menu
A Few Good Friends
Eine Initiative der
Junger Mann macht einen Blindtest mit einer Frau, deren Augen verbunden sind

Bist du markengeil? Warum wir alle mal einen Blindtest machen sollten

von Florian, 02.08.2018

Wenn du in den Supermarkt gehst, greifts du meist zur teuren Markenware? Und oft auch zur selben Marke? Überprüfe deine Vorurteile gegenüber den Konkurrenzprodukten doch mal und mach einen Blindtest.

Eine gute Freundin, nennen wir sie Anna, ist überzeugte Diät-Cola-Trinkerin. Auf eine Flasche pro Tag kommt sie locker. Beim wöchentlichen Einkauf im Supermarkt hat sie die Auswahl zwischen mehr als zehn verschiedenen Anbietern dieses Getränks. Doch immer greift Anna zur gleichen Sorte: Der Marktführer muss es sein, koste es, was es wolle. Schmeckt einfach am besten.

Kann ja sein, und wenn die Geschmacksunterschiede wirklich so erheblich sind wie die Preisunterschiede, will ich ihr den Genuss auch nicht madig machen. Dennoch hab ich eines Tages Annas Leib-und-Magen-Getränk sowie drei Cola-Light-Konkurrenzprodukte gekauft, ihr die Augen verbunden und sie einen Blindtest machen lassen. Anna sollte die vier Gläser nach der Schmackhaftigkeit ihres Inhalts sortieren – und das Ganze zweimal hintereinander, um Zufällen entgegenzuwirken.

Das Fazit: Der erste Durchgang führte zu anderen Ergebnissen als der zweite, das vermeintliche Lieblingsgetränk landete auf Platz zwei bzw. drei. Anna konnte die Cola, die sie seit Jahren kauft, also weder erschmecken noch mundete sie ihr am meisten. Die logische Konsequenz für sie wäre jetzt gewesen, fortan zum geschmacklichen Blindtestsieger zu greifen, der im Schnitt sogar noch um rund ein Drittel günstiger ist. Doch ein paar Wochen später fand ich beim nächsten Besuch die altbewährte Markencola in Annas Kühlschrank wieder.

Ob mit Cola oder anderen Produkten – so wie Anna geht es wohl vielen, die aus purer Gewohnheit oder dem Glauben, teure Markenprodukte seien per se besser als die Konkurrenz, die ohne große Werbung auskommt, ihr Geld zum Fenster hinausschmeißen und gleichzeitig auf Qualität verzichten. Der Kauf von Markenprodukten hat Belohnungscharakter und wird oft durch unbewusste Prozesse gesteuert, sagt die Forschung. Manchmal würde auch das Motiv dahinterstecken, mit dem Kauf eines Markenartikels Status und Wohlstand zu demonstrieren.

Nuss-Nougat-Creme ist ein weiteres Beispiel: Wie oft höre ich von anderen, dass der Marktführer einfach viel besser schmeckt als die Mitbewerber – einem Blindtest hat sich jedoch noch niemand unterzogen. Und auch Biertrinker schwören oft auf ihr Lieblingspils, dabei können nicht mal sensorisch geschulte Profis zweifelsfrei Unterschiede zwischen aus der Fernsehwerbung bekannten Bieren ausmachen. Viele Biere der großen Brauereien sind schlichtweg auf einen Massengeschmack genormt.

Zwei Produktgruppen schießen in dieser Hinsicht aber den Vogel ab: Weine und Parfüms. Bei Parfüms ertappe ich mich sogar selbst, im Designerwahn gefangen zu sein: Egal, wie er riecht, einen Duft vom Discounter würde ich mir wohl nicht ins Badezimmer stellen, auch wenn er nur ein Zehntel meines Duftwassers kostet.

Und Wein ist der absolute Blindtest-Klassiker: Menschen geben horrende Summen für einen "guten" Wein aus, obwohl in mehreren Verkostungen sogar Sommeliers daran scheiterten, günstigen Supermarktwein vom vermeintlich edlen Tropfen zu unterscheiden. Vom Erkennen des Anbaugebietes oder der Rebsorte ganz zu schweigen. Der französische Wissenschaftler Gil Morrot hat 54 Weinexperten rot gefärbten Weißwein vorgesetzt. Bei der Riechwahrnehmung hat nicht einer(!) den Schwindel bemerkt, einige lobten sogar die intensive Waldbeerennote. Den obligatorischen Geruchstest bei der Weinbestellung in einem Restaurant kannst du dir also guten Gewissens sparen.

Wie hat dir der Artikel gefallen?
0
2
×

Einwilligungserklärung für die Nutzung der Social Media Plugins

Für die Nutzung von Social-Media-Dienstangeboten diverser Unternehmen stellen wir Ihnen Social-Media-PlugIns zur Verfügung. Diese werden in einem 2-Klick-Verfahren auf den Online-Angeboten der AOK eingebunden. Die AOK erfasst selbst keinerlei personenbezogenen Daten oder über deren Nutzung mittels der Social PlugIns. Über diese PlugIns können jedoch Daten, auch personenbezogene Daten, an die US-amerikanischen Diensteanbieter gesendet und gegebenenfalls von diesen genutzt werden. Das hier eingesetzte Verfahren sorgt dafür, dass zunächst keine personenbezogenen Daten an die Anbieter der einzelnen Social-Media-PlugIns weitergegeben werden, wenn Sie unser Online-Angebot nutzen. Erst wenn Sie eines der Social-Media-PlugIns anklicken, können Daten an die Dienstanbieter übertragen und durch diese gespeichert bzw. verarbeitet werden.

close