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Facebook-Account löschen: Digitale Vereinsamung oder Befreiung?

von Florian, 28.02.2018

Hast du noch deinen Facebook-Account oder bist du der Datenkrake schon entflohen? Florian und Sirany haben unterschiedliche Ansichten über das größte soziale Netzwerk.

Flo: Pro Facebook: Kontakt halten und unterhalten werden

Anna und Andrea waren mal gute Freundinnen. Doch nach dem Studium zog es uns in unterschiedliche Städte und in unterschiedliche Berufe. Der Kontakt wurde weniger und irgendwann verschwanden beide mehr oder weniger von meiner Bildfläche. Andrea mehr, Anna weniger. Denn Anna pflegt im Gegensatz zu Andrea seit der Studienzeit ihren Facebook-Account, postet ab und an mal ein Bild und teilt ihre Favoriten. Ich freue mich immer, auf diese Weise noch ein wenig an ihrem Leben teilzuhaben und ihren Werdegang verfolgen zu können.

Facebook ist für mich eine schöne Möglichkeit, mit vielen Leuten zumindest sporadisch Kontakt zu halten. Oder auch jemanden wiederzufinden. Wie meine kanadische Austauschschülerin, die ich dank des sozialen Netzwerks bei meinem letzten Trip nach Montreal wiedersehen konnte. Nicht zu verachten ist auch das Schwarmwissen: Wer kann einen Tipp für eine Unterkunft im Urlaub geben, wer kann mein PC-Problem lösen, wer will mit auf ein Konzert kommen.

Nicht zuletzt dient mir Facebook als Quelle der Unterhaltung und Information. Die gelikten Seiten von Nachrichtenportalen, Künstlern oder Unternehmen versorgen mich mit Inhalten, die mich größtenteils ansprechen. Wie viel ich über diese Vorlieben hinaus selbst von mir preisgebe, bleibt ja mir überlassen.

Natürlich bin ich vorsichtig, poste keine intimen Inhalte und passe meine Einstellungen zur Privatsphäre immer mal wieder an. Zudem ändere ich regelmäßig mein Passwort, um zu verhindern, dass mein Account gehackt wird. Und ich kann damit leben, dass Facebook meine Nachrichten und Daten analysiert und mir auf dieser Basis zum Beispiel personalisierte Werbung zukommen lässt. Das machen andere Anbieter schließlich auch und manchmal sind sogar Angebote dabei, die mich wirklich interessieren.

Sirany: Contra Facebook: Informationsflut an beliebig austauschbaren Inhalten

Ich gebe es ja zu: Meinen Facebook-Account komplett gelöscht habe ich noch nicht. Allerdings schaue ich in letzter Zeit immer seltener dort vorbei. Und wenn ich mich einlogge, dann sehe ich in erster Linie folgende Inhalte in meinem News-Feed: Fünf Freunde wurden unter peinlichen, witzigen oder süßen Fotos und Videos markiert (gähn!), einer postet Bilder von seiner Bein-OP (ewww!), eine andere teilt einen perfekt ausformulierten Text zum Thema Feminismus (Gefällt mir!) und Pärchen XY macht Urlaub in Sri Lanka (Neid!).

Das Problem mit diesen Beiträgen: Entweder sind die Posts bei Facebook mittlerweile beliebig und austauschbar geworden („Markiere jemanden, der ...“), einen Tick zu privat oder aber sie halten dem Nutzer die eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeiten vor Augen. Warum kann Tina von Bali aus arbeiten? Wieso hat Tim schon wieder einen so geistreichen Artikel geschrieben? Und wie oft fliegt Lena eigentlich pro Jahr in den Urlaub? Solche Fragen führen dazu, dass ich mich durch die Beiträge bei Facebook nicht mehr wie mein Vorredner Flo gut unterhalten, sondern schlecht fühle. Die digitale Selbstvermarktung nimmt hier mittlerweile überhand und ich vermisse die Zeiten, als Annika noch banale Dinge wie "Habe heute Pizza zum Frühstück gegessen" gepostet hat.

Natürlich könnte ich mir auch originelle Beiträge zu Themen, die die Welt bewegen, überlegen, um diese bei Facebook zu teilen. Aber ganz ehrlich: Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Bei der Informationsflut auf den Social-Media-Kanälen würde nur ein Bruchteil meiner Freunde den Post überhaupt wahrnehmen – geschweige denn, aufmerksam durchlesen –, bevor er gar nicht mehr auf deren Wall erscheint, weil immer neue Inhalte nachrücken.

In erster Linie nutze ich Facebook deshalb nur noch für das geballte Schwarmwissen, Geburtstags- und Veranstaltungserinnerungen. Da gebe ich Flo recht, dass das äußerst praktisch ist. Ich könnte mir aber auch wieder einen Kalender zulegen oder meine Freunde einfach anrufen, wenn ich Hilfe benötige – und meinen Account endgültig deaktivieren.

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