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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Fußball-Fans beim Public-Viewing

Public Viewing zur WM 2018: Großer Spaß oder nerviges Massenevent?

von Florian, 22.05.2018

Während der Fußball-WM in Russland werden sich wieder Tausende zum Public Viewing versammeln. In fast allen deutschen Städten wird das kollektive Fußballgucken organisiert, so gut wie jeder Biergarten und jede Kneipe stellt Leinwände auf. Ist dieses Gemeinschaftserlebnis einen Besuch wert? Florian und Jasmin sind unterschiedlicher Ansicht.

Florian: Pro – Unvergessliche Momente gibt es nur im Kollektiv

Kein anderes wiederkehrendes Event unserer Zeit bringt uns so zusammen wie eine Fußball-WM. Männer und Frauen aus allen sozialen Schichten, die mit dem runden Leder eigentlich nichts am Hut haben, fiebern während der Deutschland-Spiele plötzlich 90 Minuten oder länger Arm in Arm mit hartgesottenen Fans der Nationalmannschaft mit. Ein Anflug von Gänsehaut kommt über den Körper, wenn Hunderte gemeinsam aufspringen. Die Begeisterung schwappt über, wenn die DFB-Elf ein Tor schießt. Das Gemeinschaftserlebnis brennt die Siege fest ins Gedächtnis.

Fußball ist eben ein Mannschaftssport. Das gilt nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Fans. Denn unvergessliche Momente gibt es nur im Kollektiv. Es ist die faszinierende Stimmung, die während eines WM-Spiels aufkommt, die die Menschen in Scharen zum Public Viewing lockt. Quasi ein Stadionersatz. Fangesänge anstimmen, Bierchen trinken, die Freude herausschreien – all das ist zusammen mit Gleichgesinnten viel schöner als auf dem heimischen Sofa. Und ganz nebenbei entgeht der Public Viewer aufgrund der Umgebungslautstärke auch noch den meist unsäglichen TV-Kommentaren und -Interviews zum Spiel.

Zudem trägt kaum ein anderes Event derart zur Völkerverständigung bei wie eine WM – sofern man bereit ist, auf der Fanmeile andere Menschen außerhalb seines gewohnten Umfelds zu treffen. Auch wenn sich zwei Nationen für die Dauer des Spiels auf dem Rasen bekämpfen und die Fans sich beim Public Viewing mit Schlachtgesängen gegenseitig anstacheln, so kommt man nach dem Spiel doch meist zusammen, tröstet die Verlierer, redet über Fußball und Gott und die Welt.

Und last but not least: Public Viewing ist eine große Party, auf der so einfach geflirtet werden kann wie kaum irgendwo sonst. Vor allem fußballverrückte Frauen haben schnell jede Menge Fans. Der Fußball verbindet und eignet sich perfekt als Steilvorlage für die Kontaktaufnahme. Einen geistreichen "Anmachspruch" erwartet hier niemand.

Jasmin: Contra – Kollektives Besäufnis mit Randale, Müll und Gestank

In einem Punkt stimme ich mit Florian überein: Beim Public Viewing kommt man zusammen. Und genau das ist auch der Haken an der Sache. Es kommen alle – neben echten Fußballfans und Familien mit Kindern heißt das: Betrunkene, Krawallmacher, Müllweltmeister und leider auch Nationalisten, die den Sport als Werbefläche für ihre kruden Weltanschauungen missbrauchen. Da hissen auf einmal wieder alle die Deutschlandflaggen, quellen vor Nationalstolz über und schimpfen über unsere sportlichen Kontrahenten.

Von Florians Völkerverständigung sehe ich leider nicht viel, obwohl ich mir so ein romantisches Szenario voller bierseliger Kameradschaft wirklich wünschen würde. Stattdessen beobachte ich immer wieder, wie kulturelle Vorurteile von betrunkenen Krawallmachern geschürt werden. Natürlich machen das nicht alle Public Viewer. Aber die, die es tun, sind dabei sehr laut und übertönen die leisen Stimmen der brüderlich gesinnten Fußballfans.

Zugegeben, es ist nicht alles nur Nationalismus bei der WM. Nein, es gibt auch massenhaft Müll. Besonders viel davon scheint vor meiner Haustür zu landen – die vermeintlich zivilisierten Fans schmeißen ihn kurzerhand in meinen Vorgarten. Ich komme nämlich seit Jahren in den “Genuss“, in der unmittelbaren Nähe einer Fanmeile zu wohnen. Bierdosen, Kondome, Essensreste. Spaß ist das nicht. Aber immerhin: Pfand sammelt sich an, danke für das “Trinkgeld“.

Was in der Zeit dagegen Mangelware ist: Schlaf. Den rauben die feierwütigen Hardcore-Fans Anwohnern nämlich bis in die frühen Morgenstunden. Dröhnende Musik wechselt sich dabei mit misstönendem Gegröle und minderschönen Fangesängen munter ab bis fünf Uhr.

Liebe Public Viewer, lieber Florian, ich hab nichts gegen euch, solange ihr euch wie anständige Menschen verhaltet, euren Müll wieder mit nach Hause nehmt und nur eine Nacht durchfeiert, nicht sieben hintereinander. Euer Spaß sei euch gegönnt – aber ein bisschen mehr Rücksicht auf andere würde vielen, die sich unter euch tadellose Fans mischen, nicht schaden.

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