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Frau in Bikini mit Herz aus Sonnencreme auf der Schulter am Meer

Hawaii verbietet Sonnencremes mit Oxybenzon – besser: Bio-Sonnenschutz

von Sirany, 05.06.2018

Es ist eine Krux: Was deine Haut schützt, schädigt andere Lebewesen. Studien zeigen, dass Sonnencremes mit chemischen UV-Filtern zum Korallensterben beitragen. Doch es gibt auch mineralischen Bio-Sonnenschutz.

Wenn Korallenriffe nicht mehr in farbenfroher Pracht erstrahlen, sondern wie eine gräulich-weiße, geisterhafte Mondlandschaft erscheinen, ist das Leben aus ihnen entwichen. Doch nicht nur die Korallen selbst sterben, auch die Algen, mit denen sie in einer Symbiose leben, und viele Fisch- und Pflanzenarten, die von diesem sensiblen Ökosystem abhängig sind, gehen ein.

Gründe für die Korallenbleiche, auf die das Korallensterben folgt, gibt es viele: die Erwärmung der Meere, Überfischung und die Verschmutzung der Ozeane. Auch die Verwendung von Sonnencreme mit chemischen UV-Filtern, insbesondere mit dem Stoff Oxybenzon, trägt dazu bei, dass die Meeresbewohner leiden.

Ein Gesetz zum Schutz der Korallenriffe

Schon im vergangenen Jahr hat ein Senator aus dem US-Bundesstaat Hawaii deshalb einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Sonnenschutz und andere Kosmetika mit dem besagten chemischen Filter Oxybenzon verbieten soll. Nun hat der 50. Bundesstaat der USA das Gesetz verabschiedet. Es tritt 2021 in Kraft.

Im mexikanischen Nationalpark Xel-Ha und auf der Halbinsel Yucatán ist Sonnenschutz mit chemischem UV-Filter bereits verboten, die Sonnencreme muss biologisch abbaubar sein.

Buntes Korallenriff
Damit Korallenriffe weiter in ihrer bunten Schönheit erstrahlen können, sollten Verbraucher auf Bio-Sonnencremes mit mineralischem UV-Filter umsteigen.

Sonnencremes mit chemischem UV-Filter gehören nicht ins Meer!

Wenn du an überfüllten Stränden ins Meer gehst, siehst du manchmal tatsächlich einen öligen Film, der sich auf das Wasser gelegt hat: Es sind die Reste von abgespülter Sonnencreme, mit denen sich die sonnenbadenden Urlauber vor der schädlichen UV-Strahlung schützen wollen. Und das kann man ihnen nicht einmal verübeln. Gleichzeitig kann man sich problemlos vorstellen, dass die Sonnencremereste nicht gut für die Umwelt sein können.

Den Meeren zuliebe solltest du dir Gedanken darüber machen, was du dir eigentlich auf die Haut schmierst. Denn Sonnencreme ist nicht gleich Sonnencreme! Es gibt Sonnenschutz mit chemischen UV-Filtern und Sonnenschutz mit mineralischen UV-Filtern. 

Welche Probleme verursachen chemische UV-Filter?

Zu den synthetischen Filtern zählt auch der künftig in Hawaii verbotene Stoff Oxybenzon (offizieller Name der chemischen Verbindung: Benzophenone-3). In Europa ist er ohnehin kaum noch in Kosmetika zu finden, da er aufgrund seiner hormonähnlichen Wirkung von vielen Herstellern mittlerweile als bedenklicher Inhaltsstoff betrachtet wird und ersetzt wurde.

Außerdem kommen Studien zu dem Ergebnis, dass Oxybenzon mitverantwortlich für das Korallensterben sei, weil der Stoff die Zellen der Nesseltiere schädige. Das führe zu Deformationen der Korallen und treibe auch die Korallenbleiche voran. Dabei stößt der Wirt, also die Koralle, die Algen, mit denen sie in einer Symbiose lebt, ab. Diese Algen, die Zooyanthellen, produzieren die Nahrung der Korallen und sind obendrein für die hübsche Farbe der Korallen verantwortlich. Die Korallen bleichen in der Folge aus und sterben ab, weil ihnen die Nahrung fehlt.


Andere chemische UV-Filter sind jedoch nicht viel besser als Oxybenzon. Der in europäischen Sonnencremes am häufigsten verwendete Stoff ist Octocrylen. Umweltschützer kritisieren, dass jener wasserunlösliche synthetische UV-Filter schwer abbaubar ist und sich auf Organismen und am Meeresboden festsetzt. Außerdem wird vermutet, Octocrylen wirke sich negativ auf Meeresorganismen aus und könne sie in ihrem Wachstum bremsen. In einer Studie aus dem Jahr 2014 wurden zum Beispiel die Auswirkungen der Substanz auf den Zebrabärbling untersucht. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Octocrylen das Wachstum und die Entwicklung der Karpfenfische beeinflussen könne.

Frau mit Sonnenhut schaut herauf zu einem Dach aus Schirmen
Am ökologischsten ist immer noch, dich ganz ohne Sonnencreme vor der UV-Strahlung zu schützen – mit Hut, Schirm und langer Kleidung.

Sonnencremes mit mineralischem UV-Filter: Besser aber auch nicht optimal

Laut der Meeresbehörde NOAA gelangen jährlich bis zu 6.000 Tonnen Sonnencreme in die Meere (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Der Großteil davon sind Produkte mit chemischen UV-Filtern, welche die Meere belasten.

Umweltfreundlicher sind Bio-Sonnencremes ohne Chemie mit mineralischem UV-Filter, weil sie besser abbaubar sind und in der Regel kein Mikroplastik enthalten. Sie verwenden physikalische Filter wie Titandioxid oder Zinkoxid. Doch auch diese Substanzen sind umstritten. Der ungeliebte Weißeffekt – das schlechte Einziehen der Creme, die einen weißen Film auf der Haut hinterlässt – ist noch das kleinste Problem beim Bio-Sonnenschutz.

Um dieses “Weißeln“ zu reduzieren, werden die mineralischen Stoffe nämlich zerkleinert. Teilweise so stark, dass nur noch Nanopartikel zurückbleiben. Diese Nanoteilchen kommen sowohl in chemischen als auch in mineralischen Sonnencremes vor.

Bislang ist noch nicht ausreichend untersucht, welche Auswirkungen Nanopartikel auf den Körper haben. Zum einen ist es umstritten, ob und in welchem Umfang sie überhaupt durch die gesunde Haut dringen können oder einfach darauf klebenbleiben. Zum anderen ist bislang nicht eindeutig bewiesen, ob sie gesundheitsschädlich für den Menschen sind.

Auch die Auswirkungen der Nanopartikel auf die Umwelt sind noch nicht völlig geklärt. Wasserflöhe jedenfalls scheinen die Nanoteilchen von Sonnencremes mit physischem Titandioxid-Filter nicht gut zu vertragen, wie eine Studie von 2012 beweist. Sie sollen Auswirkungen auf die Schwimmfähigkeit der Tierchen haben und die nachkommenden Generationen schädigen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, greift also zu mineralischen Sonnencremes ohne Nanopartikel. Nanoteilchen in Kosmetikprodukten sind seit 2013 kennzeichnungspflichtig, in der Auflistung der Inhaltsstoffe steht dann beispielsweise „Titandioxid (nano)“.

Was ist die Alternative zu Sonnencremes?

Bislang gibt es offenbar keinen komplett unbedenklichen Sonnenschutz. Die Alternative zu Sonnencreme besteht darin, dich und deine Haut so wenig wie möglich der gefährlichen UV-Strahlung auszusetzen. Schütze dich durch schattige Plätzchen, Sonnenhut und -schirm. Auf und im Wasser kannst du lange Kleidung aus Lycra oder Neopren tragen – das ist vielleicht nicht gerade sexy, aber der umweltfreundlichste Sonnenschutz.

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