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"Wie geht's dir?": Über die oberflächlichste aller Fragen der Welt

von Johanna, 10.01.2018

Eigentlich sollten diese drei kleinen Worte Interesse am Gegenüber bekunden. Stattdessen werden sie als Höflichkeitsfloskel missbraucht. Wie es einem wirklich geht, will kaum einer wissen.

Eines vorweg: Ich habe grundsätzlich nichts gegen die Frage nach dem Befinden – sofern sich die fragende Person auch wirklich dafür interessiert. Leider ist immer häufiger das Gegenteil der Fall. Ein Beispiel: Ich begegne XY auf der Straße. XY sagt in einem Rutsch "Hi. Wie geht's?" und läuft weiter. Ist das nicht unsinnig? Schon klar, die Person wollte nur höflich sein, aber ich finde, damit werden die Worte nur ihrer Bedeutung beraubt, quasi sinnentleert.

Und selbst, wenn das Gegenüber die Antwort abwartet, weiß man doch, dass es ihn oder sie nicht wirklich interessiert. Vielmehr handelt es sich um eine von vielen Small-Talk-Belanglosigkeiten, die abgespult werden, wenn man einem Bekannten begegnet, der das eigene Leben nicht wirklich tangiert. Der nach seinem Befinden Befragte durchschaut die Farce und antwortet entsprechend unehrlich mit einem "Gut" oder "Okay" – dabei ist ihm vielleicht gerade zum Heulen zumute, er ist wütend oder anderswie emotional aufgeladen. Es stehen sich also zwei Menschen gegenüber, die einfach nur Theater spielen – und das noch nicht einmal gut!

Ich plädiere dafür, dass wir uns diese Oberflächlichkeit ersparen. Ich tappe selbst manchmal in die Floskel-Falle, vermutlich um peinliche Stille zu vermeiden. Dabei ist ein ehrliches Schweigen doch viel höflicher als ein verlogenes "Wie geht's dir?".

Natürlich kommt es vor, dass sich Menschen wirklich dafür interessieren, ob es dem anderen gut geht. Nicht immer wird die Frage jedoch gut aufgenommen. Ich habe bereits erlebt, dass Leute daraufhin mit einem gereizten "Wie soll es mir schon gehen!" reagierten. Dabei lag der Frage ehrliches Interesse nach dem Befinden zugrunde. Woher rührt diese Schroffheit? Das muss natürlich individuell betrachtet werden. Ein häufiger Grund ist jedoch, dass viele die Ernsthaftigkeit der Frage anzweifeln, weil sie derart missbraucht wird. Das rechtfertigt zwar nicht das rüde Verhalten des Befragten, aber vielleicht sensibilisiert es unseren Umgang mit Worten.

Ehrliches Interesse lässt sich auch auf andere Weise bekunden. Wie wäre es beispielsweise mit einem "Bist du gerade glücklich?" oder "Was beschäftigt dich?". Derart tiefgehende Fragen stellt man eher keinem x-beliebigem Kollegen. Aber Menschen, die einem am Herzen liegen. Ob daraus ein philosophischer Diskurs entfacht oder eine knappe Antwort kann der Befragte dann ja immer noch für sich entscheiden. In jedem Fall stiftet die ernst gemeinte Frage Mitgefühl und vielleicht auch ein kleines bisschen Geborgenheit.

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