Helfersyndrom? Von wegen! Warum Gutes tun glücklich macht

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von Sirany, 27.10.2017

Die einen wollen Karmapunkte sammeln, die anderen sehen darin ihr persönliches Glücksrezept: Gutes tun hilft nicht nur anderen, sondern auch dir selbst. Warum das so ist? Lies selbst!

Bei den „Simpsons“ ist Ned Flanders wohl die Verkörperung des Altruisten schlechthin. Stets gutmütig, hilfsbereit und aufopfernd wird seine Einstellung nicht einmal erschüttert, wenn andere ihn gemein ausnutzen.

Ein bisschen belächeln wir ihn, diesen Ned Flanders. Aber eine andere Seite von uns möchte etwas mehr so wie er sein. Denn er ist stets mit sich im Reinen und scheint seine Zufriedenheit daraus zu ziehen, dass er Gutes für andere tut. Aber nicht nur Flanders ist der Beweis dafür, dass Helfen glücklich macht.

Mal neurologisch betrachtet: Helfen ist fast so gut wie Sex

Neurowissenschaftler haben längst bewiesen, dass durch das Helfen dieselben Belohnungssysteme im Gehirn aktiviert werden, die auch anspringen, wenn uns selbst Gutes zuteilwird. Soll heißen: Durch gute Taten wie – zum Beispiel eine Geldspende an Bedürftige – werden Hirnareale angesprochen, die auch bei anderen angenehmen Tätigkeit wie Sex oder dem Essen von Schokolade reagieren.

Die Folge davon: Dein Körper schüttet Endorphine aus, du wirst glücklich. Im Englischen gibt es sogar eine Bezeichnung für dieses Phänomen: „Helper’s High“, das Hochgefühl des Helfens also.

Angeblich geht dieses High-Gefühl bei einigen Menschen – meistens Personen mit geringerem Selbstwertgefühl – sogar so weit, dass sie Gutes tun zum einzigen Sinn in ihrem Leben erheben und sich selbst und ihre Angehörigen dadurch vernachlässigen. Das sogenannte Helfersyndrom wurde bislang allerdings noch nicht empirisch belegt.

Gutes tun Warum Helfen glücklich macht
You get what you give: Mal bist du derjenige, der die helfende Hand reicht, mal greifst du nachihr.

Soziales Engagement – voll im Trend?

Als im Jahr 2015 die Zahl der Flüchtlinge in Europa stark anstieg, schwappte eine Welle der Hilfsbereitschaft durch die Gesellschaft. Auch bei regionalen Überschwemmungen erleben wir Ähnliches: Das Leid ist präsent und greifbar und motiviert Menschen zu einem sozialen Engagement auf Zeit. Wenn die Notlage sich entschärft hat, tauchen auch die Kurzzeit-Helfer wieder ab. Oder sind sie dann bloß in den Medien nicht mehr präsent?

Sicher ist, dass es auch bei ehrenamtlichen Tätigkeiten eine soziale Beeinflussung durch das Umfeld gibt. Wenn du mitbekommst, dass sich deine Freunde, Bekannten und gefühlt ein Großteil der Gesellschaft engagiert, bist auch du eher dazu geneigt, eine ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben.

Service-Clubs wie Rotary oder Lions setzen sich organisiert für das Wohl anderer ein und fördern kulturelle, soziale, humanitäre oder Bildungseinrichtungen. Sie gelten andererseits aber auch als elitäre Vereine, in denen Netzwerkerei unter den Mitgliedern betrieben wird, um den eigenen beruflichen Werdegang zu pushen. Charity oder Karriere-Sprungbrett – welcher Beweggrund zu einer Mitgliedschaft steht wohl im Vordergrund?

Von Karmapunkten bis Lebenssinn – warum wir Gutes tun

Tatsache ist, dass jeder Mensch seine eigene Motivation hat, um anderen Menschen zu helfen und etwas Gutes zu tun. Mögliche Beweggründe können sein:

  • Dankbarkeit: Aufrichtige Worte des Dankes sind wie Musik in den Ohren und lösen Glücksgefühle aus.
  • Verbundenheit: Durch dein soziales Engagement fühlst du dich stärker mit den anderen Helfern und den Hilfsbedürftigen verbunden, der Zusammenhalt wird gefestigt.
  • Neue Sicht auf das eigene Leben: Die Wertschätzung für das eigene Leben steigt oft, wenn du erfährst, wie schlecht es anderen Menschen geht.
  • Neue Erfahrungen machen: Du willst dich neuen Herausforderungen stellen und neue Menschen kennenlernen.
  • Lebenssinn: Sinngetrieben suchst du eine Bereicherung für dein Leben und findest dein Glücksrezept darin, anderen zu helfen bzw. im Gefühl, gebraucht zu werden.
  • Anerkennung: Auch die Anerkennung anderer Menschen, die sich beeindruckt davon zeigen, dass du Gutes tust, macht dich zufrieden.
  • Steigerung des Selbstwertgefühls: Ein besseres Selbstwertgefühl resultiert häufig aus der Anerkennung, die einem zuteilwird.
  • Karmapunkte: Dich treibt der spirituelle Glaube daran, dass jede deiner Handlungen Folgen hat und du bekommst, was du verdienst.

Gutes tun: Warum Helfen glücklich macht
Gutes tun stärkt den Zusammenhalt und die Verbundenheit – zwischen Freunden undFremden.

Schäm dich nicht dafür, wenn du dein Ehrenamt auch für dich ausübst

Jeder der Beweggründe beinhaltet auch eine subjektive Komponente. Du tust nicht nur Gutes, um anderen zu helfen, sondern auch, um dir selbst Gutes zu tun. Da ist nichts Verwerfliches dran und es macht dein soziales Engagement nicht schlechter. Viel wichtiger ist, dass du eine Aufgabe findest, die zu dir, deinen Kenntnissen und Erwartungen passt. Denn sonst kann das Ehrenamt in Frust und Überforderung enden.

Gesteh dir ruhig ein, dass du eine ehrenamtliche Tätigkeit auch ausübst, weil es dich glücklich macht und dir ein gutes Gefühl gibt. Die Phrase „Ich mache das, um etwas Gutes zu tun“, wirkt sowieso nicht ganz glaubwürdig – außer man ist Ned Flanders.

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