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Viele blaue Wattestäbchen aus Plastik

Kampf dem Plastikmüll: EU will Strohhalme, Wattestäbchen & Co. verbieten

von Jasmin, 11.07.2018

Endlich passiert, was schon lange überfällig ist: Die Politik sagt dem exorbitanten Plastikverbrauch den Kampf an – zumindest die EU. Die will künftig Strohhalme, Wattestäbchen und Co. verbieten. Aber ist das Verbot wirklich sinnvoll – oder doch nur Augenwischerei?

Im Pazifik geistert ein Müllstrudel herum. Er besetzt ein Gebiet von unvorstellbaren 1,6 Millionen Quadratkilometern – das ist knapp die fünffache Fläche Deutschlands – und besteht aus rund 80.000 Tonnen Plastik. Ein internationales Team aus Meeresbiologen veröffentlichte diese erschreckenden Zahlen im März 2018 nach jahrelanger Erforschung des betroffenen Ozeans.

Klar, der Pazifik ist weit weg von uns. Wir Deutschen kippen unseren Müll ja auch nicht einfach in Ost- oder Nordsee. Im Idealfall trennen wir die Wertstoffe, recyclen sie und verwerten sie wieder. Aber die romantische Vorstellung von der sauberen Müllentsorgung ist eben nichts anderes als eine Utopie. Auch an deutschen Stränden wird immer mehr biologisch nicht abbaubarer Unrat angeschwemmt. Badegäste lassen ihre Essensreste samt Verpackungen einfach im Sand liegen, beliebte Grillplätze gleichen nach dem Wochenende einem Schlachtfeld.

Da gibt es keine Entschuldigungen mehr: Auch wir benutzen zu viel Plastik – und recyclen es eben nicht wie gewünscht. Die EU will nun Maßnahmen gegen die Schwemme an Plastikmüll einleiten. Fraglich allerdings, ob die Politiker das Problem wirklich bekämpfen können.

Erste Plastikverbote kommen

Um der sich verschärfenden Situation Einhalt zu gebieten, will die EU künftig folgende Plastik-Produkte verbieten:

  • Wattestäbchen
  • Plastikgeschirr und -besteck
  • Strohhalme
  • Halterungen an Luftballons
  • Plastikstäbchen zum Umrühren von Getränken

Ersatz ist in der Regel schnell gefunden: Wer zum Grillen im Park nicht das teure Porzellan mitnehmen will, kann heutzutage problemlos zu Einweggeschirr aus Bambus greifen. Die sehr schnell wachsende Pflanze ist ein einfach zu züchtender, nachhaltiger Rohstoff, der selbst in relativ trockenen Böden innerhalb kürzester Zeit sprießt. Aus ihm werden in asiatischen Ländern schon lange Besteck, Geschirr und Möbel gefertigt. Allerdings ist das Besteck aus diesem Material auch wesentlich teurer als die Plastikvariante.

Viele bunte Plastikstrohhalme
Bunte Strohhalme sollen bald der Vergangenheit angehören.

Halterungen an Luftballons und Stäbchen zum Umrühren von Heißgetränken können ebenso aus Holz hergestellt werden. Auch bei Wattestäbchen könnten Hersteller entsprechend umdisponieren. Und für Strohhalme ließe sich sicher auch eine praktikable Lösung finden. Alles in allem also ein Konzept, das Hand und Fuß zu haben scheint und der Verbraucherzufriedenheit nicht im Weg stehen dürfte.

Die EU-Kommission hatte sich vorab für ein Verbot der benannten Produktgruppen entschieden, nachdem langwierige Beobachtungen zu dem Schluss kamen, dass eben jener Müll am häufigsten an europäischen Stränden gefunden wird. So sollen die gewählten Maßnahmen den Plastikmüll im Meer verringern und den Kontinent sauberer halten.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Laut der Kommission sollen zusätzliche Auflagen zur Reduktion von Verpackungsmüll und Plastikflaschen von den Mitgliedsstatten erfüllt werden. Nicht in jedem Land herrscht ein Pfand-Zyklus wie in Deutschland, viele Kunststoffbehälter landen daher im Restmüll oder irgendwo in der Natur. Wie hier allerdings konkrete Regelungen aussehen oder maximale Produktionsmengen festgelegt werden, ist bislang noch unklar.

Dennoch: Die EU geht mit ihren vorgestellten Maßnahmen gegen Plastikmüll einen kleinen Schritt in die richtige Richtung. Die Wurzel des Problems wird damit aber noch nicht bekämpft, lediglich einige Symptome eines kränkelnden Systems. Denn solange die Politik nicht die großen Plastikproduzenten in ihre Schranken weist, werden weiterhin unnötige Verpackungen das Ökosystem belasten.

Plastikmüll am Strand
Plastikmüll in horrendem Ausmaß belastet die Weltmeere – und damit das globale Ökosystem.

Plastikmüll vermeiden: Im Alltag immer noch schwierig

Umweltschützer kritisieren, dass vor allem täglich millionenfach verkaufte Lebensmittel und Drogerie-Produkte nicht von den Regulierungen betroffen sind. Gemüsesorten wie Gurken, Salate oder Karotten werden selbst als Bio-Ware oft in Plastik eingeschweißt. Sogar einzelne Avocados oder Obst wie Passionsfrüchte kommen gern im Kunststoffkleidchen daher – Süßigkeiten oder gekühlte Waren sind ohne Plastikverpackungen die Ausnahme. Und in der Hygiene- und Kosmetikabteilung ist Plastik ebenfalls ein nicht zu vermeidendes Verpackungsmaterial. Wieso? Weil es einfach und kostengünstig ist – und sich damit perfekt für die Gewinnkalkulationen der Industrie anbietet.

Hier könnte die Politik ebenfalls ansetzen und der Wirtschaft eine etwas kürzere Leine anlegen, beispielsweise Plastikverpackungen besteuern. Strohhalm- und Wattestäbchenverbote sind eben nur das Tüpfelchen auf dem i – und der Endverbraucher kann bei dem ganzen großen, dreckigen Rest auch nicht viel ändern. Denn wo dem ihm keine Wahl gelassen wird, kann er auch keine treffen.

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