handarbeit made with passion: Zwei Männer an den Nähmaschinen

von Jasmin, 06.08.2018

Es ist ein überdurchschnittlich warmer Sommertag, an dem sich A Few Good Friends mit Christian Karius und Stephan Porth trifft. In der Werkstatt der beiden 34-jährigen Jungs ist es ein wenig stickig, die Temperaturen klettern auf gefühlte 40 Grad. Trotzdem widmen sie sich mit Herz und vollem Körpereinsatz ihrer kräftezehrenden Handarbeit.

In der alten Werkhalle im Herzen von Schwerin stellen die beiden naturverbundenen Abenteurer ihre multifunktionalen und praktischen Rucksäcke her. Alles in minutiöser Eigenarbeit – vom Design über den Schnitt der Stoffe bis hin zur Fertigstellung mit der Nähmaschine.

A Few Good Friends: Zwei Jungs aus dem hohen Norden nähen Outdoor-Rucksäcke für Alpintouren. Ist ja nicht gerade naheliegend…

Stephan Porth: Liebe kennt eben keine geografischen Grenzen. Christian macht ziemlich gerne irre Montainbiketouren über die Alpen. Da war ihm sein megaschwerer Rucksack einfach im Weg. Mit Muttis alter Nähmaschine hat er sich dann selber Taschen zusammengebastelt, die er in den Fahrradrahmen klemmen konnte. So verteilt sich das Gewicht besser.

Also ist mit Muttis alter Nähmaschine eine Geschäftsidee entstanden?

Stephan Porth: Naja, Muttis Nähmaschine hat schnell aufgegeben. Christian hat immerhin ziemlich derbe Stoffe genommen – das hat das alte Ding nicht mehr geschafft.

Christian Karius: Ich wusste ja auch nichts von den richtigen Nadeln oder Nähgarn, wie man die Maschine einstellt und so weiter. Das war alles learning by doing. Und dann hat es angefangen, in meinem Kopf zu rattern. Mir kamen Ideen, wie ich Probleme mit dem Equipment auf Bergtouren lösen konnte. Ich habe mir dann immer mehr Taschen selber genäht. Und die kamen in meinem Freundeskreis so gut an, dass jeder eine haben wollte.

Männer bei der Konzeption, dem Design, Zuschnitt und der Näharbeit der Rucksäcke
Konzeption, Design, Zuschnitt, Näharbeit – ein Rucksack von Red Rebane entsteht in vollständiger Handarbeit.

Und so trudelten die ersten Aufträge ein?

Christian Karius: Tatsächlich wurde es so viel, dass ich ein Gewerbe anmelden musste. Das war anfangs meine One-Man-Company. Später ist ein Kumpel ist mit ins Projekt eingestiegen, wir haben uns dann zusammen unsere erste industrielle Nähmaschine gekauft.

Stephan Porth: Die Arbeit wurde irgendwann so viel, dass Christian Hilfe benötigte. Er hat mich daraufhin gefragt, ob ich ihn beim Nähen unterstützen könnte. Die Wahrheit ist allerdings: Mit dem Nähen habe ich gar nichts zu tun. Ich bin die Sekretärin hier und mache die ganze Organisation, Buchhaltung und Terminierung. Das ist sehr ärgerlich, ich hätte gerne mehr Zeit, um an der Nähmaschine zu stehen.

Wäre das aus betriebswirtschaftlicher Sicht denn auch nötig?

Stephan Porth: Bei uns geht es seit Gründung der GmbH immer nur bergauf, bergauf, bergauf. Alleine könnten wir das nicht mehr stemmen. Deswegen haben wir einen weiteren Freund mit ins Boot geholt, der Christian bei den handwerklichen Dingen hilft.

Christian Karius: Wir haben seit zwei Jahren auch zwei Angestellte, Natalia und Natascha. Ohne die würden wir mit der Produktion gar nicht hinterherkommen.

Frauen an den Nähmaschinen angestellt bei Red Rebane
So ganz alleine schaffen die beiden Jungs von Red Rebane die Arbeit dann doch nicht mehr: Natalia und Natascha helfen.

Red Rebane im Netz

Zusammen stehen Christian Karius und Stephan Porth für das junge Lable Red Rebane. Auf ihrer Webseite finden sich Infos zu ihren Produkten und ein überschaubarer Onlineshop. Wer sehen will, wo die beiden mit ihren Kreationen zu Testzwecken unterwegs sind, kann sich über Instagram ( Red Rebane) ein Bild machen. Noch mehr Infos gibt es bei Facebook ( Red Rebane).

Also sind es doch Damen an der Nähmaschine! Nähen ist allgemein ja auch nicht unbedingt ein Männerding. Hattet ihr anfangs ein wenig Berührungsängste vor dieser Frauendomäne?

Christian Karius: Nein, gar nicht. Für mich ist das ein Handwerk. Und die Nähmaschine ist ein Werkzeug in meinen Augen. In Syrien ist Näher beispielsweise ein reiner Männerberuf, mit dem Frauen gar nichts zu tun haben. Und auch in Deutschland werden häufig Nähmaschinen von stämmigen Männern bedient, zum Beispiel von Sattlern.

Stephan Porth: Ich glaube, die meisten sind überrascht davon, was für ein bunt zusammengewürfelter Haufen wir hier eigentlich sind. Ich habe auch mal genäht, ganz ohne Vorbehalte. Aber auf unserem Weg haben wir gemerkt, dass Arbeitsteilung durchaus einen tieferen Sinn hat und auch aus Zeitgründen nicht jeder an der Produktion beteiligt sein kann.

Könnt ihr euch denn vorstellen, warum Nähen meist mit Frauen in Zusammenhang gebracht wird? Oder warum Männer, die das gern machen, einen gewissen Ruf genießen?

Christian Karius: Ich glaube, das hängt auch viel mit den Stoffen zusammen, die man verwendet. Tüll oder Seide strahlen etwas ganz anderes aus als die Stoffe, die wir verwenden. Die wollen viele Frauen gar nicht anfassen, weil sie derb und grob sind.

Welche Stoffe sind das denn?

Christian Karius: Wir benutzen ausschließlich Cordura. Das ist ein zertifizierter und sehr robuster Stoff, der beispielsweise auch für Militär- und Arbeitskleidung verwendet wird. Der hält einiges aus. Unsere Rucksäcke halten dadurch im Schnitt zehnmal länger als vergleichbare Produkte.

Eine Tasche an einem Fahrrad als Verstaumöglichkeit
Mit einer Fahrrad-Tasche fing alles an.

Steckt darin auch euer Gedanke der Nachhaltigkeit?

Christian Karius: Genau das. Die Menschen haben sich angewöhnt, Dinge zu kaufen und sie nach einem oder eineinhalb Jahren zufrieden wieder wegzuschmeißen. Heute gilt es als Qualitätsmerkmal, wenn ein Rucksack ein Jahr lang nicht kaputt geht. Und genau dagegen kämpfen wir an. Deswegen sind unsere Materialien auch alle lizensiert und ultrahaltbar. Dadurch sorgen wir auch ein Stück weit für weniger Müll. Unsere Rucksäcke sollen noch in zehn Jahren Geschichten erzählen.

Stephan Porth: Unsere Prämisse ist immer Funktionalität gepaart mit Qualität. Unsere Taschen und Rucksäcke müssen etwas aushalten können. Und wenn sie mal kaputt gehen, können unsere Kunden sie auch zu uns bringen und wir reparieren sie, egal ob die Garantie abgelaufen ist oder nicht. So vermeiden wir zukünftigen Müll. Natürlich würden auch wir gerne mehr tun und die Welt retten – aber das muss man sich erst mal leisten können.

Apropos „leisten können“. Habt ihr Bedenken, dass eure Preise viele Interessenten abschrecken könnten? Ein Rucksack kostet immerhin zwischen 165 und 280 Euro. Ist Geiz nicht noch immer geil?

Christian Karius: Wir merken, dass es mittlerweile eine ganz starke Gegenbewegung gibt. Gerade Menschen in unserem Alter legen wieder vermehrt Wert auf Qualität – und wollen einen Rucksack haben, mit dem sie um die Welt reisen können. Wir haben viele Kunden, die uns erzählen, wo sie schon überall mit unseren Produkten waren und wie toll sie es finden, dass die ihre Touren immer wieder aufs Neue überleben.

Stephan Porth: Die größte Herausforderung ist sicherlich, den Menschen den Preisschmerz zu nehmen. Dafür kann man Werbung machen – oder mit den Leuten reden. Wir reden lieber mit ihnen. Wir laden sie zu uns ein und zeigen ihnen, wie das Produkt von der Pike auf bei uns entsteht. Dadurch sehen sie die Wertigkeit der Sache selbst und erkennen, dass unsere Rucksäcke lange treue Begleiter für sie sein können. Im Moment erzählen sie vielleicht nur eine Produktionsgeschichte – aber irgendwann werden sie eine Lebensgeschichte erzählen.

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