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Junge Frau macht abwehrende Handbewegung.

Die Nein-Sagerin: Über das Glück, dankend abzulehnen

von Sirany, 29.12.2017

„Nein, danke“, es sind nur zwei kleine Wörter, die manchmal doch so schwer über die Lippen kommen. Warum? Weil es einfacher ist, „Ja“ zu sagen. Aber ich bin lieber Nein-Sagerin.

Notorische Ja-Sager tun mir leid. Sie lassen sich von jedem etwas aufschwatzen. Egal, ob Freunde („Meine Katze ist krank, können wir die Silvester-Party mit den 100 Facebook-Zusagen vielleicht zu dir verlegen?“), Kollegen („Es ist zwar eine halbe Stunde vor Feierabend, aber könntest du mir bitte noch das Telefonat mit dem Kunden, der nie aufhört zu reden, abnehmen?“) oder die Familie („Kind, du bist so schmal geworden, möchtest du noch einen Teller von der Lebersuppe?“) – sie alle werden schnell herausfinden, dass sie mit Ja-Sagern leichtes Spiel haben.

Denn aus mir unerfindlichen Gründen bringen diese Menschen nicht den Mut auf, auch mal „Nein“ zu sagen. Zu wenig Durchsetzungsvermögen, Angst, das Gegenüber vor den Kopf zu stoßen oder das starke Bedürfnis, dem anderen gefallen zu wollen, dürften dabei sicher eine Rolle spielen. Ganz frei davon machen will ich mich natürlich nicht. Zu oft in meinem Leben habe auch ich „Ja“, „Ist mir egal“ oder einfach gar nichts gesagt, während es in meinem Kopf „Nein“ geschrien hat. Im Nachhinein habe ich mich dann darüber schwarzgeärgert, nicht zu meiner Meinung gestanden zu haben.

Das ist sicher nicht so tragisch, solange es bloß darum geht, die Unordnung der ausgearteten Party zu breseitigen, die in der eigenen Bude und nicht bei einem der Freunde über die Bühne gegangen ist. Doch angenommen jemand sagt immerzu „Mach ich“, wenn der Vorgesetzte ankommt und ihm Zusatzaufgaben andrehen will – dann befindet sich der arme Ja-Sager irgendwann vielleicht am Rande eines Burnouts. Oder nehmen wir die Debatte um den Grundsatz „Nein heißt Nein“, den der Bundestag letztendlich 2016 im neuen Sexualstrafrecht verankert hat: Wenn es um sexuelle Selbstbestimmung geht, ist es gerade für Frauen verdammt wichtig, deutlich zu machen, was sie wollen – oder besser: nicht wollen.

Das Gute: Nein sagen kann man trainieren. Je öfter es ausgesprochen wird, umso einfacher geht es über die Lippen. Und du bist deshalb nicht automatisch ein Pessimist, Misanthrop oder Miesepeter. Es muss ja kein barsches „Nein“ als Antwort sein. Ein höfliches „Nein, danke“ oder ein bedauerndes „Sorry, aber Nein“ tut es auch – und das nimmt dir in der Regel keiner übel. Bislang hat mir weder jemand die Freundschaft gekündigt noch wurde ich gefeuert oder von meiner Familie verstoßen, weil ich wieder einmal die Nein-Sagerin gespielt habe.

Ist außerdem schon mal jemandem aufgefallen, dass es mehr Lieder über das Nein als über das Ja gibt? Vielleicht ist das auch meine subjektive Wahrnehmung, weil ich Pro Nein bin? Rapper Yung Hurn („Und ich sag Neeein“), die Band Tocotronic (Aber hier leben, nein danke“) oder Konstantin Wecker („Sage Nein“) singen über die vier Buchstaben, die vielleicht nicht das schönste Wort der deutschen Sprache, aber ein sehr bedeutendes ergeben.

Barack Obamas Wahlkampf-Slogan „Yes We Can“ war eine schöne Vision – aber Amerika anscheinend noch nicht bereit dazu. Als Konsequenz hat das Land nun jemanden gewählt, der alles ablehnt, was mit Menschlichkeit und Sozialreformen zu tun hat. Und die Moral von der Geschicht? Zu viel Ja wird ins Gegenteil verkehrt und führt zu Zustimmung nicht? Vielleicht bleibe ich auch deswegen lieber Nein-Sagerin – außer wenn ich irgendwann mal vor dem Standesbeamten stehen und das Ja-Wort geben sollte.

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