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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Susanne und Paul

Klare Regeln: So leben Susanne und Paul ihre offene Beziehung

von Florian, 25.04.2018

Für Susanne und Paul gibt es keine Alternative zur offenen Beziehung. Hier verraten die beiden, warum sie sich ausleben wollen und wie viele Fremd-Dates sie bereits hatten.

Susanne (29) und Paul (28) leben in Leipzig. Die freiberufliche Übersetzerin und der angehende Bestatter sind seit rund zweieinhalb Jahren ein Paar. Zum Termin mit A Few Good Friends empfangen mich die beiden in ihrer Wohnung auf einen Kamillenblütentee. Paul antwortet schnell, Susanne überlegt länger, während sie häkelt. Aber in den allermeisten Dingen, die ihre offene Beziehung angehen, sind sie sich einig. Im Interview verraten die beiden, welche Regeln es gibt, wie sie mit Eifersucht umgehen und warum sie schon sehnsüchtig auf die erste "sexpositive Party“ in Leipzig warten.

A Few Good Friends: Wann und wie habt ihr euch denn getroffen?

Paul: Wir haben uns im Dezember 2015 im Internet auf dem Portal JOYclub kennengelernt, eine Community für Sex und Erotik. Wir waren damals beide single und auch nicht auf der Suche nach einem neuen Partner. Doch das Date lief so gut, dass ich nicht nur eine Nacht, sondern das ganze Wochenende bei ihr geblieben bin. Und die Woche drauf bin ich dann schon wieder zu Susanne gefahren.

Susanne: Da hat man dann schon gemerkt, dass da irgendwie mehr im Spiel ist als nur Sex. Zwei Monate nach unserem ersten Date waren wir dann offiziell zusammen.

Und dann wart ihr euch von vornherein einig, dass diese Beziehung offen laufen wird? Wart ihr nicht über beide Ohren verknallt, sodass ihr ohnehin nicht an andere gedacht habt?

Susanne: Der Wunsch nach einer offenen Beziehung entwickelte sich ziemlich schnell. Ich glaub, die Phase der Verknalltheit haben wir ausgelassen (lacht). Der Ursprung kam eher daher, dass ich von Pauls Profil auf JOYclub wusste, was er für sexuelle Vorlieben hat. Und diese stimmen mit meinen nicht voll überein. Also wollte ich ihm die Möglichkeit geben, diese Vorlieben auch auszuleben. Würde er sie unterdrücken, kämen sie irgendwann mit Macht zum Vorschein und könnten die ganze Beziehung zerstören. Und ich wiederum habe generell viel Lust auf Sex und auch auf Abwechslung.

Paul und Susanne
Festhalten und dennoch loslassen können: Paul und Susanne führen eine offene Beziehung.

Das bedeutet dann ja aber nicht automatisch, dass Paul es auch in Ordnung findet, wenn du dich mit anderen Männern triffst...

Paul: Das wäre ja ziemlich asozial von mir, würde ich ihr das dann verbieten. Aber die Idee zu einer solchen Lebensform kam mir früher ohnehin schon in den Kopf. Bisher war ich, genauso wie Susanne, nur in monogamen Beziehungen. Und der Reiz, alles Sexuelle ausleben zu können, war schon immer da.

Wann kam es denn dann zum ersten Fremd-Date – und wie war das für euch?

Paul: Wie waren etwa ein halbes Jahr zusammen, als ich zu Susanne kam und ihr sagte, dass ich da ein Mädel kenne, das ich gerne daten würde. Sie gab mir das Okay und ich hatte eine schöne Nacht.

Susanne: Ich hatte mir zeitgleich eine Verabredung gesucht. Mein Date hielt aber nicht so ganz, was es versprach. Zum einen war ich wahnsinnig aufgedreht, zum anderen passte es mit dem Kerl einfach nicht so gut. Komischerweise hatte ich auf dem Rückweg zu Paul das Bedürfnis, ihm eine Blume zu kaufen. Und ich bin normalerweise niemand, der Blumen kauft.

Und dann habt ihr euch gegenseitig ausführlich berichtet, was ihr so getrieben habt?

Paul: Nee, das wollten wir auch gar nicht so genau wissen. Keine Details. Das war eher so ein Gespräch nach dem Motto: „Na, hast du einen schönen Abend und Spaß gehabt?“ Und dann war das Thema auch gegessen.

Wie viele fremde Einzel-Dates hattet ihr in den zwei Jahren eurer offenen Beziehung denn schon?

Susanne: Ich glaube, fünf. Das liegt aber auch daran, dass ich keinen gefunden habe, bei dem alles gepasst hat. Das Ziel ist schon, jemanden für eine langfristige Spielbeziehung zu finden, denn der Sex wird ja in der Regel von Mal zu Mal besser.

Paul: Ich nur zwei, bei denen es dann auch zur Sache ging. Das lag aber auch daran, dass beim Kennenlernen oft schon klar wurde, dass es nicht passt.

Susanne und Paul
Susanne und Paul fühlen sich trotz offener Beziehung stark zueinander hingezogen.

Wie läuft das denn genau ab, wenn ihr fremdgeht? Kann ich mir das so vorstellen: „Du, ich fahr heute nach der Arbeit zu Maria, morgen um 10 Uhr bin ich wieder da, mach doch schon mal Frühstück.“?

Susanne (lacht): Das hast du schon ganz gut erfasst. Wir haben aber gewisse Regeln, an die wir uns halten. Dazu gehört immer ein erstes Kennenlern-Date, bei dem es keinen Sex gibt. Dann feste Zeiten, wann das Date spätestens beendet wird. Dazu lassen wir uns den Ausweis der fremden Person zeigen und der Partner weiß beim ersten richtigen Sex-Date immer, wo wir uns gerade befinden. Trotz aller Regeln – der eine hat Sex, der andere saugt zur selben Zeit vielleicht die Wohnung.

Seid ihr da nicht eifersüchtig auf den, der gerade Spaß hat?

Susanne: Paul ist da völlig entspannt. Auf einer Eifersuchts-Skala von 0 bis 100 liegt er vielleicht bei einer 3. Bei mir sieht das anders aus: Zu Anfang lag ich vielleicht bei 50, mittlerweile gehe ich damit aber auch gelassener um und bin so bei 20. Ich suche mir aber schon aktiv eine Ablenkung, wenn Paul mit einer anderen Frau schläft, damit ich nicht daran denken muss. Tue ich es doch, sticht es schon ein bisschen.

Ist diese Eifersucht nicht auch begründet? Schließlich seid ihr selbst das beste Beispiel, dass guter Sex innerhalb kürzester Zeit mit Gefühlen einhergehen kann – und plötzlich steht die Beziehung auf dem Spiel.

Paul: Das kann natürlich passieren, ist aber eher unwahrscheinlich, da alles, was in Richtung Polyamorie geht, nicht unser Ziel ist. Ich denke mir dann immer, dass das, was ich mit Susanne habe, so wohl schwer in einer anderen Frau zu finden ist.

Susanne: Wenn ich bemerke, dass sich bei mir Gefühle für eine andere Person einstellen, bleibe ich dieser Person aus Selbstschutz einfach fern. Allerdings müsste ich auch erst einmal viel Zeit mit jemandem verbringen, damit ich mich überhaupt verknallen könnte. Und so viel Zeit haben wir erstens gar nicht und zweitens begrenzen wir unsere Fremd-Dates ja auch auf maximal eine Nacht am Stück.

Was macht ihr, wenn eure Beziehung mal kriseln sollte? Behaltet ihr die Offenheit dann auch bei? Ist die Chance dann nicht ungleich größer, dass ihr euch entfremdet?

Paul: Ich glaube, wer eine Beziehung einmal geöffnet hat, kann sie später nicht wieder schließen. Mindestens einer der Partner wird damit nicht glücklich werden. Es ist viel entscheidender, dann an den Knackpunkten zu arbeiten, die die Krise verursacht haben. Offene und ehrliche Kommunikation ist das Wichtigste. Wir hatten aber zum Glück noch keine richtig schwere Phase.

Geht ihr nur alleine mit anderen Menschen ins Bett oder trefft ihr zusammen auch andere Pärchen?

Paul: Wir sind zusammen auch in Swingerclubs gegangen, allerdings kam es dort nur einmal zu einer intensiveren Begegnung mit einem anderen Paar, das wir dann später nochmal privat getroffen haben. Außerdem gibt es hier in Leipzig aktuell kaum coole Veranstaltungen. Wir waren einmal in Dresden auf einer „sexpositiven Party“. Das sind Partys, auf denen es auch zu Sex kommen kann, der aber nicht im Mittelpunkt steht – und das war toll. Wir warten schon sehnsüchtig, dass solche Partys auch mal bei uns in der Nähe stattfinden.

Ist das Konzept der Monogamie in euren Augen überholt?

Paul: Genetisch gesehen ist es längst überholt und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es monogame Beziehungen gibt, in denen nicht auch beide Partner ab und zu Lust hätten, sich anderweitig auszuleben, Männer wie Frauen. Die stauen das dann auf, und ob das besser ist, weiß ich nicht.

Würde sich für euch etwas ändern, wenn ein Kind in euer Leben tritt?

Paul: Das würde auf jeden Fall viel ändern. Doch darüber müssen wir uns keine Gedanken machen.

Susanne: Ich habe mich bereits sterilisieren lassen.

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