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Mann im pinken Pulli mit pinkem Rauch

Ist Pink teurer als Blau? Was ist dran am Gender Pricing?

von Sirany, 07.03.2018

Wenn der Nassrasierer in Rosa für Frauen mehr kostet als der blaue für Männer, ist das Gender Pricing. Auch im Dienstleistungssektor kommt so eine geschlechtsspezifische Preisdifferenzierung vor.

Ob beim Frisör oder in der Reinigung, in der Drogerie oder im Spielwarengeschäft – geschlechtsspezifische Preisunterschiede sind in vielen Bereichen zu finden. Das sogenannte Gender Pricing, also die Preisfestlegung nach Geschlecht, benachteiligt in manchen Fällen zwar auch Männer, öfter müssen jedoch Frauen bei bestimmten Dienstleistungen und Produkten draufzahlen. Und das für gleiche oder zumindest vergleichbare Leistungen.

So kann es sein, dass dieselbe Ware in Rosa mehr kostet als in einer anderen, eher Männer-typischen Farbe. Im Englischen hat sich daher auch der Begriff „Pink Tax“, rosa Steuer, etabliert. Allerdings impliziert diese Bezeichnung im Gegensatz zur Definition von Gender Pricing, dass ausschließlich Frauen mehr zahlen, und vernachlässigt die Tatsache, dass auch für Männerprodukte in bestimmten Fällen höhere Preise erhoben werden. Eine Studie von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat nun untersucht, wie es mit der Preisdifferenzierung nach Geschlecht in Deutschland aussieht.

Studie untersucht, ob Gender Pricing diskriminierend ist

Um das herauszufinden, hat die Studie „Preisdifferenzierung nach Geschlecht in Deutschland“, die im Dezember 2017 vorgestellt wurde, 381 Dienstleistungen genauer unter die Lupe genommen – darunter Frisöre, Reinigungen und Schuhreparaturdienste. Außerdem wurden 1.682 vergleichbare Produktvarianten aus den Bereichen Kinderspielzeug und -bekleidung, Kleidung für Erwachsene, Körperpflege und Parfüm untersucht. Letztendlich kommt der Bericht zwar zu dem Ergebnis, dass Frauen in Deutschland pauschal keine höheren Preise zahlen als Männer und auch pinke Produkte nicht zwangsläufig teurer sind als zum Beispiel blaue. Allerdings gibt es Fälle von Gender Pricing, bei denen die unterschiedlichen Preise nach Geschlecht nicht nachvollziehbar sind – und deshalb eigentlich gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) verstoßen.

Mann beim Friseur
Gleicher (Kurzhaar-)Schnitt für alle? Ein Frisörbesuch ist für Männer oft günstiger als für Frauen – trotz gleicher Leistung.

Der Frisörbesuch kostet für Frauen mehr

Eklatant sind die Preisunterschiede zum Beispiel bei bestimmten Dienstleitungen, die sowohl von Männern als auch von Frauen in Anspruch genommen werden. Bei rund 225 (59 Prozent) der 381 untersuchten Leistungen gab es abweichende Preise für Männer und Frauen. Beim Frisör beispielsweise zahlen Frauen fast immer mehr als Männer. Nun könnte man argumentieren, dass das weibliche Geschlecht in der Regel längere Haare hat, doch auch bei einem Kurzhaarschnitt weichen die Preise voneinander ab. Lediglich 13 von 116 befragten Frisiersalons bieten einen vergleichbaren Kurzhaarschnitt für Männer und Frauen zu denselben Preisen an. Sonst zahlen Frauen durchschnittlich 12,60 Euro (55 Prozent) mehr für einen solchen Schnitt. Bei einem Langhaarschnitt sind es sogar 17 Euro (72 Prozent) Preisaufschlag. Die Frisöre begründen dies damit, dass Frauenhaarschnitte auch bei gleicher Länge aufwendiger seien als Männerfrisuren, was aber auf einer Pauschalisierung beruht.

Auch in der Reinigung wird von Frauen mehr Geld verlangt. Für eine Bluse zahlen sie durchschnittlich 1,80 Euro (93 Prozent) mehr als Männer für ein Hemd. Begründung: Blusen müssten von Hand gebügelt werden, während Hemden auch automatisch gebügelt werden können. Die Studie kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass diese Argumentation falsch ist, da maschinelles Bügeln auch bei Blusen möglich ist.

In anderen Dienstleistungsbereichen sind wiederum Männer benachteiligt. Für ein Waxing müssen sie etwa 1,71 Euro (14,9 Prozent) mehr bezahlen als Frauen. Und auf Dating-Portalen oder in Clubs genießen Frauen oft Vergünstigungen, während Männer den vollen Preis zahlen.

Keine gezielte Diskriminierung bei Produkten erkennbar

Von den 1.682 Produktvarianten wiesen dagegen nur 62 (3,7 Prozent) eine Form von Gender Pricing auf. Ein auffälliges Beispiel waren hier die Einwegrasierer eines Discounters, die in der pinken Version „for women“ für 4,49 Euro und in Blau „for men“ für 3,89 Euro verkauft wurden. Auch bei Spielzeug sind teilweise unnachvollziehbare Preisunterschiede auszumachen. Oder warum wird das Bobby Car im klassischen Rot für 32,98 Euro verkauft, während es in „girly“ Rosa 36,99 Euro kostet? Dasselbe gilt für einen Hüpfball mit Disney-Motiven. Ist die „Eiskönigin“ darauf abgebildet, liegt der Preis bei 8,99 Euro, mit dem eher Jungs ansprechenden „Cars“-Motiv kostet er nur 7,98 Euro.

Frau mit Rasierer
Wer Pink haben will, muss draufzahlen: Einige Produkte in dieser Farbe kosten mehr als der gleiche Artikel in einem anderen Farbton.

Gender Pricing nicht dulden und hinterfragen

Wie du dich gegen das Gender Pricing wehren kannst? Auch wenn die Festlegung des Preises bei einigen Produkten und Dienstleistungen nach rechtlicher Bewertung gegen das AGG verstößt, hat ein einzelner Verbraucher in der Regel wenig Anreiz, gegen den Dienstleister zu klagen. Der Aufwand und die Kosten für ein Gerichtsverfahren wären viel zu hoch, als dass der Aufpreis des Angebots es rechtfertigen würde. Eine Verbands- oder Sammelklage, mit der sich viele benachteiligte Kunden gemeinsam (etwa über Verbraucherzentralen) beschweren könnten, ist im Falle des Antidiskriminierungsgesetzes bislang nicht möglich.

Und so bleibt dir derzeit nicht viel anderes übrig, als direkt bei Frisören, Reinigungen & Co., die verschiedene Preise für Männer und Frauen ansetzen, nachzufragen und um mehr Transparenz zu bitten. Bei den teureren, „gegenderten“ Produkten ist es hingegen viel simpler: Du greifst einfach zu einem anderen, günstigeren Produkt. Man kann sich als Frau schließlich auch mit einem blauen Rasierer wunderbar die Beine rasieren.

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