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Junge Frau stöbert auf dem Flohmarkt

Möbel vom Flohmarkt: Vintage-Schätze oder Sperrmüll-Plunder?

von Sirany, 12.06.2018

Im schwedischen Möbelhaus einkaufen kann jeder. Wer die eigenen vier Wände individueller einrichten will, schaut sich woanders um. Etwa auf dem Flohmarkt. Lohnt sich das? Jasmin und Sirany diskutieren.

Sirany: Pro – Auf dem Flohmarkt findest du ungeahnte Schätze

Nicht jeder hat das große Los gezogen und konnte bei der Hausratsauflösung der Großtante feinste Retro-Sofas, hübsche Nachtschränkchen und alte Teppiche davontragen. Und wenn ich mich beim Antiquitätenhändler umschaue, weiß ich nicht, ob ich angesichts der zum Teil echt unverschämten Preise gleich schreiend wieder rausrennen oder in hysterisches Gelächter ausbrechen soll.

Da ich meinem Zuhause aber trotz kleinem Geldbeutel so langsam zu etwas mehr Individualität abseits von Billy- und Kallax-Regalen verhelfen will, ist ein Flohmarkt der passende Ort für mich, um mich nach Secondhand-Möbeln umzuschauen. Hier schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen habe ich eine angenehme Wochenendbeschäftigung, weil ich es ohnehin genieße, mich bei gutem Wetter über die Märkte der Stadt treiben zu lassen. Zum anderen kann ich im Idealfall ungeahnte Vintage-Schätze aus den Tiefen des einen oder anderen Standes bergen und gehe happy mit meinem Glücksgriff nach Hause.

Zugegeben, ein bisschen ist das wie Lotto spielen: Es braucht oft Zeit und Geduld, bis man so einen Fund macht und eine Strategie, um den Verkäufer zu überzeugen, mit dem Preis doch noch ein wenig runterzugehen. Aber die Beharrlichkeit zahlt sich in der Regel aus.

Natürlich kaufe ich auf dem Flohmarkt nicht jeden Ramsch. Wenn ein Sessel zu abgewetzt aussieht oder ein Schrank den Anschein erweckt, als käme er direkt vom Sperrmüll, kaufe ich die Möbel nicht. Aber ein wackliger Tisch lässt sich prima runterhandeln und steht dank richtiger Stabilisation schnell wieder wie eine Eins.

Außerdem gibt es ja noch die DIY-Bastler, die die Herausforderung lieben (zu denen gehöre ich übrigens nicht) und runtergerockte Möbelstücke restaurieren oder sogar selber polstern können. Für sie ist der Flohmarkt eine wahre Fundgrube. Aber auch wer handwerklich nicht besonders talentiert ist, sollte bedenken, dass Shabby Chic mit Gebrauchsspuren eh ziemlich angesagt ist.

Jasmin: Contra – Flohmärkte entwickeln sich langsam zur Abzocke

Achja, das schicke Vintage-Schränkchen, der vom Erben nicht gewollte Perserteppich oder das hübsche, handbemalte Teeservice … Auch ich träumte von den vergrabenen Schätzen, die sich geschickt zwischen wertlosen Tand und Plunder schummeln und von mir vor dem unverdienten Sperrmülltod gerettet werden könnten. Da war ich wohl genauso romantisch verklärt wie Sirany. Den Einzug in meine neue Wohnung machte ich mir zum Anlass, gemeinsam mit meinem Herzbuben über die Flohmärkte der Stadt zu schlendern – in der Hoffnung, verträumte Samstagvormittage wie aus einem Märchen voller versunkener Goldtruhen und spannender Expeditionen zu erleben.

Aber die Ernüchterung kam schneller, als mir lieb war. Wenn Sirany hyperventilierend oder weinend aus einem Antiquitätengeschäft rennt, bin ich mir nach meinen Flohmarkt-Besuchen nämlich gar nicht mehr so sicher, ob sie nicht eher vor denen die Flucht ergreifen sollte. Da wird alles als Vintage oder Retro bezeichnet, was nur abgehalftert genug aussieht. Kontrolliert das irgendwer? Nö – ich soll einfach glauben, dass es sich um einen antiken Bilderrahmen aus dem viktorianischen Zeitalter handelt und nicht um ein schlecht golden angesprühtes Überbleibsel aus der abgebrochenen Schreinerlehre des Verkäufers.

Echte Vintage-Schätze und Antiquitäten bekommt man nicht geschenkt, auch nicht auf einem Flohmarkt. Klar gibt es immer mal wieder die eine Privatperson, die gar nicht weiß, was Oma ihr da Wertvolles vererbt hat und darin nur Nippes sieht. Aber das ist mittlerweile die Ausnahme geworden. Vintage, Retro und Shabby sind heutzutage Geschäftsmodelle – und viele Verkäufer auf Flohmärkten Profi-Seller. Da werden Möbel als Antiquitäten verkauft, die reif für die Tonne sind.

Und das dann auch noch zu astronomischen Preisen. Wer schon mal über beliebte Möbelflohmärkte geschlendert ist, weiß, dass hier kaum mehr Schnäppchen zu finden sind. Je hipper das Klientel, desto astronomischer werden die Preise. Ziemlich schade eigentlich, denn ein bisschen Abwechslung von der schwedischen Standardware wäre – wie Sirany geschrieben hatte – ehrlich schmuck. Vielleicht finde ich ihn irgendwann ja noch – den günstigen Flohmarkt mit dem original Jugendstil-Sekretär. Meine Hoffnung schwindet aber mit jedem Versuch ein Stückchen mehr.

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