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Was ist Sapiosexualität? Wenn Intelligenz zum Fetisch wird

Geist ist geil: Phänomen Sapiosexualität

von Sirany, 27.10.2017

Das Gehirn ist das neue Sixpack – zumindest, wenn es nach der Meinung derer geht, die von sich behaupten, sapiosexuell zu sein. Aber woher kommt das eigentlich, das Phänomen Sapiosexualität?

Stell dir vor, du triffst das Mädchen oder den Typen deiner Träume. Ihr kommt ins Gespräch und in einem Nebensatz erwähnt sie oder er: „Ich bin übrigens sapiosexuell.“ – „Ehm … was bist du?“ – Und sie oder er dann so: „Ok, bye!“ Sapiosexuelle Menschen stehen auf Intelligenz. Wenn ihr Gegenüber nicht weiß, was Sapiosexualität bedeutet, ist das schon ein K.-o.- Kriterium, das ein Date ganz schnell beenden kann.

Doch nicht nur, um dir die Tour beim Flirten nicht zu vermasseln, solltest du wissen, welche Einstellung und Vorlieben sich hinter diesem Phänomen verbergen, das seit geraumer Zeit durch die Medien und Dating-Portale geistert.

Sapiosexualität bedeutet: Gehirn vor Geschlecht

Was genau bedeutet Sapiosexualität? Genau genommen heißt es nichts anderes, als dass du auf schlaue Menschen stehst. Gehirn vor Geschlecht sozusagen, ein großer Geist ist für Sapiosexuelle anziehender als ein großer Penis oder voluminöse Brüste. Warum das große Trara, magst du dich nun vielleicht fragen. Waren smarte Menschen nicht schon immer anziehend? Braucht dieses Kind unbedingt einen Namen?

Das Kryptonit der Sapiosexuellen ist der Intellekt

Bei der Sapiosexualität – der Begriff leitet sich übrigens vom lateinischen Wort „sapere“ für „wissen“ ab – soll es aber noch einen Schritt weitergehen. Jemand, der sich selbst als sapiosexuell bezeichnet, empfindet ein gebildetes Gegenüber nicht nur als attraktiv, sondern durchaus als sexuell erregend – ungeachtet seines Aussehens, Charakters oder anderer Eigenschaften.

Auch das Geschlecht spielt dabei für die „Nymphobrainiacs“ nicht unbedingt eine Rolle. Lassen sich andere Menschen von Schönheit, Geld oder Ruhm des potenziellen Partners beeindrucken, ist das Kryptonit der Sapiosexuellen der Intellekt.

Wird Sapiosexualität damit schon zu einer Art Fetisch? Das kommt in erster Linie auf die Definition an, denn ein Fetisch bezeichnet in der Regel meist unbelebte Gegenstände, die auf bestimmte Personengruppen sexuell stimulierend wirken.

Bezeichnen wir Sapiosexualität also lieber als Phänomen – eines, das insbesondere in den sozialen Netzwerken oder auf Dating-Portalen um sich greift. Bei einigen Singlebörsen wie „OkCupid“ steht sogar schon die Option „sapiosexuell“ zur Auswahl, um die eigenen geschlechtlichen Präferenzen zu beschreiben.

Was ist Sapiosexualität? Wenn Intelligenz zum Fetisch wird
Papier 1 – Elektronik 0: Bei sapiosexuellen Menschen siegt das Buch über das Tablet.

Ein biologischer Erklärungsversuch: Höhere Intelligenz = besseres Sperma?

Aber warum stehen manche Menschen darauf, wenn ihr Partner im Bett Schopenhauer zitiert oder die Quantentheorie erklärt? Möglicherweise hängt alles mal wieder mit der Evolution zusammen: Der US-amerikanische Evolutionspsychologe Geoffrey Miller will in seiner Studie herausgefunden haben, dass der IQ des Mannes mit der Qualität seines Spermas korreliert.

Fühlen sich zumindest sapiosexuelle Frauen also nur von intelligenten Herren angezogen, weil ihr Instinkt hier eine bessere Chance auf Nachwuchs wittert, indem sie das beste und gesündeste Sperma für die Nachkommen auswählen? Oder haben die Männer der Schöpfung ihren Humor und Intellekt bloß ausgebildet, um auf die Qualität ihres Samens hinzuweisen? Nicht für jede Tatsache braucht es eine biologische Erklärung. Belassen wir es lieber dabei, dass Intelligenz attraktiv ist, auch ohne mit Biologie erklärt zu werden, okay?

Was ist Sapiosexualität? Wenn Intelligenz zum Fetisch wird
Im Bett mit Derrida, Nietzsche und Sartre – bei sapiosexuellen Paaren ist das nichts Ungewöhnliches.

Welche Form von Intelligenz bevorzugen Sapiosexuelle?

Geht es nach dem Prinzip der Sapiosexualität, müssten sich chronisch untervögelte Nerds wie Sheldon Cooper aus der Comedy-Serie „The Big Bang Theory“ vor Verehrerinnen doch kaum retten können. Allerdings ist es bei der Intelligenz wie beim Schönheitsideal: Jeder hat eine andere Definition davon.


Jemand kann eine gute Allgemeinbildung haben oder eine Koryphäe auf seinem Fachgebiet sein, aber absolut null emotionale Intelligenz besitzen. Oder jemand ist furchtbar belesen, kriegt aber dafür den Haushalt nicht auf die Reihe.

Welche großen Formen von Intelligenz kennen wir überhaupt?

  • Kognitive Intelligenz: Hiermit ist gemeint, was wir im Allgemeinen als Intelligenz bezeichnen, also die geistigen Leistungen und Fähigkeiten.
  • Soziale Intelligenz: Die Fähigkeit, sich im Umgang mit anderen Menschen der Situation angemessen und klug zu verhalten.
  • Emotionale Intelligenz: Die Fähigkeit, eigene Gefühle und die anderer korrekt wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen bzw. darauf einzugehen.

Letztendlich muss jeder – nicht nur die Sapiosexuellen – selbst für sich entscheiden, welche Art von Intelligenz ihm wie wichtig ist. Meistens ist es doch eh eine Mischung aus allen drei Intelligenzformen, die wir sexy finden. Dafür braucht es keinen Extra-Ausdruck.

Und vielleicht ist Sapiosexualität sowieso bloß eine Social-Media-Eintagsfliege, ein Begriff, der es niemals in den allgemeinen Wortschatz schaffen wird. Oder benutzt jemand im realen Leben die ebenfalls aus Social Media erwachsenen Bezeichnungen „gastrosexuell“ (Menschen, die tolles Kochen anziehend finden) oder „lumbersexuell“ (ein Faible für den holzfällerhaften Bart-&- Karohemd-Style)?

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